Den Auftakt der Prüfungen an den Haupt-, Werkreal- und Realschulen machte am 15. Mai das Fach Deutsch, dann war Englisch an der Reihe. Nun stand am Dienstag die für viele wohl größte Hürde auf dem Programm: Mathematik. „Die Nervosität war groß“, bestätigt Markus Fritz, Schulleiter an der Riegelhofrealschule in Ostfildern, Mathe sei oft ein Angstfach.
Teilweise muss es auch ohne Taschenrechner gehen
Doch ganz so schlimm war es am Ende offenbar doch nicht. Es sei machbar gewesen, ist der Tenor unter den Nellinger Schülerinnen und Schülern, die nach vier Stunden sichtlich erleichtert den Prüfungsraum verlassen und munter durcheinander reden. Rund 100 Jugendliche haben die Realschulprüfung, sieben die Hauptschulabschlussprüfung mitgeschrieben. Die schriftliche Matheprüfung besteht aus zwei Pflichtteilen und einem Wahlteil. Beim ersten Pflichtteil sind Taschenrechner und Formelsammlung nicht erlaubt. Der Wahlteil sei schwieriger gewesen als der Rest, finden Flori Tafili und Josephine Füssel und die anderen pflichten ihnen bei. „Es lief bei mir sehr gut“, sagt Louis Butterlin. Er habe sich intensiv vorbereitet und täglich mehrere Stunden gelernt. Daniel Buresch ist zwiegespalten: „Es waren gute und schlechte Teile dabei“, berichtet er.
Bei den diesjährigen Abschlussprüfungen gibt es ein letztes Mal einen Corona-Bonus. Unter anderem bekommen die Prüflinge mehr Bearbeitungszeit und die Lehrkräfte konnten Aufgaben im Vorfeld auswählen. Am Niveau der Prüfung hat sich laut dem Kultusministerium aber nichts geändert. Die Pandemie mit Fernunterricht ist auch an diesem Abschlussjahrgang nicht spurlos vorbeigegangen. „Vor allem in Mathe war es schwer, mitzukommen, wenn man nur vor dem Bildschirm sitzt und dann Parabeln mitmachen soll“, erinnert sich Merle Silezin. Die 16-Jährige musste einiges aufholen vor der Prüfung, hat jetzt aber ein gutes Gefühl.
Intensivkurse in den Ferien
An der Riegelhofschule wie an vielen anderen Schulen im Kreis hat es Förderangebote und in den Osterferien kostenlose Intensivkurse vor allem für Englisch und Mathe gegeben. Auch die geschäftsführende Schulleiterin der Esslinger Grund-, Real-, Gemeinschafts- und Sonderschulen sowie Rektorin der Schule Innenstadt, Christel Binder, ist überzeugt, dass die Prüflinge Lücken hätten aufholen können. Wie viele ihre Kolleginnen und Kollegen stört sie sich daran, dass in der Öffentlichkeit oft nur die Abiturprüfungen wahrgenommen würden, die ebenfalls im Mai geschrieben wurden. „Unsere Schülerinnen und Schüler leisten ja die gleiche Anstrengung“, betont Binder.
An den Realschulen findet die letzte schriftliche Prüfung an diesem Freitag im Wahlpflichtfach Alltagskultur, Ernährung, Soziales (AES), Technik oder Französisch statt. Im Juli geht es dann mit den mündlichen Prüfungen weiter.
Was kommt nach der Schule?
„Die allermeisten Prüflinge haben einen Plan, was nach dem Abschluss kommt“, sagt Christel Binder, sie hätten sich für weiterführende Schulen oder um einen Ausbildungsplatz beworben. Das sei auch ein Verdienst der Schulen, die Berufsberatung sehr ernst nähmen. Das bestätigen die Nellinger Schülerinnen und Schüler. „Es wurde ständig von den Lehrern nachgefragt, es gab keinen Druck, aber man konnte es auch nicht vergessen“, erzählt Flori Tafili, der weiter zur Schule gehen möchte.