Rennen um den Auslands-Oscar 93 Filme bewerben sich

Von dpa/red 

93 Filme und damit sechs mehr als im Vorjahr gehen ins Rennen um den Oscar für den besten internationalen Film. Gelingt dem nominierten deutschen Beitrag „Systemsprenger“ der Sprung auf die Shortlist?

Was tun, wenn ein Kind sich total verweigert? Nora Fingscheidts Film „Systemsprenger“ (mit Helena Zengel in der Hauptrolle) bietet aufwühlende Einblicke. Foto: kineo Film / Weydemann Bros. / Yunus Roy Imer/Peter Hartwig
Was tun, wenn ein Kind sich total verweigert? Nora Fingscheidts Film „Systemsprenger“ (mit Helena Zengel in der Hauptrolle) bietet aufwühlende Einblicke. Foto: kineo Film / Weydemann Bros. / Yunus Roy Imer/Peter Hartwig

Stuttgart - 93 Länder bewerben sich für 2020 um den sogenannten Auslands-Oscar. Das teilte die Oscar-Akademie am Montag im kalifornischen Beverly Hills mit. Für Deutschland geht der Film „Systemsprenger“ von Regisseurin Nora Fingscheidt ins Rennen. Unter den Kandidaten für die 92. Oscar-Verleihung im kommenden Februar sind erstmals Beiträge aus Ghana, Nigeria und Usbekistan dabei. Frankreich ist mit dem Sozialdrama „Les Misérables“ des jungen Franzosen Ladj Ly vertreten, Spanien mit „Leid und Herrlichkeit“ von Regisseur Pedro Almodóvar.

Im vorigen Jahr hatten 87 Länder Beiträge für den Oscar in der Sparte „International Feature Film“ eingereicht. Da hatte Deutschland Florian Henckel von Donnersmarck mit „Werk ohne Autor“ ins Rennen geschickt. Er schaffte es auf eine Shortlist von neun Kandidaten und in die Endrunde von fünf Filmen, ging bei der Gala dann allerdings leer aus. Mit dem Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“ hatte der Regisseur 2007 zuletzt den Auslands-Oscar nach Deutschland geholt.

Diplomfilm aus Ludwigsburg im Rennen

„Systemsprenger“ ist Nora Fingscheidts Diplomfilm an der Ludwigsburger Filmakademie und dreht sich um ein Kind außer Rand und Band, an dem sich alle Pädagogen die Zähne ausbeißen. Der Spielfilm hat bereits erfolgreich am Berlinale-Wettbewerb teilgenommen und den Silbernen Bären gewonnen. Menno Baumann, ein Spezialist für Intensivpädagogik, hat das Projekt, für das Nora Fingscheidt mehrere Jahre recherchierte, begleitet. Diese fachliche Rückversicherung, sagt die Regisseurin, sei ihr sehr wichtig gewesen, auch wenn ihr Film keinen Anspruch auf dokumentarische Wahrhaftigkeit erhebe. „Es gibt sehr viele Vereinfachungen und Auslassungen, die der fiktionalen Spielfilmdramaturgie geschuldet sind“, sagt Fingscheidt. „Trotzdem wollte ich sehr genau wissen, wann man die Linie überschreitet und wann nicht. Ich wollte nicht danach mit dem Vorwurf konfrontiert werden, das sei alles Blödsinn. Manche Dinge mögen nicht real sein, aber ich weiß exakt, welche.“

In der Filmkritik zu dem 118 Minuten langen „Systemsprenger“, die Sie hier finden, heißt es: „Das Trauma der Kleinen blitzt in Schlaglichtern auf, ihre unbändige Energie wird spürbar, wenn der Kameramann Yunus Roy Imer ihr in ihrem Rhythmus mit der Handkamera folgt. Die Kinderdarstellerin Helena Zengel ist eine Wucht, erschreckend glaubhaft zelebriert sie Bennis Stimmungsumschwünge.“

Die Oscar-Nominierungen wird die Academy am 13. Januar 2020 bekannt geben. Die Preisverleihung soll am 9. Februar in Hollywood über die Bühne gehen.