Prozess um tödliche Schüsse in Asperg Neue Hinweise spielen Verteidigung in die Karten

Die Anwälte eines Angeklagten: Alexander Götz (links) und Dominik Streit. Foto: Ralf Poller

Am elften Prozesstag um die tödlichen Schüsse in Asperg bringt eine Kriminaltechnikerin die Angaben des überlebenden Opfers ins Wanken. Konnte er wirklich erkennen, wie viele Täter vor Ort waren?

Ludwigsburg: Maximilian Kroh (kro)

Einer der drei Angeklagten im Prozess um die tödlichen Schüsse in Asperg hat bereits gestanden, die Schüsse abgegeben zu haben, die den 18-jährigen Lukas töteten und seinen damals gleichaltrigen Freund schwer verletzten. Auch die beiden anderen Beschuldigten sind wegen gemeinschaftlichen Totschlags angeklagt. Wie sie in die Tat verwickelt sind, ist aber noch unklar. Die Aussage einer Kriminaltechnikerin am elften Prozesstag wirft die Frage auf, wie viel der Schwerverletzte am Tatort gesehen hat – und ob wirklich alle drei Angeklagten vor Ort waren.

 

Am dritten Prozesstag hatte Lukas’ Freund seine Sicht auf den Tatverlauf in der Nacht vom 7. auf den 8. April vergangenen Jahres vor Gericht dargelegt. Er gab damals unter anderem an, dass in der Tatnacht ein BMW X7 auf den Parkplatz bei der Asperger Kleinturnhalle gefahren sei. Er habe im Schatten von Bäumen geparkt, und drei bis vier Leute seien ausgestiegen. Allerdings habe er nur schemenhaft Gestalten erkennen können.

Die Kriminaltechnik des Polizeipräsidiums Ludwigsburg hatte daraufhin im Juni die Lichtverhältnisse auf dem Schotterplatz überprüft. Das einzige Licht, das nach Aussage der Beamtin auf den Schotterplatz geschienen habe, stamme von einem kleinen Fußweg zwischen einem Bolzplatz und einer Kleinturnhalle. „Der Lichtkegel hat aber schon vor dem Parkplatz geendet“, sagte die Beamtin.

Von der Seite, auf der der Schütze mutmaßlich stand, falle dagegen überhaupt kein Licht auf den Schotterplatz – es sei dort „stockdunkel“ gewesen. Zwar wurde bei der Überprüfung der Tatverlauf nicht nachgestellt, doch die Kriminaltechnikerin war sich sicher, dass rund um das parkende Auto nichts zu erkennen gewesen sein muss.

Anwälte: „Der Geschädigte schaute ins Dunkel“

Eine andere Beamtin erläuterte am Donnerstag, dass die Polizei am Fahrzeug der Angeklagten einen Beleuchtungstest durchgeführt hatte. Der Test hatte ergeben, dass sowohl die Innen- als auch die Außenbeleuchtung des BMWs beim Ausschalten des Motors in Sekundenschnelle ausging. Auch beim Öffnen der Türen leuchtete das Licht im Innern des Autos nicht auf, wie es normalerweise der Fall ist. Die Erkenntnisse über die Lichtverhältnisse auf dem Platz und die rund um den BMW stützen die Argumentation der Verteidigung.

Der Anwalt Dominik Streit vertritt mit seinem Kollegen Alexander Götz den Standpunkt, ihr gemeinsamer Mandant, der jüngste Angeklagte, sei in besagter Nacht nicht am Tatort gewesen. Streit fasste nach den Ausführungen der Kriminaltechnikerin seine Sicht der Dinge zusammen: „Es ist maßgeblich, von wo man schaut. Der Geschädigte schaute ins Dunkel.“ Die Auswertung der Lichtverhältnisse ist dafür zwar kein Beweis, könnte jedoch für den jüngsten Angeklagten sprechen.

Die Verteidiger beantragten am Donnerstag ferner, dass das Handy ihres Mandanten erneut ausgewertet werde. Die Annahme des Gerichts, er habe sein Smartphone im Zeitraum um die Tat nicht benutzt, könne nicht stimmen. Die Verteidigung will zeigen, dass der jüngste Angeklagte während des Tatzeitraums sein Handy geladen und mehrere Apps genutzt hat. Das könnte wiederum dafür sprechen könnte, dass er nicht an der Tat beteiligt war.

Besagtes Handy spielte auch in der Aussage einer Polizeibeamtin eine Rolle, die nach der Verhaftung des 18-Jährigen an der Durchsuchung von dessen Wohnung beteiligt war. Wie die Beamtin erklärte, hätten die Ermittler das Smartphone in einer Jackentasche im Zimmer der Schwester des Angeklagten gefunden.

Der Prozess wird am kommenden Mittwoch fortgesetzt.

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