„Querdenken“-Demo in Heilbronn NPD-Funktionär Matthias Brodbeck als Ordner eingesetzt

Rund 400 Querdenker versammelten sich in der Heilbronner Innenstadt. Foto: 7aktuell.de/DW

„Querdenken“-Gründer Michael Ballweg betonte bei einer Demonstration in Heilbronn, Extremismus habe dort keinen Platz. Die Personalie eines Ordners spricht eine andere Sprache. Wer ist der Mann?

Heilbronn - Ja, wir sind Demokraten“, sagt Michael Ballweg gleich zu Beginn seiner Rede auf dem Heilbronner Kiliansplatz. Mehr als 400 Menschen haben sich dort am Sonntagnachmittag versammelt, um mit der Gruppe Querdenken 713 zu demonstrieren. Man stehe für „Frieden, Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit“, versichert Ballweg. Extremismus, Gewalt, Antisemitismus und menschenverachtendes Gedankengut hätten dabei „keinen Platz“.

 

Es ist nicht zu überhören: Der Stuttgarter IT-Unternehmer und Gründer der „Querdenken“-Proteste versucht, das Bild der Bewegung geradezurücken. Große Aktionen von Kritikern der Corona-Maßnahmen in Berlin und Leipzig liefen zuletzt aus dem Ruder und mussten von der Polizei aufgelöst werden. Angesichts von Kontakten ins rechtsextreme Lager und das „Reichsbürger“-Milieu brachten Politiker verschiedener Parteien eine Überwachung durch den Verfassungsschutz ins Spiel.

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Gegendemonstranten fotografiert

Wie jemand „durch Dritte“ bezeichnet werde, sei für seine Bewegung unerheblich, sagt Ballweg in seiner Rede. Er spricht von einem „eigenen Debattenraum“. Und der zieht trotz der verbalen Abgrenzung auch die lokale rechtsextreme Szene an. Wer sich vor der Kilianskirche umschaut, erkennt Männer, die bereits bei radikalen Kundgebungen gegen die Asylpolitik aufgefallen sind.

Einer von ihnen fotografiert mit einem Teleobjektiv in eine Gegendemonstration junger Menschen. Man könne eben nicht kontrollieren, wer da alles zu ihnen kommt, meint ein Teilnehmer der „Querdenken“-Kundgebung.

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NPD-Funktionär Brodbeck als Ordner

Doch auf einen Mann trifft das wohl nicht zu. Der Heilbronner NPD-Funktionär Matthias Brodbeck ist bei der Kundgebung mit Armbinde als Ordner ausgezeichnet. Als Begleitung hat er eine Handvoll weitere NPD-Anhänger aus der Region mitgebracht. Er gehöre nicht zum Team der „Querdenker“-Organisatoren, sagt Brodbeck auf Nachfrage. Warum er dann als Ordner eingesetzt sei, will der 48-Jährige aber nicht kommentieren.

Brodbeck ist seit den neunziger Jahren in der Neonaziszene aktiv und wurde nach Informationen unserer Zeitung unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und Hausfriedensbruch verurteilt. Seit vielen Jahren leitet er den NPD-Kreisverband Heilbronn. Auch auf Landesebene engagiert sich Brodbeck für die Partei. Erst im Oktober wurde er wieder als Beisitzer in den Landesvorstand gewählt. Mit der Unterstützung der „Querdenker“ versucht die fast schon ins Vergessen geratene NPD offensichtlich, wieder sichtbar zu werden.

NPD-Aktivisten fallen nicht auf

Auf der Heilbronner Kundgebung fallen die rechtsextremen Aktivisten allerdings kaum auf. Sie stehen zwischen Männern und Frauen, die begeistert applaudieren, als Michael Ballweg gegen die angebliche „Kappung mehrerer Grundrechte für alle Deutschen“ durch das Infektionsschutzgesetz wettert.

Und auch für die kritische Berichterstattung in der Presse scheint der Stuttgarter „Querdenken“-Vordenker ein Konzept in der Tasche zu haben. In den kommenden Wochen wolle man „Musterbeschwerden beim Deutschen Presserat“ zur Verfügung stellen. „Ich bitte euch, nehmt euch die Zeit, diese auszufüllen und abzusenden.“

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