Radsport So läuft die Tour de France 2022

Die Mannschaftspräsentation in Kopenhagen war ein stimmungsvolles Ereignis. Foto: dpa/Daniel Cole

Die wichtigsten Fakten der Frankreich-Rundfahrt auf einen Blick: alles über den Start in Kopenhagen, die wenigen Deutschen im Feld und den großen Favoriten.

Sport: Jochen Klingovsky (jok)

Die Tour de France ist das größte, spektakulärste und populärste Radrennen der Welt. Wir beantworten vor dem Start an diesem Freitag in Kopenhagen (Einzelzeitfahren über 13,2 Kilometer ab 16 Uhr) die wichtigsten Fragen.

 

Warum beginnt die Frankreich-Rundfahrt in Dänemark?

Es ist bereits der 24. Auslandsstart der Tour de France – sämtliche Ausflüge spülten viel Geld in die Kasse der Organisatoren. Düsseldorf, 2017 Gastgeber des Grand Départ, ließ sich das Spektakel fast 16 Millionen Euro kosten (bei Einnahmen von rund acht Millionen Euro). Kopenhagen hatte den Zuschlag bereits für 2020 erhalten. Damals bremste die Coronapandemie das Vorhaben aus. 2021 fand im Juli ein Teil der Fußball-EM in der dänischen Hauptstadt statt, das Gastspiel der Tour musste erneut verschoben werden.

Wie groß ist die Radsport-Begeisterung in Dänemark?

Sehr groß. Mehr als 10 000 Fans haben die Fahrer bei der Teampräsentation in Kopenhagen gefeiert, im Freizeitpark Tivoli herrschte Volksfeststimmung. Auch der deutsche Profi John Degenkolb (33) war beeindruckt: „Ich habe lange nicht mehr so eine krasse Stimmung erlebt.“

Haben sich alle Dänen gefreut?

Nein. Bjarne Riis (58), der Tour-Sieger von 1996, war zur Eröffnung nicht eingeladen worden. „Ich hatte darauf gehofft“, sagte der frühere Telekom-Profi, der 2007 Doping gestanden hatte, „natürlich bin ich verärgert.“

Wie lauten die Eckdaten der Tour 2022?

176 Fahrer, 22 Teams, 21 Etappen, knapp 3350 Kilometer Gesamtlänge, zwei Zeitfahren, harte Bergetappen in den Vogesen, Alpen und Pyrenäen mit 15 Anstiegen der beiden schwersten Kategorien (1, HC), gleich zwei Überquerungen des Col du Galibier (2642 m), eine Kopfsteinpflaster-Etappe.

Wer sind die Favoriten?

Der Mann, den es zu schlagen gilt, heißt Tadej Pogacar (23). Der Slowene gewann 2020 und 2021 die Tour, präsentierte sich zuletzt in herausragender Form. Die größten Herausforderer bilden im Team Jumbo-Visma eine Doppelspitze: Primoz Roglic (32) und Jonas Vingegaard (25), die Zweitplatzierten der vergangenen beiden Jahre, wollen Pogacar angreifen. „Wir machen uns gegenseitig stärker“, sagt Roglic, „und wir glauben fest daran, ihn schlagen zu können.“ Der Rest der starken Rundfahrer um Geraint Thomas (36), Aleksandr Vlasov (26) und Enric Mas (27) hat nur Außenseiter-Chancen.

Was ist den Deutschen zuzutrauen?

Nur neun deutsche Radprofis bestreiten diesmal die Tour – so wenige wie zuletzt vor 20 Jahren. Sie haben vor, fehlende Quantität durch Qualität auszugleichen. Es müssen zwar alle in ihren Teams Helferdienste leisten und keiner hat Ambitionen in der Gesamtwertung, Lennard Kämna (25), Nils Politt (28) und Maximilian Schachmann (28) werden bei Bora-hansgrohe aber die Freiheit bekommen, um in Ausreißergruppen auf Etappenjagd zu gehen. John Degenkolb, im Team DSM erstmals der Road-Kapitän, setzt alles auf die fünfte Etappe, wenn es in elf Pavés im Nordosten Frankreichs über seinen Lieblingsbelag geht: Kopfsteinpflaster. Simon Geschke (36) hofft auf einen erneuten Coup in den Bergen. Der gebürtige Stuttgarter Alexander Krieger (Vaihingen/Enz) feiert sein Tour-Debüt – mit 30 Jahren. Außerdem dabei sind Jonas Rutsch (24), Max Walscheid (29) und Georg Zimmermann (24).

Was gibt es zu verdienen?

Gegen die 46 Millionen Euro, die beim parallel laufenden Tennisturnier in Wimbledon ausgeschüttet werden, ist das Preisgeld bei der Tour fast schon bescheiden. Insgesamt geht es um 2,3 Millionen Euro, der Sieger erhält eine Prämie von 500 000 Euro. Für den Punktbesten (Grünes Trikot) und den stärksten Bergfahrer (Gepunktetes Trikot) gibt es jeweils 25 000 Euro. Der beste Jungprofi (Weißes Trikot) streicht 20 000 Euro ein. Ein Etappensieg ist 11 000 Euro wert.

Wie ist die Corona-Lage?

Die Sommerwelle hat auch das Peloton eingeholt. Zuletzt gab es bei der Tour de Suisse zahlreiche positive Tests, vier Teams zogen sich komplett zurück. Aufgrund von Infektionen können Matteo Trentin (32) und Tim Declercq (33) nicht an der Frankreich-Rundfahrt teilnehmen. Bei den anderen „sind alle Alarmglocken wieder an“, wie es Lennard Kämna umschrieb.

2020 und 2021 schotteten sich die Fahrer bei der Tour komplett ab, es gab innerhalb der Blase keine Infektionen. Auch diesmal werden Masken getragen und die Abstandsregeln eingehalten, gleichzeitig lockerte der Radsport-Weltverband (UCI) allerdings die Regeln: So entfällt die Bestimmung, dass eine Mannschaft ausscheiden muss, sobald zwei Fahrer positiv getestet worden sind. Verpflichtende Schnelltests gibt es am zweiten und dritten Ruhetag. Fällt das Ergebnis positiv aus, folgt ein PCR-Test.

Diskussionen gab es nach der Tour de Suisse, weil positiv getestete Fahrer abreisen mussten, ohne Symptome gehabt zu haben. „Ich mache seit 20 Jahren Radsport-Teams. Niemals hätte man früher mit solch milden oder überhaupt keinen Krankheitssymptomen aus dem Rennen genommen“, sagt Ralph Denk, Chef des Rennstalls Bora-hansgrohe. Bei der Tour können laut UCI-Regel der Chefarzt des Weltverbandes sowie der Covid-Mediziner des Veranstalters beschließen, dass ein positiv getesteter Profi weiterfahren darf, sofern er nicht ansteckend ist.

Welche TV-Sender übertragen die Tour?

Eurosport zeigt jede Etappe live und ab dem Start des internationalen Signals in voller Länge im Free-TV sowie im Livestream. Die ARD steigt zumeist am Nachmittag in die Liveübertragung ein. Zuvor gibt es bereits auf One (TV) und Sportschau.de (Stream) das gesamte Rennen zu sehen.

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