Die Schulen brauchen Platz, die Hauptstraße braucht Publikumsverkehr: Mit dem Umzug der Bücherei könnte die Gemeinde Reichenbach zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Jetzt soll untersucht werden, ob sich Räume der Sozialstation für eine moderne Mediathek eignen.
Die Reichenbacher Bücherei ist derzeit im Untergeschoss der Realschule zu Hause. Hier kann sie auf Dauer nicht bleiben: Beide Schulleitungen, sowohl die der Realschule als auch der Lützelbachschule, hätten „einen deutlichen Mehrbedarf an Räumen“ gemeldet, sagte Bürgermeister Bernhard Richter in der Gemeinderatssitzung. Auf dem Schulcampus sieht man derzeit aber keine andere Möglichkeit für die Bibliothek. Die Verwaltung habe mehrere Standorte in der ganzen Gemeinde geprüft, unter anderem das ehemalige Blumengeschäft in der Hauptstraße. Sie seien aber entweder zu klein oder baulich nicht geeignet gewesen.
Studie kostet 25 000 Euro
Gleichzeitig ist Platz freigeworden in der ehemaligen Diakoniestation, die seit der Umwandlung in einen kommunalen Zweckverband im vergangenen Jahr „Sozialstation Untere Fils“ heißt. Ihre Verwaltung läuft nun übers Reichenbacher Rathaus. Dadurch und durch weitere Umstrukturierungen konnte sie deutlich zusammenrücken.
Zu Quadratmeterzahlen wollte sich der Bürgermeister noch nicht äußern. Das komme drauf an, welche Räume letztlich in Anspruch genommen würden. Eine erste Prüfung zeige aber, dass es grundsätzlich denkbar sei, dort eine moderne Bücherei, eine „Mediathek“, unterzubringen. Dazu soll nun das Büro Drees & Sommer, mit dem die Gemeinde schon beim Bau der neuen Sporthalle zusammenarbeitet, eine Studie durchführen. Kostenpunkt: 25 000 Euro. Damit bekomme man aber auch schon eine Grundlage für architektonische und fachliche Planungen, sagte Richter. Für ein Konzept will die Gemeinde, wenn es konkret wird, auch die Leiterin der Landesfachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen heranziehen, mit der sie bereits in Kontakt war.
Der Gemeinderat hat diesem Vorgehen zugestimmt. Schon seit Jahren taucht die Weiterentwicklung der Bücherei immer wieder als Thema in den Haushaltsplanberatungen auf, zuletzt hatten SPD und Freie Wähler Anträge dazu gestellt. „Wir freuen uns sehr, dass es jetzt so schnell auf dem Tisch liegt“, sagte Angelika Dengler (FW), zumal in der Bevölkerung immer mal wieder das Gerücht umgehe, die Gemeinde wolle die Bücherei aufgeben. Für die SPD sei „wichtig, dass auch eine Konzeption dahinter ist und nicht nur das Architektonische“, stellte Sigrid Bayer klar. Dazu gehöre auch ein kleines Café oder zumindest ein Kaffeeausschank. Auch die anderen Fraktionen befürworteten die Pläne einschließlich der Machbarkeitsstudie.
Man müsse allerdings davon ausgehen, dass die neue Mediathek, wie sie auch im Detail aussehen mag, die Gemeinde am Ende mehr kostet. Das sagte der Bürgermeister im Hinblick auf die Öffnungszeiten, die man an diesem zentralen Standort auf jeden Fall ausdehnen müsste. Derzeit hat die Bücherei nur an zwei Tagen die Woche jeweils vier Stunden geöffnet. Eventuell kämen auch ganz moderne Lösungen wie ein digitaler Zugang rund um die Uhr infrage.