Reisebücher Auf ins Unbekannte

Typische Cevennen-Landschaft in der französischen Region Langedouc-Mittelmeer. Foto: Wikimedia Commons/Myrabella/CC BY-SA 3.0

„Die Welt gehört denen, die zu ihrer Eroberung ausziehen,bewaffnet mit Sicherheit und guter Laune“, fand der Schriftstellers Charles Dickens. Unsere Buchtipps geben Anregungen, wo Neuland auf Neugierige wartet.

Stuttgart - Okzitanien? Noch nie gehört. Tatsächlich gibt es Okzitanien erst seit 2016. Damals wurden die beiden französischen Regionen Languedoc-Roussillon und Midi-Pyrénées zusammengeschlossen.

 

Meer, Sonne, Wein oder kurz: Südfrankreich

Vielleicht führt der poetische Name dazu, dass diese Regionen mehr ins Bewusstsein von Reisenden geraten, denn auch vor der Umbenennung standen sie im Schatten von Provence oder Côte d’Azur. Völlig zu Unrecht, wie Petra Sparrer belegt. Okzitanien, das ist Südfrankreich pur, mit feinen Stränden, grünem Hinterland und Städten wie Montpellier oder Nîmes. Dazu beste Mittelmeerküche. Unentdeckt wird Okzitanien nach dieser Lektüre nicht mehr lange bleiben. (Apf)

Petra Sparrer: Languedoc-Roussillon, Reise Know- How Verlag, 672 Seiten, 19,90 Euro.

Bretagne für alle Sinne

„Mit allen fünf Sinnen“ ist das Autorenpaar durch seine „Herzensheimat“ Bretagne gezogen und hat dabei 80 Glücksorte gefunden, welche die beiden in einem optisch frisch und fröhlich gestalteten Leseband vorstellen.

Jeweils auf einer Doppelseite gibt’s Foto, Text, Tipp und Adresse – und bei der Auswahl ist definitiv für jeden Geschmack etwas dabei, nicht nur im engeren Sinne wie bei Emmas Marmeladen oder Lancelots Bier: Kunstsinnige besuchen die windumtoste Festung der Schauspielerin Sarah Bernhardt, Paul Gauguins Malerherberge oder die Statue von Filmregisseur Alfred Hitchcock.

Naturliebhaber freuen sich an Rasen mähenden Ouessant-Schafen und einsamen Inseln mit Karibikflair, Geschichtsfreunde an Gezeitenmühle, Megalithengrab und Puppenmuseum. Wer Ungewöhnliches sucht, findet einen goldenen Baum, einen Hinkelstein und einen Austern-Diskurs. Aufgeschrieben ist alles mit Augenzwinkern, sodass schon das Lesen schmunzeln lässt. Was so ganz nebenbei rüberkommt, sind das französische Flair und die Schönheit des wilden Küstenlandes zwischen Nantes, Brest und Saint-Malo. (BB)

Beckmann, Potting: Glücksorte Bretagne, Droste Verlag, 168 Seiten, 14,99 Euro.

Globale Odysseen

„Die verrücktesten Reisen um den Globus“ verspricht der Untertitel – und das ist kaum übertrieben. Die Autoren sind nicht etwa nur auf abseitigen Pfaden zu Wasser und zu Land unterwegs, sondern auch in verschiedenen Jahrhunderten und mit höchst interessanten Verkehrsmitteln.

Letztere geben die grobe Gliederung vor: Per Schiff, Fahrrad, Flugzeug, Boot, Auto, Ballon, Zug, Motorrad und zu Fuß bewegen sich die Reisenden um die Welt, manche flott in Tagen, andere entschleunigte oder auch mühsame Jahre lang.

Jede(r) einzelne der zahlreichen Odysseen, Forschungsreisen, Rekordjagden, Vergnügungs- oder Kulturtrips ist sehens- und lesenswert aufbereitet – mit Karten und Fotos, Zahlen, Daten und Geschichten über die Protagonisten. Ein herrlicher Schmöker für alle, die sich für die Welt und die Reiselustigen in all ihrer unerschöpflichen Vielfalt interessieren. (BB)

Einmal um die Welt, Lonely Planet im Verlag Mairdumont, 288 Seiten, 35,90 Euro.

Alles, außer Kiel

Ist das nur ein Missverständnis oder womöglich ein knallharter Fall von Etikettenschwindel? Beim Titel „Lieblingsplätze rund um Kiel“ nimmt man doch schwer an, dass der Reiseführer die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt und deren nähere Umgebung beleuchtet.

Doch leider spart die Autorin Karen Lark Kiel aber komplett aus. Und zwar großräumig. Die vorgestellten 88 Lieblingsplätze verteilen sich fröhlich über das gesamte meerumschlungene Bundesland – vom hübschen Flensburger Kapitänsviertel Jürgensby ganz im äußersten Norden bis zu einem Rosengarten in Uetersen kurz vor Hamburg weit im Süden, vom Niobe-Denkmal auf der Ostsee-Insel Fehmarn bis zum Erlebniszentrum Phänomania im Nordsee-Hafenort Büsum.

Alle Tipps sind handverlesen, schön beschrieben und lohnen sicher einen Besuch, aber man hätte eben auch gerne etwas über Kiel und das Umland gelesen. (sur)

Karen Lark: Lieblingsplätze rund um Kiel, Gmeiner Verlag, 192 Seiten, 17 Euro.

Abenteuer im Hinterhof Europas

Wie kaum ein anderes osteuropäisches Land ist das Bild Rumäniens von Klischees bestimmt: schlechtes Essen, rückständige Gesellschaft, unsichere Städte. Doch die Heimat des Vampirs Dracula hat enorm aufgeholt und gehört zu den abwechslungsreichsten Regionen Europas.

Wer Lust hat, das weltoffene und dennoch traditionsbewusste Land kennenzulernen, ist mit dem Reiseführer des Bukaresters Silviu Mihai bestens beraten. Er kennt fast alle Ecken Rumäniens. Die Hauptstadt Bukarest mit ihrem kulturellen und gastronomischen Angebot kann es mit jeder anderen osteuropäischen Metropole aufnehmen, die Badeorte an der Schwarzmeerküste muten fast mediterran an.

Das Buch führt auch sicher durch die Karpaten mit ihren unzähligen Wanderwegen und andere wilde Gegenden, sodass man gut gewappnet ist, um auf eigene Faust zu reisen. Zahlreiche Karten, ein kulinarisches Lexikon sowie historische und gesellschaftliche Themenseiten beantworten auch ausgefallene Fragen. Auf ins Abenteuer Rumänien! (Apf)

Silviu Mihai: Rumänien, Dumont Reisehandbuch, 432 Seiten, 24,95 Euro.

Weißblau mit Herz

Ein wahrlich hoher Anspruch: „Weit weg von Touristenströmen“ wollen die Autorin Christine Metzger und der Fotograf Franz Marc Frei zeigen, wo man „das wahre München kennenlernen“ kann. Doch das Buch „Herzstücke in München“ hält tatsächlich, was es verspricht.

Selbst wer sich gut in der „Weltstadt mit Herz“ auskennt, entdeckt Überraschendes. Klar, von vielen der 100 vorgestellten Plätze, Geschäfte, Museen oder Lokale hat man bereits gehört oder ist schon mal da gewesen.

Doch die Autorin weiß immer noch ein bisschen mehr zu berichten, kennt eine kleine, unbekannte Anekdote oder weiß noch einen Randaspekt, der für Erstaunen sorgt. So blättert man von einem Aha-Erlebnis zum nächsten und hat schließlich viele gute Ideen für den nächsten Trip. (sur)

Ch. Metzger, F. M. Frei: Herzstücke in München, Bruckmann, 192 Seiten, 14,99 Euro.

Cäsar lässt grüßen

Der erste Blick auf das kleine gelbe Büchlein produziert ungefragt Erinnerungen. An die Lateinstunde, endlose Kämpfe mit der Übersetzung von Cäsars Schriften, mit grammatikalischen Feinheiten wie dem Sonderfall Ablativ.

Dabei ist Reclams Städteführer „Rom“ zwar klein und gelb, aber weder auf Lateinisch verfasst, noch angefüllt mit gallischen Kriegen. Römische Geschichte freilich steckt reichlich drin, jedoch nur als spannendes Begleitthema für Touren durch die ewige, gleichermaßen uralte wie quicklebendige Stadt.

Erstaunlich, was in das unscheinbare Bändchen alles reinpasst: Stadtgeschichte, Rundgänge, Stadtteile und Umgebung, Museen und Kulturkalender. Eng gedruckt und sparsam bebildert, aber sinnig gegliedert und gehaltvoll wie ein echtes Lehrbuch. (BB)

Christoph Höcker: Rom Architektur und Kunst Reclam Verlag, 214 Seiten, 12,80 Euro.

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