Rad-Demo in Esslingen Radkorso für mehr Klimaschutz

Mehrere hundert Radlerinnen und Radler haben sich bereits für die Veranstaltung am Sonntag angemeldet. Foto: www.7aktuell.de/Alexander Hald
Mehrere hundert Radlerinnen und Radler haben sich bereits für die Veranstaltung am Sonntag angemeldet. Foto: www.7aktuell.de/Alexander Hald

Mit dem Rad über die B 10: Ein Bündnis von rund 20 Gruppen veranstaltet am Sonntag eine rollende Demo durch die Stadt Esslingen und über die Bundesstraße. Die Teilnehmenden wünschen sich mehr Engagement für die Mobilitätswende.

Ludwigsburg: Melanie Braun (meb)
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Esslingen - Sie fordern mehr als schöne Worte: Mit einem Radkorso über die B 10 wollen rund 20 Gruppen für eine schnelle Mobilitätswende in Esslingen demonstrieren. Sie setzen vor allem auf den Ausbau der Rad-Infrastruktur – denn dieser komme letztlich auch dem Fußgänger- und Nahverkehr zugute, argumentieren sie. Mehrere hundert Mitstreiter haben sich bereits für die Rad-Demo am Sonntag angemeldet.

Veranstalter des Radkorsos ist die Esslinger Initiative Fuß-/Radentscheid, die von weiteren Gruppen und Einzelpersonen unterstützt wird. Sogar aus Stuttgart hätten sich Mitstreiter angemeldet, berichtet Joachim Schleicher vom Esslinger ADFC. Sie alle eint das Streben nach einer klimagerechten Mobilität mit weniger Staus, weniger Lärm und weniger Luftverschmutzung – wenngleich sie dabei unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Bei einer Auftaktkundgebung kurz vor dem Start der Rad-Demo sollen die wichtigsten Aspekte umrissen werden.

Forderung nach mehr Maßnahmen als bisher

So sagt etwa Petra Schulz vom Kreisverband Esslingen des Verkehrsclubs Deutschland (VCD): „Wir brauchen klimaneutrale Mobilität.“ Diese müsse auch stadtverträglich und flächeneffizient sein. Die entsprechenden Ziele würden in Esslingen zwar oft kommuniziert – aber die bisherigen Maßnahmen reichten nicht aus, um diese Ziele zu erreichen. Das müsse sich schnell ändern, betont Schulz.

Elisabeth Weber vom Esslinger Stadtseniorenrat unterstützt die Rad-Demo, obwohl sie selbst kaum noch Fahrrad fährt. „Aber ich möchte, dass die Radfahrer ihre eigenen Wege haben“, betont sie. Denn nur wenn Rad- und Fußwege getrennt würden, könnten sich auch die Fußgänger ungestört fortbewegen. Deshalb befürworte sie unter anderem auch ganz klar den Radschnellweg mit seiner vom Fußweg getrennten Trasse durch den Neckaruferpark.

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Unterdessen sieht Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesvorsitzende des BUND Baden-Württemberg, auch den sozialen Aspekt des Klimaschutzes: „Nur die Mobilitätswende ist sozial gerecht“, sagt sie. Denn Lärm und Verschmutzung würden zum Großteil von den Wohlhabenderen verursacht, am stärksten darunter leiden würden aber in der Regel die Ärmeren in der Gesellschaft. Hinzu komme, dass die Verkehrsflächen gerechter verteilt werden müssten: Derzeit gebe es meist sehr viel Platz für Autos, aber nur wenig für Radlerinnen und Fußgänger.

Vermeidung von Verkehr als A und O

Für Klaus Zimmer von der Esslinger Gruppe von Parents for Future ist der Schlüssel zur Mobilitätswende die Vermeidung von Verkehr sowie die Verlagerung des Autoverkehrs auf andere Verkehrsmittel. Er sieht große Chancen durch das E-Bike – gerade in einer steigungsreichen Stadt wie Esslingen. Denn mit einem Elektro-Fahrrad komme man gut ohne Schwitzen zur Arbeit, selbst wenn es bei der Fahrt dorthin bergauf gehe. Kontraproduktiv hingegen wäre für Zimmer ein Ausbau der B 10 auf sechs Spuren: Es sei längst erwiesen, dass zusätzliche Straßen auch zusätzlichen Verkehr erzeugten, betont er.

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Derweil beobachtet die passionierte Radfahrerin Christine Sigg-Sohn, dass die Konflikte unter den verschiedenen Verkehrsteilnehmern zunehmen. Das müsse sich ändern, findet sie. Ihr ist es ein Anliegen, dass sich die unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer nicht bekämpfen und dass man stattdessen miteinander die Mobilitätswende anpackt. Für Joachim Schleicher (ADFC) wiederum steht die Sicherheit der Radwege und damit der Radlerinnen und Radler an oberster Stelle.

Radkorso startet um 14 Uhr

Auf all diese Aspekte soll beim Radkorso am kommenden Sonntag, 27. Juni, aufmerksam gemacht werden. Die Veranstaltung beginnt um 14 Uhr am östlichen Ende der Kurt-Schumacher-Straße unter der Adenauerbrücke. Der Startpunkt ist nach Angaben der Veranstalter direkt vom Neckartalradweg aus erreichbar. Bei einer etwa viertelstündigen Auftaktkundgebung mit wenigen Kurzvorträgen sollen zunächst die wichtigsten Themen kommuniziert werden. Dann fährt der Tross unter Einhaltung der Corona-Hygieneregeln über die Fritz-Müller-Straße und die Zeppelinstraße bis nach Altbach. Anschließend rollen die Radler über Deizisau und auf der B 10 zurück in Richtung Esslinger Innenstadt. Gegen 15.30 Uhr endet die Demo am Altstadtring.




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