Regisseurin Asia Argento im Zwielicht Missbrauchsvorwürfe gegen Weinsteins Anklägerin

Jimmy Bennett (li.) sieht sich durch Asia Argento schlimm traumatisiert. Foto: AFP
Jimmy Bennett (li.) sieht sich durch Asia Argento schlimm traumatisiert. Foto: AFP

Die Schauspielerin und Regisseurin Asia Argento wirft Harvey Weinstein Vergewaltigung vor. Nun wird ihr selbst ein sexueller Übergriff zur Last gelegt.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)

New York - Als US-Medien im Oktober 2017 mit Enthüllungen über die sexuellen Übergriffe des Filmproduzenten Harvey Weinstein dessen Sturz und die Metoo-Bewegung auslösten, war Asia Argento eine der Kronzeuginnen. Die Regisseurin und Schauspielerin warf Weinstein vor, er habe sie 1997 vergewaltigt. Nun dürften Weinsteins Anwälte aufhorchen: Die „New York Times“ berichtet, Argento werde von dem Schauspieler Jimmy Bennett sexueller Missbrauch vorgeworfen, was Argento mit 380 000 Dollar diskret aus der Welt zu schaffen versucht habe.

Der fragliche Vorfall soll sich im Mai 2013 zugetragen haben. Argento habe sich mit Bennett in einem kalifornischen Hotel getroffen und Sex mit ihm gehabt. Argento war 37, Bennett 17 Jahre alt. In Kalifornien gilt man vor dem Gesetz erst mit 18 Jahren als sexuell voll selbstbestimmungsfähig.

Mustergültig unübersichtlich

Einen Monat nach Argentos öffentlichen Vorwürfen gegen Weinstein wurde sie von Bennetts Anwalt kontaktiert. Der Jungschauspieler, so die Anschuldigung, sei von dem damaligen Vorfall so traumatisiert, dass seine Karriere schweren Schaden genommen habe. Tatsächlich ist Bennett, der 2009 noch im Kino-Neustart von „Star Trek“ als junger James T. Kirk zu sehen war, in Hollywood kaum noch präsent.

Die ganze Affäre ist mustergültig unübersichtlich. Bennett hatte als Siebenjähriger eine Rolle als missbrauchtes Kind in einem Argento-Film. Danach hielten die beiden wohl regen Kontakt, Argento bezeichnete sich wiederholt als „Mama“ von Bennett. Auch nach dem Vorfall im Hotel soll die Beziehung der beiden zunächst bruchlos fortbestanden haben.

Glauben und Unglauben

Vor der Metoo-Bewegung hätte der Verdacht, da wolle jemand mit der nachträglichen Umdeutung von einvernehmlichem Sex abkassieren, diesen Fall schnell wieder aus den Medien und auch aus jedem Gerichtssaal gefegt. Der Metoo-Aufstand galt aber gerade solch einer Schuldumkehr, der Beschämung und Kriminalisierung der Anklagenden. In Öffentlichkeit und Unternehmenskultur setzte die große Umkehr ein. Nun wird zumindest in den USA zunächst eher den Anklagenden geglaubt.

Gerade Weinsteins eifrigste Verfolgerinnen können Asia Argento also nicht dadurch aus der Schusslinie bringen, dass sie Bennetts Aussagen und Motive in Zweifel ziehen. Den Anwälten von Weinstein und von anderen am Pranger Stehenden aber nutzt der Fall ungemein. Sie dürfen ihn künftig, anders als die Metoo-Aktivisten, als Beispiel für Erpressermentalität interpretieren. Sie könnten auch Argentos Glaubwürdigkeit in Zweifel ziehen.

Eine andere Kultur?

Vor allem aber könnten sie den Fall als Beleg dafür nutzen, dass im Film-, TV- und sonstigen Showgeschäft eben eine andere Kultur geherrscht habe, eine mit loseren Sitten, in der bloß normales Balzspiel gewesen sei, was bürgerlicheren Gemütern wie ein Übergriff erscheine. Erst nachträglich werde das nun von manchen Beteiligten umgedeutet, obwohl sie sich nicht anders als die Täter verhalten hätten.

Eventuell werden sich Argento und Bennett, die bislang schweigen, in den nächsten Tagen noch öffentlich äußern. Die Zahlung von 380 000 Dollar war, anders als Zahlungen Weinstein an einige seiner Anklägerinnen, nicht mit einer vertraglichen Schweigeklausel verknüpft.




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