Mit Fotos dokumentieren Wirte des Stuttgarter Leonhardsviertels die Verschmutzung ihres Quartiers. Scharfe Kritik üben die Gastronomen an der Stadt, die ihre Reinigungspflicht vernachlässige, so dass „die Altstadt verkommt“. Die brennbaren Abfälle, die liegenblieben, seien eine Gefahr für die Sicherheit der Häuser.
Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle (Grüne) ruft dazu auf, die Müllsünder zu verfolgen. Oft handele es sich dabei um Sperrmüll aus illegaler Wohnungsprostitution. Die Kritik an der Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) weist sie jedoch am Montag auf Anfrage unserer Redaktion zurück, die halte nämlich ihre „Reinigungsintervalle“ ein.
Für die AWS erklärt Rathaussprecher Oliver Hillinger, dass die Altstadt eigentlich Teil der „Reinigungszone eins“ sei, weshalb die AWS hier die Straßen und Gehwege montags, freitags und samstags säubere. Die Papierkörbe würden täglich geleert. Die Anlieger zahlten für diesen Service einen jährlichen Betrag in Höhe von etwa 19 Euro für den laufenden Meter Gehweglänge vor dem Haus. Diese Regelung gelte jedoch nicht für die Weber- und Richtstraße. Die dortigen Anlieger hätten 2016 nämlich erklärt, der Reinigungsbeitrag seien ihn zu hoch, weshalb die AWS ihre Straßen von der Reinigung rausgenommen habe. „Somit sind die Anlieger gemäß der Satzung von 2011 selbst für die Straßenreinigung zuständig“, teilt Hillinger mit, „wegen der geringen Straßenbreite und da keine Gehwege vorhanden sind, liegt die Verantwortung für die gesamte Straßenbreite also bei den Anliegern.“ Die Abfuhr der Mülltonnen erfolge im Leonhardsviertel unabhängig von diesen Regelungen wie im gesamten Stadtgebiet üblich.
Wirt sagt, die Erklärung der Stadt sei „krass“
Dass keine Gehwege auf der schmalen Weberstraße vorhanden sind, wie es in der Mitteilung der Stadt heißt, stimmt allerdings nicht, was jeder weiß, der die Gasse schon mal durchschritten hat. Die Anwohner plädieren schon lange dafür, dass man den Gehweg und die gepflasterte Straße auf eine Ebene bringt, sagt Jörg Kappler, der Wirt vom Holzmaler. Die Anlieger seien, was die Reinigung der Gehwege betrifft, einverstanden gewesen, doch man habe nicht von der Reinigung der gesamten Straße gesprochen. Kappler findet die Erklärung der Stadt „krass“ – und freut sich diebisch. „Da die Straße nun als Gehweg betrachtet wird“, sagt er voller Ironie, „können wir ja nun Tische und Stühle für die Außenbewirtschaftung raus auf die Straße stellen.“ Und im Ernst fügt er hinzu: „Eine Straße verdrecken zu lassen kann nicht im Sinne der Stadtplanung sein.“
Thema auch im Bezirksbeirat
Im Leonhardsviertel hängt seit Montag an der Ecke Weber- / Lazarettstraße ein handschriftlich angefertigtes Schild mit der Aufschrift „Schrottplatz eröffnet“. Der Dreck in der Altstadt war auch Thema am Abend im Bezirksbeirat Mitte, wo Anlieger ihre Beschwerden über die Verschmutzung vorbrachten und beklagen, dass von Seiten der Stadt nichts dagegen unternommen werde.