Remake von „Honig im Kopf“ US-Kritiker mögen Til Schweigers Film gar nicht

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Nur vernichtende Kritiken und kaum Zuschauer hat „Head full of Honey“ in den USA bislang angezogen. Til Schweiger dürfte das nicht erschüttern. Die echte Bewährungsprobe kommt nämlich erst noch.

Nick Nolte (re.) spielt in „Head full of Honey“ den Alzheimerkranken – im Original stellte Dieter Hallervorden diese Figur dar. Foto: Gordon Timpen/Warner Bros.
Nick Nolte (re.) spielt in „Head full of Honey“ den Alzheimerkranken – im Original stellte Dieter Hallervorden diese Figur dar. Foto: Gordon Timpen/Warner Bros.

Stuttgart - Wie Til Schweiger mit Alzheimer umgehe, das sei manchmal schon beleidigend – mault kein deutscher Kritiker, sondern Bilge Ebiri von der „New York Times“. In den USA ist nämlich vergangene Woche das englischsprachige Remake von Til Schweiger deutschem Box-Office-Überflieger „Honig im Kopf“ gestartet. In „Head full of Honey“ hat Nick Nolte jene Rolle des alzheimerkranken älteren Herrn übernommen, die im Original Dieter Hallervorden ausfüllte. 7,19 Millonen Zuschauer lösten dafür 2014 und 2015 Kinokarten. In den USA ist nach einer Woche klar: Das Publikum bleibt weg und die Kritiker wüten. Meint Bilge Ebiri: „Im Einklang mit seinem bizarren Plot und seinen schrillen Darstellerleistungen scheint der Film auch noch in einem Küchenmixer geschnitten worden zu sein.“

Dass nur eine Handvoll Leute zum von Schweiger selbst inszenierten Remake „Head full of Honey“ kamen, heißt allerdings nicht, dass die Amerikaner bewusst in Scharen fern blieben. Sie hatten gar keine Chance, auf den Film aufmerksam zu werden. In aller Hast ist er, um am direkt bevorstehenden Oscar-Rennen teilnehmen zu können, pro forma noch 2018 gestartet worden - in insgesamt nur vier Kinos in New York und Los Angeles.

Theoretisch könnte ein sehr viel größerer, dann auch heftig beworbener Start im Frühjahr noch folgen. Das ist nicht unüblich, man hofft dann in Hollywood, mit bis dahin gewonnenen Oscars oder wenigstens mit errungenen Nominierungen für sich werben zu können. Falls das mit den Oscars aber nicht klappen sollte, säßen Schweiger und der Verleih Warner Bros. erst einmal auf einem Bündel verheerender Kritiken als Startkapital.

Altkritiker Rex Reed vom „Observer“ etwa warnt schon in der Überschrift seiner Besprechung, der Film sei „so lustig wie eine Zahnwurzelbehandlung“. Kaum je, schimpft Reed weiter gebe es einmal „einen überzeugenden Moment in diesem Fiasko“. Auch Gary Goldstein von der Los Angeles Times ist höchst unzufrieden: Die Filmemacher hätten mit dem Skalpell zu Werke gehen müssen, stattdessen aber den Vorschlaghammer benutzt.

Til Schweiger immerhin dürfte davon kein bisschen beeindruckt sein. Aus Deutschland ist er das weite Auseinanderklaffen von Publikumsgeschmack und Kritikermeinungen lange schon gewohnt. Er hat es sogar zum Teil der Werbemaschine für seine Filme gemacht, dass er vor jedem Neustart neu auf die Kritiker schimpft beziehungsweise die ganze Zunft verspottet. Er zeigt seine Filme Journalisten auch nicht mehr vorab.

In den USA allerdings ist er nicht bekannt genug, um zwecks ulkiger Kritikerbeschimpfung in Talk Shows eingeladen zu werden. Dafür müsste sein Film tatsächlich für ein paar Oscars nominiert werden. Fun fact: Am 21. März 2019 startet „Head full of Honey“ dann auch in deutschen Kinos.