Die neue Zugverbindung soll von Calw aus zum Jahresende 2018 in die Region Stuttgart starten. Weil es wirtschaftlicher sei, soll sie dabei nicht nur bis Weil der Stadt, sondern bis Renningen fahren. Aber warum? Sechs Antworten dazu.

 
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Renningen - Mitte September werden die Vorboten für die Hermann-Hesse-Bahn auch Renningen erreichen. Dann nämlich liegen im dortigen Rathaus die genauen Pläne aus, wie die Experten im Landratsamt Calw den Bahnhof umgestalten wollen. „Jeder, dessen Belange durch das Vorhaben berührt werden, kann dann Einwände erheben“, teilt das Regierungspräsidium Stuttgart mit, das für die Genehmigung der Planungen zuständig ist. Aber was ist überhaupt genau geplant? Wir haben die wichtigsten Fragen zum Bahnhofsumbau beantwortet.

Warum soll die Hesse-Bahn bis nach Renningen fahren?

Das liegt an der „Standardisierten Bewertung“. Das ist ein festgelegtes Verfahren, mit dem alle Bahnprojekte überprüft werden, ob sie wirtschaftlich sind – und nur wirtschaftliche Projekte werden von Land und Bund bezuschusst. Bei der Hesse-Bahn hat diese Bewertung ergeben, dass sie nicht wirtschaftlich wäre, wenn sie von Calw aus nur bis Weil der Stadt fahren würde. Ein anderes Gutachten kommt allerdings zu einem gegenteiligen Ergebnis.

Warum ist die Bahn bis Renningen wirtschaftlicher?

„Das liegt an 500 Fahrgästen, die wir zusätzlich bekommen, wenn wir durchgehend bis Renningen fahren“, erklärt Michael Stierle. Er ist der Abteilungsleiter für Nahverkehr im Calwer Landratsamt. Denn in Renningen können die Fahrgäste dann nicht nur in die S-Bahn-Linie 6 nach Stuttgart, sondern auch in die S 60 nach Sindelfingen und Böblingen umsteigen. „Wenn die Hesse-Bahn nur bis Weil der Stadt fährt, müssten diese Fahrgäste zweimal umsteigen“, sagt Michael Stierle. „Das Modell geht davon aus, dass das bei einer solch kurzen Strecke nur wenige machen.“

Gibt es Kritik?

Weil der Stadt und Renningen sowie der Kreis Böblingen wollen auf keinen Fall, dass die Hesse-Bahn bis Renningen fährt. „Die Strecke ist bis Malmsheim nur eingleisig“, sagt der Renninger Bürgermeister Wolfgang Faißt. „Wenn die S-Bahn dort gestört wird, ist das komplette Stuttgarter S-Bahn-Netz betroffen.“

Was soll in Renningen entstehen?

Für die Hesse-Bahn will das Landratsamt Calw in Renningen einen eigenen Bahnsteig bauen, der im nördlichen Teil des Bahnhofs, also zwischen dem dortigen Parkplatz und dem bestehenden Bahnsteig, entstehen wird. Der neue Bahnsteig wird 55 Meter lang sein. Etwa 130 Meter wird der Fußweg messen, den Fußgänger zwischen dem S-Bahnsteig und dem des Hesse-Gleises zurücklegen müssen. „Das schafft der Standard-Fußgänger in knapp über einer Minute“, sagt Holger Schwolow vom Bahn-Projektbüro im Landratsamt Calw. Das ist allerdings umstritten. Die Gegner befürchten, dass alle Fahrgäste schon in Weil der Stadt umsteigen werden, wo der Weg viel kürzer sein wird – und dann überhaupt niemand im Hesse-Zug nach Renningen sitzen wird.

Wann wird gebaut?

Im Frühjahr 2018 sollen die Bagger anrücken, zum Jahresende 2018 soll die Hesse-Bahn dann schon in Betrieb gehen. „Die allermeisten Arbeiten finden neben den Gleisen statt“, sagt Michael Stierle, der Hesse-Bahn-Planer beim Calwer Landratsamt. Das heißt: Während der Bauzeit wird der S-Bahn-Verkehr nicht beeinträchtigt. Lediglich eine Weiche muss in dieser Zeit eingebaut werden, das passiere aber „in einem überschaubaren Zeitraum“, versichert Stierle. Zudem müssen Bauarbeiter die Masten der S-Bahn-Oberleitung umsetzen. „Das kann man aber beim laufenden Betrieb machen“, sagt der Planer Michael Stierle.

Wie sieht es aus mit dem Lärmschutz?

Von Calw bis Renningen fährt die Hesse-Bahn mit einem Dieselzug – und macht Lärm, befürchten vor allem die Anwohner der Malmsheimer Schnallenäcker und der Renninger Bürgermeister Wolfgang Faißt. „Den brauchen wir aber“, mahnt er an. Das Problem: auf der Schienenstrecke zwischen Weil der Stadt und Renningen wird nichts gebaut – daher ist auch keine Genehmigung notwendig. „Das hätte man in den 90er Jahren diskutieren müssen, als der Abschnitt bei Malmsheim zweigleisig ausgebaut wurde“, sagt Michael Stierle vom Calwer Landratsamt dazu. „Und der größte Lärm kommt ohnehin vom Güterverkehr nach Sindelfingen.“