Pubertär oder politisch? Warum Eislinger Stadträte mit einem Fotokalender provozieren

Auf den Eklat beim Kreisellauf spielt dieses Kalenderblatt an. Foto: Giacinto Carlucci

Eine Person mit Pistole am Kopf und Dynamitstange in der Hand – dieses Kalendermotiv sorgt in Eislingen im Kreis Göppingen derzeit für Gesprächsstoff. Hinter dem umstrittenen Werk stehen drei Stadträte. Das sind die Hintergründe.

Drei Stadträte aus zwei Fraktionen mit verschränkten Armen unter der Bahnunterführung, davor reckt eine Frau eine alte Vorderladerbüchse in die Höhe. Ein androgynes Wesen in Startposition. Auf ihren/seinen Kopf ist eine Pistole gerichtet, in der Hand soll eine Stange Dynamit den Staffelstab symbolisieren. „Was soll daran lustig sein? Das soll doch die MfE mal erklären“, sagte Hans-Ulrich Weidmann laut einer MfE-Mitteilung jüngst beim Neujahrsempfang der Eislinger SPD mit Blick auf den Kalender 2024 des Vereins Menschen für Eislingen (MfE).

 

Der Verein nimmt die Aufforderung wortwörtlich

Darauf wollen die „glücklichen Eltern des Kalenders“, wie sich Axel Raisch, Hans-Jörg Autenrieth (beide CDU) und Uwe Reik (SPD) bezeichnen, eine Antwort geben – im Café Gromer. Schließlich sehe sich MfE „in der großen Tradition der Arbeiterbildungsvereine“ und erkläre den Kalender, heißt es in der Einladung. Während Weidmann seine Frage eher rhetorisch und sich distanzierend von den Bildern des Kalenders gemeint haben dürfte, nehmen ihn MfE wortwörtlich. Schließlich stehe Bildung, die „bis dato einem exklusiven Kreis vorbehalten war, am Anfang der Sozialdemokratie“.

„Diese Liebeserklärung kam so unverhofft wie unverblümt“, schreibt MfE über den Umstand, dass der SPD-Vorsitzende über die MfE gesprochen habe. Der Kalender sei „kein Klamauk, sondern hochpolitisch“, und dennoch auch sehr witzig – finden die Macher. Das würden auch die Käufer so sehen, sagt Raisch. Der politischen Konkurrenz bleibt der Witz tendenziell eher im Hals stecken. Er habe zwar den Kalender nicht gekauft, aber die Fotos gesehen, sagt Holger Haas (Grüne). Er findet die Motive „höflich gesagt spätpubertär“. Und die Aufnahme mit der Pistole am Kopf sei schon sehr grenzwertig.

Andere Fraktionen finden den Kalender nicht lustig

Mit dem Juli-Motiv wolle MfE auf die Debatte und den Eklat rund um den Eislinger Kreisellauf anspielen, als das Team nicht zugelassen wurde, weil es entgegen der Regeln eine Mannschaft ohne Frau ins Rennen schicken wollte. „Wir wollten niemand auf die Füße treten“, versichert Raisch. Dieser Humor findet beim Vorsitzenden der CDU-Abspaltung Eislinger Demokratische Mitte (EDM) wenig Gegenliebe. Das sei nur Provokation, sagt Manfred Strohm. Er nennt die Bilder „zynisch“ und eine „Satire der seltsamen Art“. Einen Grund zum Lachen sieht auch SPD-Fraktionschefin Angela Schirling nicht. Sie finde die Motive nicht so toll. „Ich verstehe auch den Witz nicht.“ Vom SPD-Ortsverbandsvorsitzenden Weidmann war gestern trotz mehrerer Versuche keine Stellungnahme zu bekommen. Andreas Cerrotta, Fraktionschef der Freien Wähler, rät zur Gelassenheit. Er könne damit leben, zumal niemand persönlich angegriffen werde. „Nicht alles so hoch hängen“, rät Cerrotta. Die Stadträte der MfE „samt Entourage“ wollen am Freitag, 23. Februar, ab 16 Uhr im Café Gromer ihren Kalender erläutern.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Eislingen Kalender Streit Kommunalwahl