Remondis Reichenbach Anwohner klagen über Gestank

Reichenbacher Anwohner rümpfen wegen Remondis’ Umschlagplatz im Leintelgebiet die Nasen. Foto: /Karin Ait Atmane

Das Recycling-Unternehmen Remondis schlägt im Leintelgebiet Gelbe Säcke um. Das führt zu Geruchsbelästigung und Ungeziefer. Im Gemeinderat wurde diskutiert, was man dagegen tun kann.

Reichenbach - Die Gemeinde hat zwar rechtlich nichts in der Hand. Politischen Druck ausüben soll sie trotzdem. Das ist erklärter Wille des Reichenbacher Gemeinderats, wenn es um Gerüche und Schädlinge im Umfeld von Remondis geht. Die Firma schlägt im Leintelgebiet Gelbe Säcke um. Anlass für die Diskussion war ein Antrag der SPD-Fraktion, in dem diese die Umsiedlung des Unternehmens auf eine andere Fläche anregte.

 

Nicht nur die unmittelbaren Anwohner im Gewerbegebiet klagen über Geruchsbelästigungen, Insektenschwärme und Ratten. Auch aus den nahe gelegenen Wohngebieten kommen Beschwerden bei der Gemeindeverwaltung an. Einige Ratsmitglieder sind selbst betroffen und schilderten die Situation drastisch. „Bei uns zu Hause sieht es aus wie in einem Kuhstall“, sagte Andreas Löffler (CDU), man habe Leimfänger in jedem Zimmer, die abends schwarz vor Fliegen seien. Stillsitzen könne man gar nicht, weil man ständig wegen der Insekten um sich schlage. Sein Haushalt gebe jährlich 200 bis 250 Euro für Rattengift und Fliegenabwehr aus, und mit seinen Vorstößen bei Remondis habe er sich bisher nicht ernstgenommen gefühlt. Seit einigen Jahren verschlimmere sich die Situation, sagte Sabine Fohler (SPD): „Mitunter haben wir den Eindruck, dass die Firma sich zeitweise bemüht, dann aber wieder nachlässt.“

Geruchsmessung an 40 Punkten

Die Gemeindeverwaltung hat allerdings in jüngster Zeit gute Erfahrungen gemacht. Bürgermeister Bernhard Richter berichtete von einem konstruktiven Gespräch mit dem Geschäftsführer des Recycling-Unternehmens. Das mache ein wenig Hoffnung. Aber auch die Tatsache, dass die Firma in Absprache mit dem Landratsamt Geruchsmessungen durchführe, lasse hoffen.

An 40 Punkten werde gemessen, ein ganzes Jahr lang. Wie lange dieser Zeitraum noch läuft und wann Ergebnisse zu erwarten sind, konnten unserer Zeitung auf Nachfrage allerdings weder die Verwaltung noch das Landratsamt beantworten. Und von Remondis haben wir keine Auskunft bekommen. Tatsächlich lasse die Firma selbst dieses recht aufwendige Geruchsgutachten erstellen, erklärt Andrea Wangner, die Pressesprecherin des Landkreises. Dies geschehe nach „formloser Aufforderung“ der Unteren Immissionsschutz- und Abfallrechtsbehörde. Ziel sei, festzustellen, ob die beklagte Geruchsbelästigung „erheblich“ sei. Der Vorschlag, die Firma zum Umsiedeln auf eine andere Fläche zu bewegen, war im Gemeinderat recht schnell vom Tisch. Da habe man rechtlich keine Chance, meinte Bürgermeister Richter, das Unternehmen habe schließlich die Genehmigung für das, was es an dem Standort tue. Andreas Nitsch (FW) wies zudem darauf hin, dass eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung immer ans Grundstück und nicht ans Unternehmen gebunden ist. Deshalb könnte eine Umsiedlung dazu führen, dass am jetzigen Remondis-Standort ein anderer Betrieb mit ähnlichem Profil weitermacht. Folglich müsse man im Sinne der Anwohner eine nachhaltige Verbesserung an Ort und Stelle erreichen, war das Fazit im Gemeinderat, auch wenn Remondis – so Matthias Weigert (Grüne) – eigentlich „fehl am Platz“ sei. Schädlings- und Geruchsbekämpfung müssten intensiviert, die Kontrollen verschärft werden. Für Letzteres sei aber nicht die Gemeinde zuständig, sagte Bürgermeister Richter: „Das muss das Landratsamt tun, ich kann nicht aufs Gelände.“ Von der antragstellenden SPD kam dann noch der Vorschlag, so Sabine Fohler, „dass wir überfraktionell gemeinsam auf die Firma zugehen und politischen Druck aufbauen.“

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