Relegationsgegner des VfB Stuttgart Die Taktik-Frage: Wie besiegt man Union Berlin?

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Den VfB Stuttgart erwartet in der Relegation in Union Berlin ein gut organisierter Gegner mit viel körperlicher Wucht – aber wie lässt sich das Bollwerk am besten knacken?

Auf die Fans von Union Berlin ist Verlass. Sie wollen ihre Mannschaft auch in Stuttgart lautstark unterstützen. Foto: AFP 16 Bilder
Auf die Fans von Union Berlin ist Verlass. Sie wollen ihre Mannschaft auch in Stuttgart lautstark unterstützen. Foto: AFP

Stuttgart - Es geht um viel, manche sagen sogar, es ginge um alles oder nichts. Mindestens aber um „den VfB, das Schwabenland, die vielen Mitglieder und Mitarbeiter“, wie der Stuttgarter Interimstrainer Nico Willig betont. Da lohnt ein genauer Blick auf die Zahlen des Relegationsgegners: 1. FC Union Berlin, Dritter der zweiten Liga mit nur 33 Gegentoren in 34 Spielen – das ist mit Abstand der beste Wert im Fußballunterhaus. Die Frage wird nun sein, wie der VfB diese Berliner Mauer überwinden will.

In einer Mischung aus möglichst hoher Risikobereitschaft, aber auch der nötigen Geduld glaubt Willig den richtigen Ansatz gefunden zu haben. Er zieht jedoch nicht nur das Hinspiel an diesem Donnerstag (20.30 Uhr/Eurosport Player) in seine Überlegungen ein. „Beide Spiele in Summe sind wichtig. Das werden wir klar so planen und während der Heimpartie so steuern“, sagt der Coach, der vor den beiden Entscheidungspartien einen Vergleich wagt: „Gerade die beiden Halbfinals in der Champions League haben gezeigt, dass es nicht nur mit einem Spiel getan ist.“

VfB: Nur nicht ins Verderben stürmen

Also nur nicht ins Verderben stürmen, heißt die VfB-Devise, da der Union-Trainer Urs Fischer sein Köpenicker Bollwerk solide gebaut und gut organisiert hat. Mit kräftigen Jungs wie dem 1,92 Meter großen Abwehrchef Marvin Friedrich. Aber auch in der vorderen Reihe zieht mit Sebastian Polter (1,93 Meter/9 Tore) und Sebastian Andersson (1,89 Meter/12 Tore) ein sogenannter Ochsensturm kräftig in den gegnerischen Strafraum.

Ein weiterer Fakt: „Die Berliner sprinten sehr viel“, sagt Willig. Die besten Laufwerte weist ein fleißiger Schwabe auf: Grischa Prömel, der beim TSV RSK Esslingen mit dem Fußball anfing und danach bei den Stuttgarter Kickers, 1899 Hoffenheim und dem Karlsruher SC aktiv war. „Er ist aber auch ein guter Fußballer“, sagt Willig. Ebenso wie seine Mittelfeldpartner Manuel Schmiedebach und Robert Zulj.

Union: Ein Auswärtstor ist das Ziel

Bei aller Defensivstärke streben die Gäste aber einen Auswärtstreffer an. „Das kann helfen“, sagt Fischer und setzt zum einen auf die Unterstützung der Union-Fans – 5000 werden es in Stuttgart sein – sowie die Mentalität seiner Mannschaft. Zuletzt holte sie beim VfL Bochum einen 0:2-Rückstand auf. 2:2 hieß es am Ende, und mit einem Törchen mehr wäre der direkte Aufstieg perfekt gewesen. Verarbeitet, meint Fischer drei Tage nach der ersten Enttäuschung.

Doch die Begegnung in Bochum kann als Anschauungsunterricht dienen. Robin Dutt, jetzt VfL-Trainer und früher VfB-Sportchef, ließ seine Elf früh attackieren. Schon am eigenen Strafraum wurden die Innenverteidiger Marvin Friedrich und Florian Hübner gestört. Zum einen, weil die Berliner dann zu Fehlern neigen, wie sich vor dem zweiten Treffer zeigte. Zum anderen, weil sich in der Folge die langen Pässe auf Polter und Andersson geschickter verteidigen lassen – im Raum 40 Meter vor dem eigenen Gehäuse.

Im Ruhrstadion funktionierte diese Herangehensweise gut. Zumindest bis zum Platzverweis von Silvere Ganvoula (72.). Anschließend verloren die Dutt-Schützlinge die Kontrolle in einer Partie, die eines ebenfalls offenbarte: Je höher die Berliner mit ihrer Körperlichkeit die Intensität schraubten, desto mehr sank das technisch-taktische Niveau des Spiels.

In unserer Bildergalerie stellen wir die beiden Vereine gegenüber