Radfahren in der Stadt Was Stuttgart von Amsterdam lernen kann

Am Amsterdamer Hauptbahnhof gibt es 25 000 Radabstellplätze. Foto: privat/Thomas Gotthardt

Für den ADFC-Experten Thomas Gotthardt aus Göppingen sind die Niederlande beim Radverkehr das Vorbild schlechthin. Davon will er Entscheider mit Fotos überzeugen. Oder bei Exkursionen, wie neulich in Utrecht.

Klima & Nachhaltigkeit: Judith A. Sägesser (ana)

Bei Thomas Gotthardt hat es in den Niederlanden angefangen. Der heute 59-Jährige ist Exportvertriebsleiter und als solcher immer wieder in Holland unterwegs. Ihm sei aufgefallen, wie gut es Radler dort haben. „Warum ist das so?“, habe er sich gefragt und recherchiert. Inzwischen hat er den Vortrag sicher 30- bis 40-mal gehalten. Darin räumt er auch mit Vorurteilen auf. Am Donnerstag, 21. September, ist er in der Stadtteilbibliothek Plieningen, nächste Woche in Unna und Bremen.

 

Thomas Gotthardt ist Vorstandsmitglied des ADFC-Kreisverbands Göppingen, aber kein Urgestein im Radlerverein; erst seit sieben Jahren sei er dabei. Gern geradelt sei er aber schon immer. Dass die Holländer einfach radverliebter seien, sieht er nicht so. Dass Städte wie Amsterdam oder Utrecht heute so fahrradfreundlich seien, habe mit konsequenter Politik zu tun: „In den 70er-Jahren hatten die Niederländer dasselbe Problem wie wir.“

Große Unterschiede zwischen Amsterdam und Stuttgart

Wie groß die Kluft zwischen Amsterdam und Stuttgart ist, zeigen diese Zahlen: Der Radverkehrsanteil liegt in Amsterdam bei 53 Prozent, in Stuttgart bei sieben. An dem Hauptbahnhöfen gibt es 25 000 Radstellplätze (Amsterdam) beziehungsweise zurzeit 40 (Stuttgart). In ganz Stuttgart gibt es derzeit 10 000 Radbügel. Die Niederländer haben für den Umbau allerdings 50 Jahre gebraucht – Zeit, die Stuttgart nicht hat. Die Landeshauptstadt will bis 2035 klimaneutral sein. „Wir können auf einem ganz anderen Niveau einsteigen“, sagt Gotthardt. „Die Niederländer haben auch viel falsch gemacht, daraus können wir lernen.“

Im April 2023 war Gotthardt mit Vertretern von fünf Kommunen aus dem Kreis Göppingen für vier Tage in Utrecht. „Das war eine direkte Konsequenz aus dem Bildervortrag“, sagt er. Viele hätten gesagt, das müsse man mit eigenen Augen gesehen haben. Dass und wie es funktioniert. Kleine Veränderungen sieht er auch bei sich in der Gegend: Vergangene Woche sei in Eislingen ein Rad-Kreisverkehr nach niederländischem Vorbild eröffnet worden.

Der Vortrag „Vorbild Niederlande – Wie wird Deutschland zum Fahrradland?“ am Donnerstag, 21. September, beginnt um 19.30 Uhr in der Stadtteilbibliothek Plieningen, Neuhauser Straße 1. Es ist eine Kooperation mit der lokalen Nachhaltigkeitsgruppe 70599 Lebenswert. Um Anmeldung wird gebeten, Telefon 0711/216-80541.

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