Remstäler schreibt Sportgeschichten Ali, Schumi und die „Stradivari unter den Arschgeigen“

Anno 1971 startete Oskar Beck seine Sportschreiberkarriere in Waiblingen. Foto: StZ

Sportkolumnist Oskar Beck – aufgewachsen im Remstalort Endersbach – hat Sportlergeschichten aus 50 Jahren in ein Buch gepackt.

Weinstadt - Wer so richtig erlesen beschimpft werden will, muss sich dieses in der Regel redlich verdienen. Wie ein Endersbacher Lehrerbub allerdings zu der Ehre kam, vom einstigen Kultus- und Innenministerminister sowie sportpolitisch fast allmächtigen VfB- und DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder zur „Stradivari unter den Arschgeigen“ geadelt zu werden, das ist – besonders in Zeiten wohlfeiler und meist intellektuell schlichter Hasskommentare und Shitstürme – nochmals eine ganz besondere sporthistorische Geschichte. Eine, die allerdings in jenem Buch, das Oskar Beck, in Endersbach aufgewachsener Sportjournalist mit internationaler Reputation, und jahrzehntelanger Kolumnist unter anderem bei der Stuttgarter Zeitung, eher eine Nebenrolle spielt. Die erlesene Beleidigung ist zugleich aber eine Episode, die dem Sportgeschichtenschreiber aus dem Remstal am Ende als wertvollere Auszeichnung gilt als alle anderen Journalistenpreise.

 

Nach gut vier Wochen bereits die zweite Auflage

„Alles wegen Ali“, so lautet der Titel des Buchs mit „Geschichten zu 50 Jahren Sport“, das dieser Tage, nur vier Wochen nach dem ersten Erscheinen, bereits in die zweite Auflage geht. Es ist kein herkömmliches Sportbuch, sondern eine unterhaltsame, hintergründige und extrem gut bebilderte Zeitreise durch die neuere nationale und internationale Sportgeschichte. Verbunden eben mit dem, wie persönlich alles begann, mit Muhammad Ali und dessen Verantwortung dafür, dass aus dem Endersbacher Lehrersohn kein widerwilliger Pädagoge sondern ein begnadeter Sportgeschichtenschreiber wurde. Einer, der im vergangenen halben Jahrhundert von Gerd Müller und Franz Beckenbauer, über Ben Johnson und Boris Becker, George Best, Rosi Mittermaier, Jürgen Klinsmann oder Mike Tyson bis zu Ferenc Puskas und Katarina Witt so ziemlich über alle geschrieben hat, die im Sport etwas bedeuten.

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Der Weg zum Beruf ist als Rahmenhandlung im „Kampf des Jahrhunderts“ zwischen Ali und George Frazier knapp, klar und augenzwinkernd beschrieben: „Ich liebe Muhammad Ali“, gesteht Oskar Beck – und zwar spätestens, seitdem er – einst im März 1971 vom Vater dazu verdonnert – verzweifelt auf der Suche nach einem „vernünftigen“ Beruf war. Er hat damals einfach an der Bürotür des damaligen Chefredakteurs der Lokalzeitung in Waiblingen geklopft und verkündet: „Ich will Journalist werden.“ Er möge, so der Bescheid, mal was schreiben, zur Probe. Der Ali-Fan schrieb natürlich irgendwas über Muhammad Ali und schickte es per Post zur Waiblinger Kreiszeitung. Tags drauf, so die Kurzversion, schellte das Telefon: „Sie können morgen anfangen.“

Gut 90 Erzählungen aus 50 Jahren Sportgeschichte

50 Jahre später sind es mehr als 90 gut fundierte Erzählungen, die da auf 428 Seiten eben nicht nur Sportereignisse und deren Protagonisten dokumentieren, sondern die Geschichten dahinter, drum herum oder eben mittendrin. Und das auf eine unterhaltsame, bisweilen ziemlich spitze und eben auch für die Porträtierten manchmal eher unkomfortable Erzählweise.

Den Leser allerdings erheitert es allemal, wenn er erfährt, wie ein Journalistenkollege sich einst in die wilden Wasserpartys des Johann Cruyff eingeschlichen und quasi in der Nacht vor dem 1974er-WM-Finale für eine mittelschwere Ehekrise beim holländischen Fußballstar gesorgt hat. Wenn der Journalist Beck zum Treffen beim 60. von Wurstbotschafter Uli Hoeneß schreibt: „Der Kopf war ihm sichtlich durch die Haare gewachsen, die Frisur nahm ab, die Figur dafür zu“. Oder wenn er beim einst zeitweise ebenfalls in seinem Heimatort Endersbach beheimateten Emotionaltrainer und späteren Kokainverdachtsfall Christof Daum einmal mehr den Verbal-Scharfrichter MV zitiert: „Von den Schwaben wird behauptet, dass sie mit 40 gescheit werde. Daum ist Rheinländer – also geben wir ihm noch zehn Jahre.“

„Und alles wegen Ali“

Autor
 Oskar Beck, Jahrgang 1949, stammt aus dem Remstal. Nach einem Volontariat bei der Waiblinger Kreiszeitung ab 1971 schrieb er dort als Redakteur, bevor er 1976 zu den Stuttgarter Nachrichten wechselte und dort von 1980 bis 1987 Sportressortleiter war. Danach war er als freier Autor regelmäßig für Sports, Sport-Illustrierte, Sport (Zürich), Hörzu und Welt sowie Welt am Sonntag aktiv. Seit 1996 ist er wöchentlich als Kolumnist in der Stuttgarter Zeitung vertreten. Seit 2003 erscheint ebenfalls wöchentlich sein „Querpass“ in der Welt. Er lebt in Weilheim an der Teck.

Buch
 Der Band „Und alles wegen Ali – Geschichten zu 50 Jahren Sport“ (428 Seiten) ist im Juli in der Buchreihe edition debuts.eu des Stuttgarter Verlags lokal global erschienen. Preis: 29 Euro; ISBN: 978-3-978-3-9820948-2-3

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