Prozess um Angriff in Wernau Nebenbuhler mit Schraubenzieher attackiert

  Foto: dpa/Christoph Schmidt

Obwohl er sich von seiner Partnerin getrennt hatte, konnte er keinen Schlussstrich ziehen. Als sie einen neuen Freund hatte, rastete er in Wernau aus. Ein Mann muss sich wegen der Tat jetzt vor dem Stuttgarter Landgericht verantworten.

Reporterin: Simone Weiß (swe)

Vor dem Stuttgarter Landgericht hat am Dienstag der Prozess gegen einen 29-Jährigen begonnen, der am 5. März in Wernau mit einem Schraubenzieher auf den neuen Partner seiner Ex-Freundin eingestochen haben soll. Dem Mann droht eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags. Mitangeklagt ist sein sechs Jahre jüngerer Bruder, der den Angegriffenen während der Attacke festgehalten haben soll.

 

Der 29-Jährige hat eine Biografie voller Brüche. Sein Leben war seinen Angaben zufolge geprägt von Alkoholabhängigkeit, Drogenkonsum, Depressionen, familiären Problemen und einer ADHS-Diagnose. Im Alter von zehn Jahren habe er erstmals versucht, sich das Leben zu nehmen und von einem Dach zu springen. Nur das gute Zureden seiner Großmutter habe den Suizid verhindern können. Halt schien der gelernte Schweißer in der Beziehung zu einer etwa gleichaltrigen Frau zu finden. Während der dreijährigen Partnerschaft teilten sich beide eine Wohnung in Stuttgart, bis der Angeklagte im Juli 2021 Schluss machte. Er habe während eines Cannabisentzugs nicht mehr klar denken können, gab der Mann an. Laut einem Vernehmungsprotokoll, aus dem in der Verhandlung zitiert wurde, sei ihm die Frau auch „zu simpel“ gewesen. Die Verlassene sei durch die Trennung am Boden zerstört gewesen und habe viel geweint.

Neuen Lebensmut fasste die Frau durch einen neuen Mann in ihrem Leben, mit dem sie vom November des vergangenen Jahres an zusammen war. Offenbar sehr zum Unmut des Angeklagten. Bei mehreren Telefonaten sei es zu gegenseitigen Beleidigungen, Beschimpfungen und Bedrohungen zwischen ihm und dem neuen Partner gekommen, gab der Angeklagte freimütig an.

Träume von Beleidigungen

Die ohnehin schon aufgeheizte Situation eskalierte am 5. März. Der Angeklagte schilderte den Tathergang aus seiner Sicht: Gegen 7 Uhr sei er von der Nachtschicht nach Hause gekommen, habe eine halbe Flasche Wein geleert, sei schlafen gegangen und habe von den Beschimpfungen des neuen Lebensgefährten seiner Ex-Freundin geträumt. Daraufhin habe er nochmals eine halbe Flasche Wein geleert und den anderen angerufen. Wieder sei es zu einer Auseinandersetzung gekommen: „Ich wollte ihn schlagen.“ Da habe er seinen Bruder alarmiert und sei mit ihm mit der S-Bahn nach Wernau gefahren.

Mit Schraubenzieher zugestochen

Vom Bahnhof aus gingen die Brüder zu Fuß zum Wohnhaus der Ex-Freundin. Aus dem vorhergegangenen Telefonat wusste der Angeklagte, dass sich sein vermeintlicher Kontrahent dort aufhielt. Der Bruder klingelte an der Haustür, und kurz darauf kam der neue Partner heraus in den Vorgarten. Es kam zu einer Schlägerei.

Durch einen Hieb seines Gegners gegen den Oberkörper habe er gemerkt, dass er einen Schraubenzieher in der Brusttasche habe, berichtete der Angeklagte. Er habe mit dem Werkzeug mehrmals auf den anderen eingestochen. Ein Stich traf den Nebenbuhler im Brustbereich. Sein Bruder habe den Mann zuerst festgehalten, doch dann habe er sich zwischen die Kontrahenten gedrängt, so der Angeklagte. Der andere Mann sei schließlich ins Haus gegangen, er selbst habe auf das Eintreffen der Polizei gewartet, berichtete der 29-Jährige.

Ein wenig anders schilderte der Bruder den Tathergang. Er habe den anderen Mann zu keinem Zeitpunkt festgehalten. Vielmehr habe er die ganze Zeit versucht, die beiden Männer voneinander zu trennen.

Weitere Themen