Raser an der Magstadter Straße Der Lärm lässt den Büsnauern keine Ruhe

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Die Anwohner in Stuttgart-Büsnau regen an, mit dem erhöhten Bezirksbudget gegen den Krach an der Magstadter Straße vorzugehen. Die bislang getroffenen Maßnahmen seien fast wirkungslos.

Einige Motorradfahrer nutzen die Magstadter Straße als Rennstrecke. Die Anwohner wünschen sich wirksame Maßnahmen gegen den Lärm der Raser. Foto: Sandra Hintermayr
Einige Motorradfahrer nutzen die Magstadter Straße als Rennstrecke. Die Anwohner wünschen sich wirksame Maßnahmen gegen den Lärm der Raser. Foto: Sandra Hintermayr

Büsnau - Zwischenzeitlich war es ruhiger geworden im Wohngebiet. Denn eine Ampel am Schattengrund bremste den Verkehr aus. Seit sie wieder weg ist, rasen die Fahrer wieder durch die S-Kurve, berichten die Anwohner. Die neuen Tempo-40-Schilder hätten nur wenig Wirkung. „Jetzt, da die Baustelle beseitigt und die Ampel entfernt wurde, zeigt sich leider, dass unser Problem der lärmenden Auf- und Abfahrer durch eine einfache Geschwindigkeitsbeschränkung nicht behoben werden kann“, klagen die Büsnauer. „Ein nicht unerheblicher Grund dafür ist sicherlich, dass die Problemfahrer inzwischen auch gemerkt haben, dass die neue 40er-Geschwindigkeitsregelung nicht kontrolliert wird – schon gar nicht abends oder am Wochenende.“

Dafür habe die Polizei keine Kapazitäten, hieß es in der Vergangenheit. Dabei wirke die Polizeipräsenz gut, sagen die Anwohner. „Ein auch nur kurz durchfahrender Polizeiwagen verschafft uns manchmal bis zu einer Stunde Ruhe, wenn er noch eine Weile im Schattengrund stehen bleibt, ist es oftmals auch länger ruhig“, schildert ein Bürger die Situation.

Bisherige Maßnahmen zeigen wenig Wirkung

Die Tempo-40-Schilder und aufgeschüttete Erdhügel, die verhindern sollen, dass die Motorradfahrer sich aus dieser Kurve gegenseitig bei ihren Fahrten filmen, seien schon ein guter Ansatz, findet Ulrich Bayer, der für die CDU im Vaihinger Bezirksbeirat sitzt. Zwar nicht problemlösend, aber immerhin „ein Anfang, der zeigt, das die Verwaltung sich bewegt“.

Das sehen die lärmgeplagten Anwohner anders: „Leider kann ich, als Betroffener, diese Sichtweise ganz und gar nicht teilen. Wir empfinden den Lärm dieser Auf- und Abfahrer nicht nur einfach als störend – er macht auf Dauer wirklich krank. Die Fenster sind ständig geschlossen, man kann weder Garten noch Balkon oder Terrasse beliebig nutzen“, sagt ein Büsnauer. Durch die Maßnahmen sei keine Verbesserung des Lärms erreicht worden. „Wer möglichst schnell fahren will, macht das eben, egal ob 60 km/h oder 40 km/h erlaubt sind“, sagt der Mann. In Büsnau wird befürchtet, dass das Anliegen der Bürger mit den jetzt getroffenen Maßnahmen für die Verwaltung abgeschlossen ist.

Könnte eine Ampel die Lösung sein?

Den Anwohnern drängt sich die Frage auf, ob eine dauerhafte Ampel die Lösung des Problems sein könnte. „Die ampelgeregelte Baustellen-Engstelle hat uns spürbar geholfen, weil sie offensichtlich den Verkehrsfluss positiv verändert hat.“ Und selbst im Berufsverkehr habe die Ampel keine nennenswerten Staus verursacht.

Bayer entgegnet, er habe selbst schon „massiv im Stau gestanden“ an der besagten Baustellenampel. Zudem sei eine Ampelschaltung außerhalb der Ortsbebauung rechtlich schwierig. Und: „Ich bin mir nicht sicher, ob der verminderte Lärm wirklich mit der Ampel zusammen hing. Als ich in der letzten Zeit öfter am Glemseck vorbeigekommen bin, ist mir aufgefallen, das dort, wenn überhaupt, wenig Betrieb war.“ Zudem sei die Ampel weit weg von der Doppelkurve gewesen, habe also nur wenig Einfluss auf das Fahrverhalten in der Kurve gehabt.

Kann der Bezirksbeirat die Lärmdisplays finanzieren?

Die Büsnauer fragen nun, ob es möglich wäre, die von ihnen gewünschten Lärmdisplays mit dem Geld aus dem erhöhten Bezirksbudget zu zahlen. Von diesen erhoffen sich die Anwohner eine Reduzierung der Lärmbelastung. Die Displays allerdings seien nur sinnvoll, wenn sie auch die Lärmdaten speichern und diese dann für etwaige Maßnahmen zum Lärmschutz genutzt werden können, argumentieren die Anwohner. Die Stadt hat die Displays bislang aus Kostengründen abgelehnt. Das erhöhte Bezirksbudget wäre eine Möglichkeit, die Anzeigetafeln zu finanzieren, finden die Büsnauer.

Die Displays würden etwa 30 000 Euro kosten, das neue Budget liege bei etwa 90 000 Euro, erklärt Uli Bayer. „Das ist eine extrem große Hausnummer, weil es auch andere Nöte im Stadtbezirk gibt.“ Er habe in der Sprechersitzung der Bezirksbeiratsfraktionen abgefragt, wer sich eine Unterstützung vorstellen könne. Die Rückmeldungen seien allerdings verhalten gewesen. „Da stand ich alleine und verlassen“, sagt Bayer. Man versuche nun, die Finanzierung über den Gemeinderat zu stemmen.

Anwohner wollen weiter für ihre Ruhe kämpfen

Die Bürger in Büsnau sind von dieser Antwort enttäuscht. Sie bezweifeln, dass es noch finanzielle Unterstützung für die Lärmdisplays gibt. „Es ist extremst frustrierend zu erfahren, wie wenig sich tut, und dass selbst bereits zugesagte Maßnahmen – die immer noch zu wenig wären – nun doch nicht möglich sind“, sagt ein Anwohner. „Ich habe nicht mehr allzu viel Hoffnung, dass sich noch etwas tatsächlich Lärmminderndes erreichen lässt.“ Versuchen wolle man es aber weiterhin.

Für Bayers Einsatz und Auskunft sind die Büsnauer dankbar. Der CDU-Bezirksbeirat macht Mut. „Es wurde an der Stelle schon sehr viel erreicht, und die Behörden sind auch willig. Aber man sieht, dass das Brett, das man hier bohren muss, extrem dick ist. Ich lasse es auch nicht auf sich beruhen“, versichert Bayer den Anwohnern. Er rät ihnen, die Lärmbelastung aufzuzeichnen. „Wenn es jetzt an einem schönen Tag laut ist, lassen Sie vielleicht eine Videokamera mit guter Akustik lange laufen – am besten von einer Terrasse mit Blick auf den unteren Kurvenscheitel. Damit man sieht, von wo der Lärm wie wahrgenommen wird“, schlägt er vor.

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