Wie erst jetzt bekannt geworden ist, ist die Stuttgarter Tanzpädagogin Renate Braig-Witzel bereits am 25. März im Alter von 94 Jahren verstorben. Gemeinsam mit ihrem Mann Alfred Braig war sie unter den ersten, die nach dem Krieg in Stuttgart das Ballettleben neu angekurbelt hatten: Am 4. Mai 1949 gründete das Paar in Zuffenhausen eine Schule für Ballett, Gymnastik und Tanz, die zu einer der bekanntesten privaten Einrichtungen dieser Art in Deutschland werden sollte – bis sie 2002 mangels Nachfolger geschlossen werden musste.
Bis dahin gab die Ballettschule Braig-Witzel wichtige Impulse: In der Schwieberdinger Straße wurden in Zusammenarbeit mit der Cranko-Schule in den 1960er Jahren Unterrichtspläne für private Ballettschulen erarbeitet; im Sommer knüpften die Braigs mit ihren „Stuttgarter internationalen Tanzwochen“ Verbindungen in die ganze Welt, ihr prominentester Dozent war der spanische Flamenco-Star José de Udaeta.
Die Braigbarre bleibt
Als erste erkannte Renate Braig-Witzel die Bedeutung musikalischer Früherziehung für die kindliche Entwicklung und richtete eine rhythmisch-musikalische Bewegungsvorschule ein. Und sie hatte Anfang der 1970er Jahre die Idee zu einer rollbaren Ballettstange, die ihr Mann bis zur Serienreife entwickelte. Diese frei stehende Braigbarre, bei vielen renommierten Kompanien im Einsatz, erlaubt seither, auch die Mitte des Ballettsaals für den Unterricht zu nutzen – und bewahrt den Namen der Stuttgarter Tanzpädagogin.
Selbst als Seniorin noch täglich im Ballettstudio
Renate Braig-Witzel stand selbst im Alter von über 70 Jahren noch jeden Tag bis zu acht Stunden in den Studios ihrer Schule. „Das ist mein Leben“, sagte die Schülerin der berühmten Ausdruckstänzerin Ida Herion, von der sie gelernt hatte, dass alle Bewegung von innen kommen muss.
Ihre unermüdlichen Aktivitäten, da war sich der Ballettkritiker Horst Koegler schon sicher, werden Renate Braig-Witzel und ihrem Mann „einen Ehrenplatz in der Stuttgarter Chronik des Tanzes“ sichern.