Reisen in Österreich Langlauf-Dorado für Anfänger

Rund 200 Kilometer sind die Loipen in den Hochtälern des Karwendel lang. Wenn die Sonne vom Himmel knallt und der Schnee perfekt ist, sind die Bedingungen für Langläufer geradezu paradiesisch. Foto: A/Tourismus

Rund um den Achensee im österreichischen Bundesland Tirol steht der Langlauf ganz im Mittelpunkt – auch für Loipen-Einsteiger.

„Nur keine Hektik“, sagt Skilehrer Detlef Leickert von der Skischule Pertisau. „Das passt nicht zum Langlauf.“ Die Ansage ist beruhigend für die drei Anfänger, die aufmerksam dem Lehrer lauschen. Langlauf liegt im Trend. Doch die Disziplin scheint komplizierter zu sein, als es im Fernsehen aussieht. Vor allem für Alpinfahrer, die es gewohnt sind, fest mit ihren Brettern verbunden zu sein und in Kurven und beim Bremsen auf den Halt ihrer Stahlkanten vertrauen zu können.

 

Fachkundige Hilfe zu Beginn kann nicht schaden

Feste Verbindung und Kanten an den Skiern gibt’s beim Langlauf nicht, weshalb fachkundige Hilfe zu Beginn nicht schaden kann. Am besten in einem Revier, im dem es flache, gut präparierte Übungsloipen gibt. Und in denen der Schwerpunkt beim Wintersport auf dem Langlauf liegt, den man neuerdings meist Cross-Country nennt.

Das Gebiet rund um den Tiroler Achensee ist so eine ideale Langlauf- Region. In Achenkirch, Pertisau, Wiesing und Maurach stehen zwar auch Skilifte, aber eher als Beiprogramm. Wer in den Naturpark Karwendelgebirge reist, den zieht es meist zu einer der vielen Loipen und danach eher in den Wellnessbereich des Hotels als in eine Après-Ski-Hütte.

Ungewohnte Bretter für Anfänger

Rund 200 Kilometer sind die Loipen in den Hochtälern des Karwendel insgesamt lang und zudem für Urlauber mit Gästekarte kostenlos. Da staunt der Alpinfahrer – genauso wie über den Fakt, dass es zwischen 1000 und 1300 Meter Höhe so gut wie nie ein Problem mit dem nötigen Schnee gibt.

Anfänger hadern manchmal mit den ungewohnten Brettern. Schmal sind sie. Sanft, aber doch entschieden wollen sie abgedrückt werden, dabei immer locker in den Knien bleiben. Weder zu weit nach vorne und schon gar nicht nach hinten legen. Und damit es nach etwas aussieht, sollte man auch noch harmonisch dahingleiten. Die Übungsloipe in Pertisau ist glücklicherweise so flach, dass ein Sturz nur schwer möglich ist, und wenn, dass er meist harmlos endet. In der Regel schlägt es den Debütanten aufs Hinterteil, weil ihn bei zu viel Rücklage die eigenen Skier quasi überholen.

Auf Anfänger ist man am Achensee eingestellt. Rund um das Langlaufstüberl, das zudem noch eine kleine Brauerei umfasst, sind drei der technisch einfachsten Loipen mit insgesamt sieben Kilometern angelegt. Auf einer darf man sogar Hunde mitnehmen – allerdings nicht zum Ziehen. Die Spuren sind so gestaltet, dass selbst blutige Anfänger nach ein, zwei Runden meinen, Langlaufen zu beherrschen. In der Regel ist das ein Trugschluss, weshalb man das hauseigene Bier im Stüberl erst nach dem Sport genießen sollte.

Perfekt auf Langlaufschulung und Touristen eingestellt

Auch in den anderen Orten rund um den Achensee ist man als Langlauf-Lehrling gut aufgehoben. In Achenkirch gibt es sogar eine stattliche, zehn Kilometer lange blaue (das heißt einfache) Loipe. Eingestellt ist man unweit der bayerischen Grenze auch auf die Langlaufschulung und auf Touristen, die ohne eigene Ausrüstung anreisen. In der Region, die sich als ruhiger Ort zur Entschleunigung mit viel Wellness präsentiert, bekommt jeder den zu ihm passenden Kurs und die entsprechenden Bretter.

Wie gesagt: Es gibt solche Langlauf-Amateure, die glauben, nach zwei Stunden blaue Loipe eine Art Expertise für jedes Gelände erworben zu haben. Abgesehen von Naturtalenten ist dies meist ein Irrglaube. Wer sich etwa von Pertisau aus in die als mittelschwer (rot) klassifizierte, 14 Kilometer lange Strecke nach Gramai vorwagt, für den geht es erst einmal gemäßigt bergauf. So mancher verliert sich da in eine Art leichtes Jogging auf Skiern und badet alsbald in Glückshormonen. Doch irgendwann geht’s bei einem Rundkurus zurück und knapp 200 Höhenmeter bergab. Nicht besonders steil, aber für Anfänger stellenweise doch ein wenig knifflig, zumindest wenn man das Bremsen nicht vom Fachmann gelernt hat.

Skiurlaub ohne Stress und Hektik

Aber dafür gibt es Detlef Leickert und seine Kolleginnen und Kollegen. Sie erklären, was bergab zu tun ist. Die Tipps reichen vom halben Pflug mit einem Ski in der Spur und einem draußen bis zu dem, was heute Pizza und früher Pflug hieß. Wer die Pizza sicher draufhat, kann sich auch allein auf Tour wagen. Zumindest in die blauen und roten Loipen. Für die vier schwarzen Rundkurse am Achensee sollte man indes deutlich mehr Expertise und Erfahrung mitbringen, als man in einem Grundkurs erwirbt. Und das natürlich ganz ohne Hektik und Stress, denn darauf legt man am Achensee ganz besonders großen Wert.

Info: Achensee

Anreise
Mit der Bahn von Stuttgart nach München, Regionalexpress nach Tegernsee, Bus nach Achenkirch, Verbindungen und Preise auf www.bahn.de/angebot.

Unterkunft
Einen Wellnessbereich der Extraklasse und eine raffinierte Küche bietet das Vier-Sterne-Hotel Wagnerhof in Pertisau. DZ/F ab 155 Euro, www.wagnerhof.at. Im Gasthof Pension Golfvilla kocht der Chef selbst und legt Wert auf Frische und Regionalität, DZ/F ab 75 Euro, www.golfvilla.at.

Aktivitäten
Langlauf: Informationen über Kurse bei der Skischule Pertisau (Kurse ab 120 Euro), www.schischule-leithner.at. Empfehlenswert: Schneeschuhwanderung durch den Naturpark Karwendel (ab 18 Euro), www.karwendel.org/naturfuehrungen.

Allgemeine Informationen
Achensee Tourismus, www.achensee.com.

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