Raidt schreibt Liebe Cloud No. 7!

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Immer wieder wird in Stuttgart über einen Wohnungsnotstand geklagt, was natürlich völliger Quatsch ist. Derzeit entsteht hinter dem Bahnhof ein Projekt im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus.: Ein Hochhaus mit dem Namen Cloud No. 7.

Wohnen wie auf Wolke sieben. Foto:  
Wohnen wie auf Wolke sieben. Foto:  

Stuttgart - Immer wieder wird in Stuttgart über einen Wohnungsnotstand geklagt, was natürlich völliger Quatsch ist. Derzeit entsteht dort, wo die Stadt sich gerade im Europaviertel hinter dem Bahnhof neu erfindet, ein Projekt im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus. Investoren bauen an einem Hochhaus mit dem Namen Cloud No. 7. Das Haus wird dem Vernehmen nach die Mindestbedürfnisse von international tätigen Geschäftsleuten, Alphasingles und Powershoppern in vorbildlicher Weise befriedigen.

Das Stuttgarter Sozialamt soll von ersten Überlegungen der Investoren durchaus angetan gewesen sein. Geplant ist, das Wolkenkuckucksheim mit einem Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach auszustatten, für den Fall, dass zu Füßen des Turms die Heilbronner Straße mal wieder unter Verstopfung leidet. Der Hubschrauber könnte zum Einsatz kommen, falls es im Penthouse zu Versorgungsengpässen kommt, also beispielsweise der iranische Kaviar knapp wird und dringend Nachschub von Feinkost Böhm eingeflogen werden muss. Bestellungen können beim Privatpiloten mit den Worten eingeleitet werden: „Harry, mach den Heli klar.“

Weitere Grundbedürfnisse des täglichen Lebens könnten über Rohrpostsysteme befriedigt werden. Die Röhren werden unterirdisch verlegt, sie verbinden die Warenannahmestelle von Cloud No. 7 mit ausgewählten Edelboutiquen sowie Abteilungen des Kaufhauses Breuninger. So könnten Damenhandtaschen und Herrenschuhe ohne Zeitverzögerung zwischen dem Hochhaus und dem Kaufhaus hin- und hergebeamt und über die Platinkarten der Kunden verrechnet werden.

Während diese wunderbaren Pläne in Form von Gedankenblasen Gestalt annehmen, hat die Deutsche Bank eine Studie in Auftrag gegeben. Ihr zufolge ist der Preis für eine Eigentumswohnung in Stuttgart zuletzt im Schnitt um knapp sieben Prozent pro Jahr gestiegen. Beim Blick auf Details des Stuttgarter Immobilienmarkts offenbaren sich schockierende Fakten: Eine kleine Gruppe von Menschen wird sich die Sozialwohnungen auf Wolke Sieben offensichtlich nicht leisten können. Zum Glück handelt es sich aber wohl nur um einen verschwindend kleinen Teil.

Die Bank rät Anlegern, in Stuttgart auch über 1b-Lagen nachzudenken. Gefragt sind auch 2c, 3D- und 4e-Lagen, beispielsweise Baumhäuser und renovierte Maulwurfshügel. Die Immobilienmakler vom Club der Provisionäre warnen jedoch: Auch in diesem Wohnsegment könnten die Preise demnächst durch die Decke schießen.

Immobile Grüße, Erik Raidt
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