Ratsstuben in Weissach Gut bürgerlich – mit modernem Twist

Florian Bölter und Dawit Tewolde (von links) sind die neuen Chefs in den Weissacher Ratsstuben. Foto: Geronimo Schmidt

Das neue Pächter-Duo der Ratsstuben hat für Weissach die Zelte in Ditzingen abgebrochen. Einer der beiden hat in den Ratsstuben früher schon gekocht.

Wer die Ratsstuben in Weissach betritt, der sieht erst mal: Steak. Seit einigen Wochen steht gleich im Eingangsbereich ein großer Schrank mit Dry-Aged-Rindfleisch, rund 14 Tage trockengereift sind die großen Prachtstücke darin. Mitgebracht haben den eigens dafür aufgestellten Kühlschrank die beiden neuen Pächter der Weissacher Ratsstuben: Dawit Tewolde und Florian Bölter. Ersterer erklärt auf Nachfrage geduldig, was es mit den verschiedenen „Cuts“ im Angebot auf sich hat. Da wäre etwa das Tomahawk von der Rippe des Rinds, oder das teuerste Stück in der Sammlung, das Porterhouse mit dem T-förmigen Knochen. Allesamt: „Eyecatcher“, also ein Blickfang, sagt Tewolde.

 

Umzug von Ditzingen nach Weissach

Seit Februar führt er mit Florian Bölter die Weissacher Ratsstuben. Ihr Vorgänger, Thorsten Nufer, hatte sich zum Jahreswechsel aus der Gastronomie zurückgezogen, auf Facebook postete der ehemalige Ratsstubenchef, sich nun etwas Neuem widmen zu wollen. Als Nachfolger vorgeschlagen hatte er Tewolde und Bölter noch selbst – denn Bölter ist in den Ratsstuben kein unbekanntes Gesicht. Er hat vor einigen Jahren bereits als Koch dort gearbeitet. „Florian kennt den Laden gut“, sagt Tewolde, der selbst gelernter Koch ist, über seinen Geschäftspartner.

Später war Bölter dann bei Tewolde, der noch ein Gasthaus in Feuerbach hat und außerdem das Restaurant Glemsspecht in Ditzingen betrieb, eingestiegen – erst als Angestellter, später per Firmenbeteiligung. Als sich dann die Gelegenheit ergab, die Ratsstuben gemeinsam zu übernehmen, war die Entscheidung schnell klar, erinnert sich Tewolde. Der Glemsspecht hat inzwischen geschlossen – mit diesem Betrieb sind Bölter und Tewolde nach Weissach umgezogen, das nötige und sonst kostenintensive Equipment, etwa den Dry-Aged-Schrank, schon im Gepäck – was den Einstieg laut des Pächter-Duos erleichter habe.

Bisher läuft das Geschäft gut

Nicht nur Geschäftspartner, auch gute Freunde sind Tewolde und Bölter, das merkt man ihnen bei einem Gespräch auch an: Kleine, freundschaftliche Sticheleien bleiben nicht aus. Dawit Tewolde ist der Pate von Florian Bölters Tochter. „Wir kommen gut miteinander klar“, sagt Tewolde. Dass die Ratsstuben, die der „Wohnbau Weissach“ gehören, lange nicht mit sonderlichem Unternehmerglück verbunden waren, sondern immer wieder mit Pächterwechseln zu kämpfen hatten, bereitet den beiden keine Sorge. „Wir wissen, dass wir Ahnung haben“, sagt Bölter. Zwei Jahre Corona hätten die beiden mit ihrem Betrieb gut überstanden. Und auch in den neuen Räumen in Weissach läuft es. Die Gäste würden nicht nur aus Weissach kommen, sondern auch aus Ditzingen und anderswo in der Region, sagen die beiden. „Wir haben jetzt noch keinen Ferrari gekauft“, witzelt Tewolde. „Aber es läuft wirklich gut. Und wird immer besser.“

Weiterhin schwäbisch und gutbürgerlich

Gekocht wird in den Ratsstuben trotz Pächterwechsel auch weiterhin gutbürgerlich-schwäbisch. „Das wird auch so bleiben“, sagt Küchenchef Bölter. Maultaschen und Spätzle macht er selbst, ebenso wie die Patties für den Ratsstuben-Burger, welcher der Menükarte einen frischen Einschlag geben soll und zum amerikanischen Käsekuchen auf der Dessertkarte passt. „Es braucht auch einen modernen Twist“, so Bölter. „Nicht immer nur Krautwickel.“ Trotz aller Freude über das T-Bone-Steak gibt es auch eine Ratsstuben-Bowl – und die ist vegan.

Bald wollen die beiden einen kleinen Zigarrenraum einrichten. Hier könne man dann den Abend bei Zigarre und Whiskey „entspannt ausklingen lassen“, sagt Tewolde. Und irgendwann, in ein oder zwei Jahren, gibt es am Wochenende im Obergeschoss vielleicht ein bisschen gehobenere Küche, wünscht sich Bölter. Sonst noch Pläne? Seine klare Antwort: „Dass wir das Restaurant lange haben.“

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