Rathaussturm in Weissach Gegen die Hexen ist Dumbledore machtlos
Beim ersten Rathaussturm seit acht Jahren wird der Weissacher Schultes Jens Millow des Amtes enthoben. Für ihre Amtszeit bis Aschermittwoch haben die Hexen einige Pläne.
Beim ersten Rathaussturm seit acht Jahren wird der Weissacher Schultes Jens Millow des Amtes enthoben. Für ihre Amtszeit bis Aschermittwoch haben die Hexen einige Pläne.
Nicht mehr wie ein Verwaltungsgebäude, sondern eher wie ein riesengroßes Hexenhaus sieht das Weissacher Rathaus an diesem Schmotzigen Dunschtig aus: Vor der Eingangstür ist ein großes, hölzernes Tor aufgebaut, aus dem es auch schon vor dem Rathaussturm ordentlich herausqualmt. Denn Bürgermeister Jens Millow will den Hexen einheizen, bevor sie ihn seines Amtes entheben. „Selbst Hänsel und Gretel wussten, wie man mit Hexen umzugehen hat“, droht er den Strudelbachhexen, die sich mitsamt Rammbock schon unten vor dem Tor bereit machen, unterstützt von einer Schar Kinder und den Rutesheimer Gumpa Hexa. Verbrennen soll natürlich niemand. „Mir würde es schon reichen, ihre Füße ein wenig zu braten!“
Millow, der sich mit grauem Mantel, Kappe und Vollbart – das Outfit des Hogwarts-Schulleiters Albus Dumbledore aus der Harry-Potter-Buchreihe – aus dem Fenster lehnt, wehrt sich wacker gegen die Machtübernahme der Strudelbachhexen. Mitleid solle man doch haben, das schöne Tor hat schließlich gekostet. Süßigkeiten regnet es aus dem Rathausfenster ebenso wie Geldscheine, selbstredend bedruckt mit dem Kopf des Bürgermeisters. Aber Bestechung hilft nichts, das stellen die Hexen schnell klar. Dass Millow seine Untertanen mit „Werter Pöbel und Gesindel“ anspricht, sichert ihm weder Mitleid noch Hilfe aus dem Publikum – stattdessen gibt es sogar ein paar scherzhafte Buhrufe.
Und dann kommt auch schon der hölzerne Rammbock zum Einsatz. Auf drei prescht er vorwärts, das hölzerne Tor springt auf. „Oh nein!“, ruft der Schultes. Die Hexen stürmen das Rathaus und sperren den Bürgermeister in einen hölzernen Käfig, gemeinsam mit einigen andere Verwaltungsmitarbeitern in Harry-Potter-Outfits. Millow schwingt noch seinen Zauberstab – aber auch Magie kann ihn aus dieser Misere nicht mehr retten.
Einige Anklagepunkte haben die Hexen mitgebracht: Da wäre etwa das Kneipensterben in der Gemeinde, fehlende Parkplätze in der Ortsmitte oder Stillstand im Gewerbegebiet Neuenbühl III. Und wann geht es denn eigentlich endlich mit der Gestaltung der neuen Ortsmitte weiter? „2040, oder wie?“ fragt Ralf Eberhardt von den Strudelbachhexen. Auch über die gestiegenen Kosten der inzwischen verpachteten Strudelbachhalle wird geklagt. „Um die Halle zu mieten, muss man langsam einen Kredit aufnehmen“, sagt Eberhardt – und fordert eine Rückgabe der Halle in kommunale Hand. Die würden die Hexen nämlich ohne Probleme gefüllt bekommen. „Wir wollen den Bürgern mehr bieten als Sand in der Ortsmitte“, wird noch für die Amtszeit der Hexen bis zum Aschermittwoch versprochen. Bürgermeister Millow könne kann ja derweil im Sand spielen gehen. Die Fahne wird gehisst – und die Hexen sind offiziell an der Macht.
Für den Verein, den es seit 2008 gibt, ist der Rathaussturm dieser Fasnetssaison der erste seit acht Jahren. Der ehemalige Bürgermeister Daniel Töpfer hätte den Sturm nur einmal mitgemacht – und dann keine Lust mehr gehabt, berichten die Hexen. „Ich hoffe, das wird dieses Mal anders sein“, sagt Ludwig Essig, der Sprecher der Strudelbachhexen. Zu berichten hat er nur Gutes, die Zusammenarbeit mit dem Rathaus habe super geklappt. Und auch der Bürgermeister selbst hat sichtlich Spaß bei der Sache. „Das gehört dazu“, betont er vorab und lobt die schöne Tradition. Ob er sich, angelehnt an seine Verkleidung, denn als Schulleiter der Gemeinde Weissach fühlt? „Jeden Tag“, sagt Millow. Nur an den Vollbart, der Teil des Kostüms ist, müsse er sich noch gewöhnen. „Aber man wächst an seinen Aufgaben.“
Für die Strudelbachhexen hat die Fasnetssaison bisher weit mehr umfasst als die Veranstaltungen auf heimischem Boden – bei mehreren Umzügen und Veranstaltungen befreundeter Zünfte waren sie schon dabei. Richtig viele Mitglieder würden sich daran beteiligen, freut sich Ludwig Essig. „Wir mussten sogar schon Busse nachbestellen.“ Und vorbei ist das närrische Treiben noch lange nicht: Nächsten Dienstag sind die Strudelbachhexen etwa beim Leonberger Pferdemarkt dabei.