Rekord-Auktion für Kino-Roboter Robby schlägt Marilyn und Batman

Typische Schreckenswerbung: Robby der Roboter wurde 1956 auf den Plakaten zu „Forbidden Planet“ als jungfrauenverschlingendes Maschinenmonster präsentiert. Foto: MGM
Typische Schreckenswerbung: Robby der Roboter wurde 1956 auf den Plakaten zu „Forbidden Planet“ als jungfrauenverschlingendes Maschinenmonster präsentiert. Foto: MGM

Er ist schon lange ein großer Klassiker des Science-Fiction-Kinos: Robby der Roboter aus „Forbidden Planet“. Nun ist die schöne Filmrequisite für eine Rekordsumme in New York versteigert worden.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)
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Stuttgart - Das war eine verdammt bittere Lektion für Schauspieler wie Anne Francis und Leslie Nielsen 1956, als ihr für damalige Verhältnisse sehr teurer Science-Fiction-Film „Forbidden Planet – Alarm im Weltall“ ins Kino kam: Ein überlebensgroßer Roboter stiehlt einem jede Szene und am Ende den ganzen Film. Kein Zuschauer konnte sich hinterher daran erinnern, wer da in Fleisch und Blut vor der Kamera gestanden hatte. Und allen war herzlich egal, dass das Drehbuch mit seiner Plünderung von William Shakespeares „Der Sturm“ kokettierte: Wichtig war allein Robby, der Roboter, ein imposanter, aber menschenfreundlicher Koloss, der ein wenig aussah wie eine edle Jukebox mit Armen und Beinen. Nun hat der Original-Robby im New Yorker Auktionshaus Bonhams für 5,375 Millionen Dollar, umgerechnet rund 4,6 Millionen Euro, den Besitzer gewechselt. Das macht Robby zur aktuell kostbarsten Filmrequisite. Den bisherigen Versteigerungsrekord teilten sich Marilyn Monroes weißes Kleid aus „Das verflixte siebte Jahr“ und das Batmobil aus der TV-Serie „Batman“ mit jeweils 4,6 Millionen Dollar.

Mit sichtbarem Elektronengehirn

Vor Robby hatten Filmroboter meistens ziemlich genau wie Menschen ausgesehen, die man in zu viel Alufolie eingewickelt hatte. Auch Robbys Design orientierte sich an einem Menschen im Tiefseetaucheranzug, aber vor allem seine wuchtige Glaskanzel von Kopf, die auf sein Elektronengehirn blicken ließ, gab ihm eine einschüchternd fremde Anmutung. Dass er alle Aufmerksamkeit auf sich zog, hatte er durchaus verdient. Einerseits fand ein Schauspieler in seinem Inneren Platz, andererseits war er kein bloßes Kostüm, sondern tatsächlich eine Maschine, die von innen und außen gesteuert werden konnte. Die gesamte Konstruktion soll rund 100 000 Dollar verschlungen haben, inflationsbereinigt also mindestens eine Million. Die meisten Billig-SF-Filme, die damals in die Autokinos kamen, kosteten rundum weniger.

Sehen Sie hier den alten Trailer zu „Forbidden Planet“:

Robby war viel zu beliebt und viel zu schade, um gleich ins Magazin verschoben zu werden. Er bekam weiter Auftritte in den TV-Serien „Lost in Space“, „Twilight Zone“ und „The Addams Family“ und anderswo. Sein solides Auftreten nährte die Hoffnung und Angst von Generationen, bald in einer Welt faszinierender, selbstständiger Maschinen zu leben. Während viel langweiliger aussehende Industrieroboter heute in aller Welt rund um die Uhr schuften, genießt Robby den Ruhestand eines Stars. Wo, hat das Auktionshaus Bonhams bislang nicht verraten.




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