Ratten in der Böblinger Unterstadt Fastfood-Reste sind gefundenes Fressen
Giftköder in der Böblinger Bahnhofstraße: Rund um die Brachfläche werden schädliche Nager bekämpft. Müll erschwert das Unterfangen.
Giftköder in der Böblinger Bahnhofstraße: Rund um die Brachfläche werden schädliche Nager bekämpft. Müll erschwert das Unterfangen.
Rund um die Böblinger Bahnhofstraße sieht man zur Zeit vierkantige Metallrohre auf dem Boden liegen. Darin sind Giftköder der Firma Pecon Pro, mit denen Ratten bekämpft werden sollen, die sich zur Zeit im leer stehenden ehemaligen Postgebäude ausbreiten. Wobei Tassilo Schier, der Geschäftsführer der Firma Pecon Pro aus Flein bei Neckarsulm, die das Wort „Gift“ lieber durch das Wort „Wirkstoff“ ersetzt, weil es, wie schon Paracelsus vor Jahrhunderten formulierte, vor allem auf die Dosis ankomme, ob ein Stoff giftig sei oder nicht. Die Ratten nehmen in diesen Ködern die Überdosis Wirkstoff auf und verenden nach zwei bis fünf Tagen.
Doch nicht nur die wildlebenden Wanderratten finden sich in der Bahnhofstraße. Mittlerweile gibt es auch einen erklecklichen Anteil an so genannten bunten Ratten unter der Population. Ratten in verschiedenen Farben, oftmals mit weißen Flecken im Fell. Das sind ehemalige Haustiere, erklärt Tassilo Schier, die von den Besitzern ausgesetzt würden, weil sie die Tiere nicht mehr wollten. Sie kreuzen sich oft mit wilden Ratten oder versuchten für sich zu überleben – bis sie eben in den Rattenfallen enden.
Die Stadt Böblingen wisse von den Ratten, sagt der Böblinger Pressesprecher Gianluca Biela und habe den Grundstücksbesitzer darauf aufmerksam gemacht, sich um den Rattenbefall zu kümmern, schließlich richten Ratten nicht nur durch ihre Nagerei ziemliche Schäden an, sie können auch Krankheiten übertragen. Die bekannteste davon ist die Pest, bei der Flöhe die Zwischenwirte sind. Es kommt zwar selten vor, aber Ratten können durchaus auch zubeißen und eitrige Bisswunden hinterlassen.
Auf der Homepage des Landratsamtes Böblingen findet sich ein kleiner Leitfaden, was zu tun ist, wenn eine Ratte gesehen wird. Weil die Schädlingsbekämpfung eine Sache des Grundstückseigentümers ist, sollte auf öffentlichen Flächen die Stadt verständigt werden, auf privaten Flächen eben der Grundstückseigentümer. Der sollte sich am besten an eine professionelle Firma wenden,empfiehlt das Landratsamt, um die Schädlinge auszumerzen.
Damit die Nagetiere sich nicht ausbreiten können, rät Tassilo Schier dazu, bodendeckende Pflanzen zu entfernen, damit die Ratten keine Rückzugsmöglichkeit hätten. Ganz entscheidend sei aber, dass die Mülltonnen in der Umgebung rechtzeitig geleert würden, und dass Speisereste fachgerecht entsorgt würden und nicht herumlägen, dazu zählen auch die Körner, die von ebenfalls illegalen Taubenfütterungen übrig blieben. Denn Speisereste sind, so heißt es auch im Ratgeber des Landratsamtes, für die Ratten ein gefundenes Fressen.
Das Schlimmste, was man tun kann, wurde in der Bahnhofstraße schon mehrfach beobachtet: Leute, die ihr Fast Food auf den Stufen des alten Postamtes verzehrten und mit den Brosamen die Ratten fütterten, die dort ihre Köpfe aus ihren Löchern steckten.