Puppenspiel in Remshalden Zwischen Brezel und Marionette

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Die Puppenspielerinnen Sarah Frechette und Robin Walsh aus den USA treten am Samstag in Remshalden-Geradstetten auf – in der neuen Kulturscheuer Zamma von Architekt Martin Bühler

Sarah Frechette (links) und Robin Walsh treten im Zamma auf Foto: Gottfried Stoppel
Sarah Frechette (links) und Robin Walsh treten im Zamma auf Foto: Gottfried Stoppel

Remshalden - Sie lieben schwäbische Butterbrezeln. Sarah Frechette und Robin Walsh, Puppenspielerinnen aus den USA, antworten prompt, als sie gefragt werden, was ihnen hier in Deutschland gefällt. Doch die beiden Frauen sind nicht nur zum Brezelessen in die Region gekommen: Am kommenden Samstag um 20 Uhr treten sie im Zamma in Remshalden-Geradstetten auf, am Sonntag um 16 Uhr im Fitz-Figurentheater in Stuttgart.

Eine Hommage an den Meister

Eine Hommage an den Meister der Marionette, Albrecht Roser, soll ihre Vorführung mit dem Titel „Von damals bis heute“ werden. „Ich will zeigen, was ich von ihm gelernt und was ich daraus gemacht habe“, erklärt Robin Walsh. Die 52-Jährige hat bereits Tüchertanz für die Oscar-Verleihung und Monster für Hollywood-Filme kreiert und ebenso wie Sarah Frechette internationale Sommerakademien und Meisterklassen bei Puppenspieler Roser absolviert, der vor allem durch seine Marionetten Clown Gustaf und die Oma aus Stuttgart bekannt wurde.

Sarah Frechettes Auftritt wird unter anderem Slapstick-Elemente enthalten. Sie möchte das Publikum zum Lachen bringen, sagt sie. Gleichzeitig sei ihr Spiel sehr persönlich. So ist eine der Figuren von ihrem Großvater inspiriert. „Es steckt ein bisschen meine eigene Geschichte mit drin“, erklärt die 40-Jährige aus Vermont. Sprache komme in ihrem Spiel kaum vor, deshalb dürfte es keine Verständigungsprobleme mit dem deutschen Publikum geben. Im Marionettenspiel werde vieles über Körpersprache, Gestik und Mimik ausgedrückt. Unterschiedliche Beleuchtung des Puppengesichts lasse verschiedene Stimmungen darauf entstehen, erklärt Robin Walsh: „Es erscheint so unglaublich, wenn etwas ein Gesicht bekommt, das gar kein Gesicht hat.“ Sie liebe das Puppenspiel, weil es etwas Magisches für sie habe, sagt die 52-Jährige mit leuchtenden Augen.

Hinter der Kulturscheune steckt Idealismus

Ihre Marionetten haben die Künstlerinnen selbst angefertigt. Dabei hilft ihnen, was sie von Albrecht Roser gelernt haben. Er sei sehr innovativ gewesen, habe einige der Regeln des 19. Jahrhunderts, nach denen auch heute noch viele Marionetten gebaut werden, gebrochen. „Er hat das Puppenspiel einfacher gemacht, intuitiver“, sagt Sarah Frechette. Man müsse sich dadurch weniger auf die technischen Aspekte des Spielens konzentrieren, sondern könne stattdessen eher auf die eigentliche Darbietung, auf die Interaktion mit dem Publikum achten, erläutern die beiden Frauen. „Man muss es wirklich tun, nicht halb“ – das sei einer der Leitsätze des Puppenspielers Roser gewesen, der sein Atelier und Privattheater in Buoch hatte und im Jahr 2011 gestorben ist.

Nun wird in Geradstetten zum ersten Mal Figurentheater in der neu eröffneten Kulturscheune Zamma gespielt. Dahinter steckt Martin Bühler, ein Architekt aus Weinstadt. Er hat die 300 Jahre alte Scheuer, die zuletzt ungenutzt war, gekauft und zum Veranstaltungsort umgebaut. Wie viel er investiert hat, möchte er nicht verraten. „Es steckt viel Idealismus dahinter“, sagt der 55-Jährige. Er komme ursprünglich aus Geradstetten und habe den Eindruck gehabt, dass die Vitalität im Ortskern verloren gegangen sei.

Ein Ort für Verständigung

„Der Gedanke war, einen Ort für Kultur zu schaffen“, erklärt er. Im Frühjahr hat das Zamma eröffnet. Bühler arbeitet mit verschiedenen Theatergruppen und Musikern zusammen, es gibt Fotoausstellungen und eine Kooperation mit dem kommunalen Kino in Weinstadt. Momentan sei man aber noch in der Entwicklungsphase. „Es ist eine spannende Sache, auch für mich selbst“, sagt Bühler. Als Architekt beobachte er, dass der öffentliche Raum, der als Raum für Verständigung eine Basis für Demokratie sei, zunehmend verschwinde. Dieser Entwicklung will Bühler etwas entgegensetzen: So soll das Zamma ein Treffpunkt sein, ein Ort für das gesprochene Wort, „wo man zusammen Freude haben kann.“ Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich am Samstag, beim Puppenspiel von Sarah Frechette und Robin Walsh.