Renningen Der Medienkoch aus dem Heckengäu

Von Peter Meuer 

Andreas Walker hat mit „Meine wilde Heimat“ sein zweites Buch geschrieben – es soll nicht sein letztes bleiben. Der umtriebige Gastronom mag Auftritte in der Öffentlichkeit. Für ihn darf Kochen anno 2013 gerne auch Eventcharakter haben.

„ Foto: factum/Bach
Foto: factum/Bach

Renningen - England hat Jamie Oliver, das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat Tim Mälzer. Und das Heckengäu? Das hat Andreas Walker. Der 32-Jährige gehört schließlich nicht nur der Vereinigung der Europäischen Spitzenköche „Euro- Toques“ an und führt mit dem Hotel Walker ein großes vier Sterne-Haus.

Nein, er tritt auch gerne öffentlich auf, gibt in seinem „Koch-Art-Studio“ schon einmal Seminare für ganze Hochzeitsgesellschaften. Walker ist ein regional verwurzeltet Mediengastronom, ein Künstler am Kochlöffel. Er ist einer, der längst gelernt hat, dass Küche heute für Viele ebenso sehr Event wie Handwerk ist. „Ich möchte Freude bereiten“, sagt er. Und: „Für mich gehört dazu manchmal auch, Entertainer zu sein.“ Er sei gerne in der Öffentlichkeit aktiv. „So weit der Betrieb es zulässt“.

Dazu passend schreibt Andreas Walker mit Leidenschaft Bücher. Gerade hat der stets gut gelaunte junge Koch sein zweites Werk veröffentlicht. „Meine wilde Heimat – Heckenbuch mit Schönbuch“ heißt es, 2500 Mal ließ Walker es drucken. Rezepte von rustikal bis peppig finden sich darin zuhauf. Sie alle eint der Wasser-läuft-im-Mund-zusammen-Faktor – und der Schwerpunkt „Wild“. Walker erklärt beispielsweise, wie „Rehkraftbrühe mit gebackenem Ei“ geht und wie man am heimischen Herd „weißes Spargelmousse mit gegrilltem Kaninchenfilet“ kocht. Er erläutert die Geheimnisse der „Wildbolognese“ und des „Wildschweinragouts mit orientalischen Gewürzen“. Der Schwerpunkt ist schnell erklärt: „Ich komme aus einer Jägerfamilie“, berichtet Andreas Walker. „Jagen hat bei uns Tradition.“ Schon früh war er im Wald unterwegs, saß auf dem Hochsitz und lernte, Futterkrippen zu bauen.

„Im kommenden Jahr will ich meine Jägerprüfung endlich machen“, berichtet Andreas Walker. Das hat er dem Kreisjägermeister Bodo Sigloch, Jagdpächter in Merklingen, längst schon versprochen. Sigloch hat übrigens für „Meine wilde Heimat“ eines der Grußworte geschrieben, übrigens neben dem grünen Landes-Agrarminister Alexander Bonde.

Auch der Fokus auf die Heimat hat Gründe. Walker hat schließlich nicht nur irgendein Kochbuch geschrieben; zwischen den Rezepten stehen kleine Texte, in denen regionale Hersteller und Marktverkäufer zu Wort kommen. Walker porträtiert etwa das „Fruchtkörble“ in Weil der Stadt oder stellt die Gemüsegärtnerei Kiemle in Bietigheim-Bissingen vor. „Meine Bücher sind ein Werbemittel für unsere schöne Region“, sagt er. „Und sie sind meine Liebeserklärung an die Heimat.“

Einfach sei das Bücherschreiben indes nicht, schließlich muss er sich noch um das Tagesgeschäft kümmern, um seine 15 Angestellten, die Gäste im Restaurant und den mehr als zwei Dutzend Zimmern. „Die Recherche kostet viel Zeit, ich muss die Lieferanten, über die ich schreibe, besuchen“, sagt Andreas Walker und lobt sein Team. „Meine Mitarbeiter halten mir den Rücken frei“, sagt er. Sonst wäre das alles schon bei seinem ersten Buch „Mein kulinarisches Heckengäu“ nicht gegangen, ergänzt er.

Indes bringe das Schreiben ihm auch neue Impulse. „So wächst etwas, es gibt keinen Stillstand.“ Er habe viele neue Ideen. Auf einen Michelin-Stern hat es Andreas Walker übrigens erst einmal nicht abgesehen, auch wenn er beim Sterne-Koch Franz Feckl gelernt hat, als dessen Restaurant noch in Höfingen angesiedelt war. „Der Aufwand ist hoch, ebenso die Kosten. Der Erfolg hingegen ist keinesfalls sicher“, sagt Walker. Er sei als Euro-Toques- und als Heckengäu-Koch sehr zufrieden.

Stattdessen konzentriert sich der umtriebige Medienkoch aus dem Heckengäu lieber weiter auf Koch-Art und aufs Bücherschreiben. Worum es genau in seinem nächsten Kochbuch gehen wird, weiß er noch nicht. Nur so viel: „Ich setze mich momentan sehr viel mit mediterraner Küche auseinander.“ Er überlegt kurz. Dann sagt er: „Ich liebe meinen Beruf einfach.“