Remstal-Gartenschau in Fellbach Vom Streichelzoo zur Schlemmerbande

Von Dirk Herrmann 

Der Treffpunkt Baden-Württemberg ist derzeit zu Gast in den Foyers der Fellbacher Schwabenlandhalle. Dort gibt es an diesem Wochenende nicht nur sieben Ausstellungen, sondern auf dem Guntram-Palm-Platz auch tierische Abenteuer.

In der Schwabenlandhalle gibt es  sieben Ausstellungen in den Foyers des Eingangsbereichs des Obergeschosses zu sehen Foto: Patricia Sigerist 6 Bilder
In der Schwabenlandhalle gibt es sieben Ausstellungen in den Foyers des Eingangsbereichs des Obergeschosses zu sehen Foto: Patricia Sigerist

Fellbach - Zugegeben, der Name der Veranstaltung klingt nicht unbedingt nach prickelndem Prosecco. Aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. Denn der „Treffpunkt Baden-Württemberg“, der sich für mehrere Wochen in der Fellbacher Schwabenlandhalle eingenistet hat, lohnt den Ausflug und lockt überdies speziell an diesem Wochenende mit einer Vielzahl von Zusatzattraktionen.

Der insgesamt gut drei Wochen dauernde Präsentationsreigen in Fellbach ist Bestandteil der aktuellen Remstal-Gartenschau

Dort gibt’s zunächst einmal gleich sieben auf einen Streich – nämlich sieben Ausstellungen in den Foyers des Eingangsbereichs des Obergeschosses. Die Agrar-Staatssekretärin der Landesregierung, Friedlinde Gurr-Hirsch, meinte bei der Vernissage: „So viele Ausstellungen auf einen Schlag habe ich noch nie eröffnet“. Der insgesamt gut drei Wochen dauernde Präsentationsreigen in Fellbach ist Bestandteil der aktuellen Remstal-Gartenschau – das passt, so die Staatssekretärin für Landwirtschaft, denn: „Der Garten war am Anfang des Menschen.“

„Gönn dir Garten“, lautet denn auch der plakative Titel des vom Fellbacher Naturschutzbund (Nabu) konzipierte Kampagne, um die Menschen für die biologische Vielfalt vor ihrer Haustür zu sensibilisieren – mit Bienensummen und Vogelgezwitscher, buntem Blütenmeer und süßer Beerenernte in den Gärten oder auf Balkonen. Die Präsentation der drei Landschaftserhaltungsverbände Rems-Murr, Ostalb und Landkreis Ludwigsburg trägt den Titel „Brücken bauen zwischen Mensch und Natur“. Im Erdgeschoss-Foyer sind zudem Stuhlobjekte zu sehen, die rund 20 Selbsthilfegruppen aus dem Rems-Murr-Kreis im vergangenen Herbst künstlerisch gestaltet haben.

Ansonsten gibt es beim Treffpunkt Baden-Württemberg im Beiprogramm noch ein bisschen Kulinarik

Über Förderprogramme für den Ländlichen Raum informiert das Ministerium unter dem Titel „Gut investiert“. Die Fellbacher Buchhändlerin Gudrun Lack stellte bei der Vernissage die ebenfalls in der Schwabenlandhalle zu sehende Buchausstellung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels vor, Titel „Natur, Garten, Umwelt“. Dann gibt es noch die Präsentation „Weltreligionen, Weltfrieden, Weltethos“. Und schließlich kann das „Genbänkle“ besichtigt werden, zusammengezimmert von Sortenrettern der Naturpflanzenvielfalt.

Ansonsten gibt es beim Treffpunkt Baden-Württemberg im Beiprogramm noch ein bisschen Kulinarik – mit den Kindern der Schlemmerbande – und vor allem saumäßig viel Tierisches. So haben die Organisatoren fürs gesamte Auftaktwochenende einen mobilen Streichelzoo engagiert.

Zur Karawane gen Fellbach gehören eine Mini-Kuh

Landwirt Jürgen Rhein tuckert dafür vom 490 Einwohner zählenden Dorf Falken-Gesäß im Odenwald ins vordere Remstal, um dann vor der Schwabenlandhalle Station zu machen. „Ich lebe mit meinen Tieren seit Februar 2012 auf meinem Erlebnisbauernhof in Südhessen“, berichtet Rhein am Telefon. „Meine höchste Priorität ist es, mit den Tieren so umzugehen, wie es oft in Kinderbüchern dargestellt wird, aber leider aus zumeist wirtschaftlichen Gründen immer seltener praktiziert wird.“ Auch führe falsch verstandene Tierliebe und Vermenschlichung nicht immer zum Wohl des Tieres. „Bei mir darf der Hahn auf dem Misthaufen krähen, die Ziege darf sich die Kräuter selbst von der Wiese pflücken und die Ponys müssen nicht den ganzen Tag in Boxen oder Reithallen verbringen.“

Zur Karawane gen Fellbach gehören eine Mini-Kuh – „die ist einen Meter hoch, wiegt aber 480 Kilogramm“, zwei Esel, Schafe und Ziegen, ein Riesenkaninchen und Mäuse. Der Streichelzoo vor der Halle hat am Samstag und Sonntag, 3. und 4. August, von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Rhein sagt: „Tierschutz und artgerechte Haltung sehe ich als meine Aufgabe und Pflicht.“ Damit nicht genug der tierischen Präsentationen. Direkt im Anschluss, zu Wochenbeginn am Montag und Dienstag, ist die „kleine Schweineschule“ aus Michelbach an der Heide zu Gast. Und am Sonntag drauf, am 11. August, kann man sich über Bienenprodukte informieren und einige davon sogar selbst herstellen.

Veranstaltungsprogramm Am Ersten Wochenende des „Treffpunkts Baden-Württemberg“

„Das passt“
Zum Aktionstag unter der Überschrift „Das passt – Kindern Familie ermöglichen“ am Samstag, 3. August, gehört eine Ausstellung rund um das Leben in einer Pflegefamilie. Von 10 bis 17 Uhr gibt es außerdem eine Kinderspielecke mit Maltisch, Memo-Spiel und Glücksrad.

„Das schmeckt“
Die Kinder der sogenannten Schlemmerbande kochen am Samstag gemeinsam mit den Küchenchefs der Meistervereinigung Gastronom Baden-Württemberg. Welche Leckereien beim gemeinsamen Gemüse schneiden, Orangen filetieren oder Maultaschen zubereiten entstehen, präsentieren diese „Genussentdecker“ um 11 Uhr und um 13 Uhr in der Schwabenlandhalle dem Publikum.

„Das riecht“
Die Nase wie die Geschmacksnerven sind am 4. August gefordert – und zwar beim Kräutersonntag von 10 bis 17 Uhr mit den Kräuterpädagoginnen Baden-Württemberg. Es gibt Informations- und Verkaufsstände, um 11 Uhr eine Führung zum Thema „wilde Sommerkräuter für Küche und Hausapotheke“ sowie von 15 bis 17 Uhr einen Workshop mit Brigitte Reinhardt. Dabei können die Teilnehmer „Lavendelstäbchen flechten und Lavendelgedichte hören“.

„Das fetzt“
Die Fünf nennen sich zwar reichlich Amerikanisch „Ruben & Matt and Truffle Valley Boys“, dahinter verbirgt sich allerdings ein italienisches Musikerquintett, das am Sonntag von 14 Uhr bis 15.15 Uhr flotten Folk und kernige Countryklänge darbieten und so in die goldenen 50er-Jahre des Bluegrass-Genres entführen will. Dazu sehen sie noch aus, als seien sie einer Show dieser Zeit entsprungen.