Wer kennt das nicht: Die Sonne scheint, der Tisch ist draußen gedeckt und schon brummt es, die Gemeine oder Deutsche Wespe kommt zum Essen vorbei. „Während Wespen ab Mai proteinhaltige Nahrung für die Versorgung der Brut brauchen, stehen sie ab August auf Zuckerhaltiges“, erklärt der Gingener Schädlingsbekämpfer Tim Stanzel. So lästig die Hautflügler sein mögen, bei richtigem Verhalten ist eine Koexistenz durchaus möglich, sagt der Experte. Wild herumfuchteln oder die Wespen anzublasen, ist eine schlechte Idee. „Sie fühlen sich bedroht, versuchen zu stechen“, erklärt Stanzel. Er rät, Essen abzudecken und den Tieren eine entfernte Futterstelle, etwa mit Weintrauben, anzubieten.
Auch Wespennester auf Balkonen, in Rollladenkästen oder an Häusern sind ein großes Thema. Die Nester in Eigenregie umzusiedeln oder zu zerstören, sei jedenfalls keine gute Idee. „Es ist verboten und gefährlich“, betont der Fachmann. Sobald sich das Wespenvolk bedroht fühle, folge der Angriff, deshalb rät er: Zwei Meter Abstand wahren.
Schornsteinbrände durch eingesprühtes Wespengift
Stanzel hat schon einiges erlebt, etwa Schornsteinbrände durch eingesprühtes Wespengift. Wer ein Wespennest an einer ungünstigen Stelle hat, sollte sich an die untere Naturschutzbehörde oder einen Schädlingsbekämpfer wenden. Wespenstiche sind unangenehm, für den Menschen in der Regel aber ungefährlich. Bei Allergikern können sie allerdings schwere Reaktionen hervorrufen.
Dass Wespen sehr nützliche Tiere sind, betont Florian Pointke, der stellvertretende Vorsitzende des Naturschutzbunds Göppingen. „Sie fressen Schädlinge, etwa Blattläuse, Raupen, aber auch Fliegen“, erklärt Pointke. Auch als Pflanzenbestäuber sind sie im Einsatz. Wespennester sind einjährig, nach den ersten Nachtfrösten sterben die Völker ab, das Nest sollte dann entfernt und die Stelle gut gesäubert werden.
Auch für eine weitere Insektenart bricht Pointke eine Lanze: Ameisen. „So lästig sie im Haus sein mögen, draußen sind sie nützlich für das Ökosystem“, betont er. Und meistens, gegen Ende Mai, fangen die Krabbler an zu fliegen, dann ist Paarungszeit, nach erfolgreicher Paarung werfen sie die Flügel ab, werden wieder zu Fußgängern und gründen eine neue Kolonie. Sie seien zudem wichtige Nahrung für Vögel – Grün- und Grauspecht fräßen bevorzugt Ameisen.
Ameisen hassen Zitronenmelisse und Lavendel
Aber: „Große Völker können gepflasterte Bereiche am Haus unterhöhlen und beschädigen“, sagt der Schädlingsbekämpfer Tim Stanzel, dann sei eine professionelle Beseitigung ratsam. Auch eine Umsiedlung sei möglich. Tontöpfe aufzustellen, gefüllt mit Holzwolle und Süßem, um Ameisen anzulocken, könne klappen. Draußen kann man etwa Zitronenmelisse oder Lavendel auf Ameisenstraßen auslegen, dann suchten die kleinen Krabbeltiere oft das Weite.
Auf der Suche nach Nahrung verirren sich Ameisen oftmals ins Haus, gern in die Küche. „Sauberkeit ist das A und O“, sagt Stanzel, werde kein Futter gefunden, verschwänden die Tiere wieder. Der Fachmann setzt bei Bedarf zur Bekämpfung spezielle Sprühmittel oder Ameisenköder ein.
Laut Florian Pointke könne man auch natürliche Mittel ausprobieren. Ätherische Öle etwa mögen Ameisen nicht, wichtig sei es, die hinterlassene Duftspur der Insekten zu unterbrechen und ihnen damit die Orientierung zu erschweren.
Stiche sind meist harmlos
Beseitigung
Wespen stehen unter Naturschutz, Nester dürfen nicht selbst beseitigt, Tiere nicht getötet werden. Bei Fragen sollte man sich an die untere Naturschutzbehörde oder einen Schädlingsbekämpfer wenden. Stiche
Wespenstiche sind schmerzhaft, meist aber harmlos. Zwiebelsaft oder Umschläge lindern Schmerzen. Bei allergischen Reaktionen oder Stichen im Mund-Rachenraum sollte ein Arzt aufgesucht werden
Verhalten
Heftige Bewegungen beim Aufeinandertreffen mit Wespen vermeiden, die Tiere nicht anpusten, das im Atem enthaltene Kohlendioxid gilt als Alarmsignal. Essen und Getränke immer abdecken