Regionale Eisenbahngeschichte Der letzte Rote Heuler verstummt

Von 1933 bis 1978 waren die Roten Heuler das Rückgrat des regionalen Zugverkehrs. Wie hier im Jahr 1977 machten die Fahrzeuge stets  halt im Hauptbahnhof. Foto: FZS-Verein/Katz 8 Bilder
Von 1933 bis 1978 waren die Roten Heuler das Rückgrat des regionalen Zugverkehrs. Wie hier im Jahr 1977 machten die Fahrzeuge stets halt im Hauptbahnhof. Foto: FZS-Verein/Katz

Das letzte noch fahrbereite Exemplar eines Roten Heulers, der einst das Rückgrat des Bahnverkehrs in der Region Stuttgart gewesen ist, pendelt am Sonntag, 31. Mai, zum letzten Mal als Nostalgiezug zwischen Ludwigsburg und Esslingen.

Lokales: Oliver im Masche (che)
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Stuttgart - Eisenbahnfreunde müssen sich von einem Stuttgarter Original auf Schienen verabschieden: Das letzte noch fahrbereite Exemplar eines Roten Heulers, der einst das Rückgrat des Bahnverkehrs in der Region gewesen ist, pendelt am Sonntag, 31. Mai, zum letzten Mal als Nostalgiezug auf seiner Stammstrecke zwischen Ludwigsburg und Esslingen.

Der Grund: die Betriebserlaubnis läuft ab. Eine nun anstehende Hauptuntersuchung des Elektrozugs würde zu viel Geld kosten. „Es schmerzt extrem, dass der Rote Heuler stillgelegt werden muss“, sagt Claus-Jürgen Hauf, Geschäftsführer des Vereins „Freunde zur Erhaltung historischer Schienfahrzeuge“ (FZS) und Eigentümer des Zuges. Der Rote Heuler sei in einem sehr guten Zustand, die vorgeschriebene aufwendige technische Überprüfung des Zugs mit 100 000 Euro aber sehr teuer.

26 Elektrozüge der Baureihe ET 65 bedienten seit 1933 den Vorortverkehr, wie es damals noch hieß, rund um Stuttgart. Die bordeauxroten Züge mit ihren auffälligen Betriebsgeräuschen, die dem Zug seinen Namen geben, waren bis zum Beginn der S-Bahn-Ära im Jahr 1978 in Betrieb. Das charakteristische Heulen des Zugs verursachen die beiden Fahrmotoren mit ihren Wicklungen. Eine weitere Besonderheit der Züge ist das regelmäßige Knacken des Schaltwerks im Fahrgastraum.

Im Motor entsteht das charakteristische Betriebsgeräusch

Mit dem Einzug der S-Bahnen wurden die Roten Heuler ausgemustert, die meisten sogar verschrottet. Zwei Exemplare konnte der FZS-Verein hingegen retten. Dabei erfüllte sich Geschäftsführer Hauf einen Kindheitstraum, denn als 14-Jähriger hatte er sich bei der Eröffnung des Stuttgarter S-Bahn-Netzes vorgenommen, einen Roten Heuler zu erhalten. Ende der 90er Jahre kaufte der Cannstatter tatsächlich einen ausrangierten 40 Meter langen und 500 PS starken Zug aus der Schmiede der Maschinenfabrik Esslingen, der im Technikmuseum in Mannheim stand. Für mehr als 100 000 Euro ließ Hauf den Roten Heuler in Tschechien restaurieren. In den Jahren 2006 und 2007 gingen sein Fahrzeug und ein ebenfalls wieder in Stand gesetztes Exemplar – eine Leihgabe des Bahn-Museums in Nürnberg – unter der Führung des Schienenfahrzeugsvereins als Nostalgiezüge wieder auf Fahrt.

Der Rote Heuler wird im Depot konserviert

Die Leihgabe des Eisenbahnmuseums wurde bereits vor wenigen Jahren von den Gleisen genommen. Dieser Rote Heuler steht im neuen FZS-Vereinsmuseum in Horb am Neckar (Kreis Freudenstadt). Dort soll auch Haufs Zug nach seiner letzten Fahrt am Sonntag im Depot untergestellt werden, wo er Wind und Regen nicht ausgesetzt ist und konserviert wird, denn der Rote Heuler soll in nicht allzu ferner Zukunft wieder fahren.

Der Verein hat sich fest vorgenommen, den Zug zur Inbetriebnahme des neuen Tiefbahnhofs in Stuttgart wiederzubeleben. „Bis dahin wollen wir die 100 000 Euro für die Hauptuntersuchung zusammenhaben“, sagt Hauf. „Die charakteristischen Betriebsgeräusche des roten Heulers dürfen nicht für immer verstummen.“




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