Rechtsextremes Geheimtreffen in Potsdam Auf Stuttgarter Bau-Boss fällt ein schwerer Verdacht

Vertreibungspläne im Seeidyll: Auch ein Unternehmer aus Stuttgart war wohl in Potsdam dabei. Foto: dpa/Jens Kalaene

Bei dem Potsdamer Treffen von rechtsextremen Aktivisten, Geschäftsleuten und Politikern war offenbar auch ein mittelständischer Bauunternehmer aus Bad Cannstatt dabei. Der Mann ist einschlägig bekannt.

Bei der Aufarbeitung des Potsdamer Treffens Ende November vergangenen Jahres rückt ein Geschäftsmann aus Baden-Württemberg in den Blick. Nach einem Medienbericht zählte der Stuttgarter Unternehmer Hans-Ulrich Kopp zu den Teilnehmern. Das berichtet die „Tageszeitung“ zusammen mit dem Recherchenetzwerk „Correctiv“. Es gibt auch ein Foto, dass den 62-Jährigen Kopp zeigt, wie er am 26. November 2023 das stilvolle Gästehaus am Lehnitzer See bei Potsdam verlässt.

 

Das in Bad Cannstatt ansässige mittelständische Unternehmen Lautenschlager und Kopp ist in der Landeshauptstadt wie auch in der gesamten Region tätig, häufig für öffentliche Auftraggeber. Es befasst sich mit Straßenbau und Fahrbahnmarkierungen, es baut Kreisverkehre und dichtet Dächer ab. Ob Fernsehturm, Wilhelma oder Landesbibliothek: Lautenschlager und Kopp ist dabei. Auf Anfrage der Stuttgarter Zeitung reagierte der Unternehmer zunächst nicht.

Der stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Oliver Hildenbrand, sagte unserer Zeitung, es sei „verwunderlich, dass sich das Innenministerium und die Sicherheitsbehörden des Landes bislang nicht zu möglichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Baden-Württemberg geäußert haben“. Die Öffentlichkeit müsse erfahren, ob die Sicherheitsbehörden Hinweise hätten oder nicht. „Es macht dabei einen großen Unterschied, ob sie darüber nichts sagen wollen, nichts sagen dürfen oder nichts sagen können. Darüber sollten sie die Öffentlichkeit spätestens jetzt informieren.“ Ein Sprecher des Landesamts für Verfassungsschutz sagte unserer Zeitung, man habe „keine eigenen Erkenntnisse zu Inhalten oder Teilnehmenden an dem Treffen in Potsdam“. Zu Einzelpersonen könne das Amt aus rechtlichen Gründen nichts sagen.

Der SPD-Innenexperte Sascha Binder sagte unserer Zeitung, „dass ein baden-württembergischer Unternehmer mutmaßlich am Potsdamer Treffen teilgenommen haben soll, zeigt, wie tief der Rechtsextremismus auch in unserem Land zum Teil verankert ist“. Binder verlangt unverzügliche und vollständige Aufklärung. „Sollte sie sich der Sachverhalt bewahrheiten, sollte Herr Kopp konsequent sein und sich nicht mehr für öffentliche Ausschreibungen bewerben. Wer am einen Tag den Staat verachtet, sollte nicht am anderen Tag mit staatlichen Mitteln sein Auskommen verdienen.“

Verankert im rechtsextremen Milieu

Bei dem Treffen in Potsdam hatten bekannte Rechtsextremisten, AfD-Politiker, Mitglieder der Werteunion sowie Geschäftsleute Pläne besprochen, die darauf abzielen, Deutschland ethnisch zu bereinigen, also Menschen ausländischer Herkunft massenhaft außer Landes zu schaffen. Seither gehen Hunderttausende Menschen in Deutschland auf die Straße, um gegen „Hass und Hetze“ zu demonstrieren. Der Grünen-Abgeordnete Hildenbrand will von nun von der Landesregierung und von der Stadt Stuttgart wissen, welche öffentlichen Aufträge mit welchem finanziellen Volumen in den vergangenen Jahren an das Bauunternehmen Lautenschlager und Kopp vergeben wurden. Aus dem Verkehrsministerium hieß es, man frage die Straßenbauämter ab. Für das Vergaberecht ist seitens des Landes das Wirtschaftsministerium zuständig, die Bauverwaltung liegt beim Finanzministerium.

Kopp ist schon seit den 1980er-Jahren in einem reaktionär bis rechtsextremen Umfeld unterwegs, etwa beim Witikobund. Bei der rechtsextremen Burschenschaft Danubia fungierte er als Chef der Alten Herren. Er war Redakteur bei der Wochenschrift „Junge Freiheit“, dem Organ der Neuen Rechten. Er besitzt auch einen kleinen Verlag namens Lepanto, der sogar ein Buch des vormaligen Papstes Benedikt XVI. (Kirchenlehrer der Neuzeit“) veröffentlichen konnte.

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