Rallye-Sport: Tom Kässer Mit 208 PS über Stock und Stein
Der 26-jährige Tom Kässer betreibt seit 2022 in Rommelshausen eine Kfz-Werkstatt. An den Wochenenden fährt er mit seinem Co-Piloten Stephan Schneeweiß Automobil-Rallyes in ganz Deutschland.
Der 26-jährige Tom Kässer betreibt seit 2022 in Rommelshausen eine Kfz-Werkstatt. An den Wochenenden fährt er mit seinem Co-Piloten Stephan Schneeweiß Automobil-Rallyes in ganz Deutschland.
Am Montag dieser Woche ist Tom Kässer ganz normal seinem alltäglichen Broterwerb nachgegangen. In der eigenen Kfz-Werkstatt in Rommelshausen hat der Chef zusammen mit drei Mitarbeitern den ganzen Tag Autos und Motorräder verschiedener Marken und Größen von Kunden kontrolliert und repariert. Zwei Tage zuvor war der 26-Jährige noch in Calw im Nordschwarzwald in eigener sportlicher Mission unterwegs. Und auch dabei spielte ein Automobil die Hauptrolle. Allerdings kein klassisches Straßenfahrzeug, sondern ein Bolide, der neben dem Asphalt auch für unwegsames Gelände tauglich ist: ein Rallye-Auto.
Seit seinem 18. Lebensjahr ist Tom Kässer leidenschaftlicher Rallye-Pilot, nachdem er ursprünglich als Kind und Jugendlicher dem Kartsport und dem Automobil-Slalom gefrönt hatte. In Calw belegte er am Wochenende mit seinem Co-Piloten Stephan Schneeweiß aus Eisenach den dritten Platz in der Gesamtwertung der 65 Teilnehmer.
Dass er kurz vor dem Erwachsenenalter nicht in einen Tourenwagen, in ein Langstrecken- oder ein Formel-Fahrzeug gestiegen ist, war eine eindeutige Entscheidung: „Mich hat die Vielfalt der Strecken, der Untergründe und der Witterungsverhältnisse beim Rallye-Sport gereizt. Bei uns muss man mit allen Bedingungen zurechtkommen, da wird das Rennen nicht gleich abgebrochen, wenn es ein paar Tropfen regnet wie in der Formel 1“, sagt Kässer.
Der in Winnenden aufgewachsene Mechanikermeister, der sich 2022 mit der Werkstatt in Rommelshausen selbstständig gemacht hat, nachdem er zuvor in einem Stuttgarter Autohaus als Werkstattleiter aktiv gewesen war, ist aktuell auf einem Peugeot 208 Rally4 unterwegs. Mit diesem hat er in dieser Saison bereits sieben Rallyes bestritten: sechs kleinere Eintagesveranstaltungen in Süddeutschland und einen mehrtägigen Einzelstart bei der „Mittelrhein-Rallye“, eine von fünf Veranstaltungen um die deutsche Rallye-Meisterschaft. „Das ist die erste Liga in unserer Sportart. Danach kommen nur noch die großen internationalen Rennen und die Weltmeisterschaft“, sagt Kässer.
Den Sprung, an diesen weltbekannten Rennen in Finnland, Monte Carlo oder Mexiko teilzunehmen, hat der 26-Jährige bereits vor sechs Jahren verpasst. Nachdem er 2017 die ADAC Opel Rallye Academy, eine Serie mit 1000 talentierten Fahrern aus ganz Deutschland, gewonnen hatte, wurde ihm ein Start bei der Europameisterschaft in Aussicht gestellt. „Ich hätte allerdings 160 000 Euro Eigenanteil für die Lizenz mitbringen müssen. Das war für mich beim besten Willen nicht machbar“, sagt Kässer. Aber auch ohne die Profilaufbahn eingeschlagen zu haben, wird das Rallyefahren in Zukunft ein zeitaufwendiges Hobby bleiben.
In der aktuellen Saison stehen für den Motorsportler vom ADAC-Ortsklub Winnenden noch drei Wettkämpfe im Terminkalender: die Rallye Laichinger Alb (16. September), die Rallye Kohle&Stahl in Nohfelden im Saarland (23. September) und die Rallye Fränkische Schweiz in Hollfeld bei Bayreuth (7. Oktober). Den größten Teil der Vorbereitung, das gibt Kässer zu, macht der Co-Pilot Stephan Schneeweiß. Der Thüringer, mit dem der Schwabe seit 2018 und mittlerweile bei 30 Veranstaltungen im Auto sitzt, kümmert sich um nahezu alles: die Anmeldung, die Organisation der Anreise und die Übernachtung vor Ort. Außerdem bereitet er das Streckenprofil für den Wettkampf vor. „Er ist der Manager. Meine Aufgabe ist es eigentlich nur, das Auto so sicher und so schnell wie möglich ins Ziel zu bringen“, sagt Kässer. Für kleinere Reparaturen am 208 PS starken Boliden ist der Kfz-Mechaniker zwischen den Wertungsprüfungen selbst zuständig.
Für das kommende Rennjahr 2024 haben sich Kässer und sein Co-Pilot viel vorgenommen. Da will das Duo erstmals alle sieben mehrtägigen Rennen um die deutsche Rallye-Meisterschaft bestreiten.