Queen Elizabeth II. Erinnerungen an den hoheitlichen Besuch in Stuttgart

Vor dem Neuen Schloss: Kurt Georg Kiesinger und Queen Elizabeth II. Foto: /dpa

Legenden, Mythen und Sagen ranken sich um den Besuch von Queen Elizabeth II. Nicht alle sind wahr, aber alle sind sehr amüsant. Erinnerungen an den 24. Mai 1965, als ganz Stuttgart auf den Beinen war, um die Königin zu sehen.

Es ist ein offenes Geheimnis, Schotten sind wegen Verschwendung des Landes verwiesene Schwaben. Wie wahr dieser Spruch ist, erfuhr Queen Elizabeth II. bei ihrem Besuch 1965 in Stuttgart. Da überreichte ihr der damalige Oberbürgermeister Arnulf Klett ein Mokkaservice mit den Worten, des sei „fei ein koschtbares Geschenk“. Schriftsteller und Schwabenerkunder Thaddäus Troll hat später herausgefunden, wie koschtbar es war: 95,98 Mark.

 

Es ist eine dieser Anekdoten und Legenden, die sich um den Besuch von Elizabeth und ihres Mannes Prinz Philip ranken. Welche wahr sind und welche nicht, lässt sich heute kaum noch herausfinden. Doch eine Gesichte ist definitiv die Spinne in der Yuccapalme unter den Queen-Mythen. Wie es heißt, dachte die Königin, eine begeisterte Reiterin, man fahre sie ins Landesgestüt Marbach. Deshalb habe sie beim Rundgang durchs Schillermuseum des anderen Marbach erstaunt gefragt: „Where are the horses?“ Wo sind die Pferde? Das hat sich, man muss es leider sagen, jemand ausgedacht. Und es wanderte in den Sagenschatz. Und wird seitdem immer wieder gerne erzählt.

Geschlossenes Autodach fand bei Zuschauern keine Zustimmung

Überliefert ist eine andere Anekdote aus Marbach. Dunkle Wolken zogen auf. Also wurde während des Aufenthalts im Schillerhaus an den beiden offenen Fahrzeugen das Dach geschlossen. „Was nicht die ungeteilte Zustimmung der Zuschauer fand“, schrieb die „Marbacher Zeitung“. Nach fünf Minuten kam Königin Elizabeth II. aus dem Museum, verabschiedete sich von Bürgermeister Hermann Zanker und bestieg die Limousine.

Jetzt kam auch Prinz Philip heraus, nachdem er sich eine Karte mit Fahrten von Schillers Vater genauer angesehen hatte. „Er trat an den Wagen der Königin und sprach mit ihr einige Worte, worauf trotz des inzwischen nicht mehr gerade freundlichen Maiwetters erneut die Verdecke geöffnet wurden und die hohen Gäste unter dem frenetischen Jubel des bunt gewürfelten Publikums ihre Fahrt fortsetzten.“ Neben Königin Elizabeth II. nahm wieder Ministerpräsident Kiesinger Platz, Prinz Philip saß im Wagen mit Kiesingers Ehefrau Marie-Luise.

Der Griff zum Farbeimer

Zugetragen haben soll sich auch jene Episode beim Fernsehturm. Das königliche Paar führte man auch hinauf zu dem langen Spargel über der Stadt. Für ihre Majestät sollte Stuttgart perfekt wirken, also legte man beim Fernsehturm Rollrasen aus. Dummerweise spielte die Sonne nicht mit, der Rasen wurde braun. Also griff man zum Pinsel und malte den Rasen grün an. Was einige Honoratioren am Abend bemerkten, ihre Schuhsohlen waren giftgrün.

Mehr als eine halbe Million Menschen, berichteten die Zeitungen, säumten die Straßen, als die damals 39-jährige Queen in einem offenen Mercedes 600 Pullman winkend durch das jubelnde Stuttgart fährt. Sie trät Gelb, mit Hut selbstverständlich. Angereist sind sie ganz klimabewusst mit dem Zug. Ministerpräsident Kurt Georg Kiesinger erwartete sie am Hauptbahnhof.

Ein Prinz und der Fensterheber

Auf dem Fernsehturm trug sich die Regentin ins Goldene Buch der Stadt ein. Darin hat das Protokoll als Datum den 23. Mai notiert. Was etwas irritierend ist, war die Queen doch erst am 24. Mai gekommen. Wenig später folgte die nächste Panne. Als Prinz Philip in einem offenen Mercedes 300 seiner vorausfahrenden Gattin folgen will, springt die Limousine nicht an. So musste der Herzog in einen geschlossenen Ersatzwagen umsteigen. Angeblich soll Philip aus Langeweile so lange mit dem elektrischen Fensterheber gespielt haben, bis die Batterie leer war. Die Fahrer der verschiedenen Limousinen versuchten vereint durch kräftiges Anschieben ihr Glück. „Die Menge feuerte die Chauffeure mit Hau-ruck-Rufen an.“ Vergebens. Philip soll sich sehr amüsiert haben.

Wie überhaupt der Prinz ein Scherzbold war. „Ist schon alles bezahlt?“, fragte er während des Büfetts. Er kannte seine Gastgeber: Wenn man von Schwaben eingeladen ist, sollte man das immer tun. Immerhin durften sie ihr „koschtbares“ Service mit nach Hause nehmen.

Weitere Themen