Renningen Mauern und Kurven gegen die Fluten

  Foto: factum-Weise
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Deiche und erhöhte Straßen sollen die Stadt auch bei extremen Wetterereignissen schützen.

Renningen - Vom Hochwasser der vergangenen Tage ist Renningen verschont geblieben. Das sah aber auch schon ganz anders aus. Um für zukünftige Vorfälle besser gerüstet zu sein, hat die Stadt Renningen bereits mehrere Projekte für den Hochwasserschutz umgesetzt. Ein weiteres, speziell für die Bereiche westlich und östlich der Stadt, hat nun Stefan Arend vom Ingenieurbüro Wald und Corbe dem Gemeinderat vorgestellt. Einstimmig votierten die Politiker für die Umsetzung, die in mehreren Abschnitten erfolgt. Die Gesamtkosten liegen voraussichtlich zwischen 1,3 und 1,9 Millionen Euro, bis zu 70 Prozent könnte die Gemeinde als Fördergeld zurückbekommen.

Das Großprojekt umfasst zahlreiche Einzelmaßnahmen an unterschiedlichen Standorten, wie den Bau von Deichen und Mauern, die Anhebung verschiedener Straßen und Wege sowie Veränderungen an den Gewässern selbst. Details, wie etwa die Mauern aussehen sollen, werden später noch geklärt.

Ufermauer an der Schlossgasse ist marode

Beispielsweise werden im Bereich des Friedhofs auf der Westseite des Rankbachs Blocksätze aus Natursteinen verlegt sowie ein Erddamm von 70 Zentimetern Höhe aufgeschüttet. Kurz bevor der Rankbach mit dem Maisgraben zusammenfließt, im Bereich Mühlgasse und Schlossgasse, steht eine Erhöhung der Ufermauer auf maximal 80 Zentimeter auf dem Plan. „Allerdings ist die derzeitige Ufermauer so marode, dass sie dafür ganz ersetzt werden muss“, erklärte Stefan Arend.

Um die Abflussbedingungen an der Mündung Maisgraben zu verbessern, ist es in den Augen Arends erforderlich, die kleine Insel, auf der ein großer Baum wächst, deutlich abzusenken. Oliver Faas (Freie Wähler) bedauerte diesen Schritt, immerhin sei diese Stelle ortsbildprägend. Nur: „Wenn wir die Situation dort verbessern wollen, muss der Baum weg“, betonte Arend. Entlang der Wilhelmstraße könnte es zudem weiteren Bäumen an den Kragen gehen. Im Westen am Rankbachstadion soll unter anderem ein Damm entlang des Uferwegs entstehen und eine Stahlbetonmauer zum Schutz des Dirtparks.

Schutz vor 100-jährlichem Hochwasser

All diese Maßnahmen beziehen sich jedoch lediglich auf das Wasser aus dem Rankbach. Schwierigkeiten mit dem Kanalnetz sind darin nicht berücksichtigt – und wären auch nicht förderfähig, so Arend. Ziel dieses Projekts ist der Schutz der Häuser und Anlagen in den gefährdeten Gebieten nicht nur im Falle eines sogenannten 10- oder 20-jährlichen Hochwassers, sondern selbst bei einem 100-jährlichen. Diese Bezeichnungen beziehen sich auf das Ausmaß und die Seltenheit eines Hochwasserereignisses. Bei den derzeitigen Schutzmaßnahmen stehen im Falle eines 100-jährlichen, also eines sehr seltenen, aber schweren Hochwassers, der komplette Bereich zwischen Rankbach und Maisgraben unter Wasser. Betroffen sind dann außerdem Bereiche des Meisenwegs und sogar Teile zwischen der Bahnhofstraße und der Leonberger Straße. Im Westen, im Bereich des Sportgeländes, entstehen bei geringem Hochwasser kaum Pro­bleme. Tritt der Bach jedoch immer weiter über die Ufer, ist nördlich des Rankbachs Land ebenfalls unter, und das Stadion wird zur Schwimmhalle.

Diese Probleme sollen nach dem Abschluss des Großprojekts der Vergangenheit angehören. Zwar könnte es durchaus noch schlimmere Situationen geben, als sie unter dem 100-jährlichen Hochwasser zusammengefasst sind. Um diese zu verhindern, wären im Falle Renningens aber noch einmal weit mehr Schutzmaßnahmen erforderlich, die starken Einfluss auf das Ortsbild nehmen und ebenso Privatgrund betreffen würden. Das wäre kaum realisierbar, befand Arend.

Von Dämmen und Becken

Zu den Möglichkeiten, sich vor Hochwasser zu schützen, gehören Rückhaltebecken, in denen sich große Wassermassen sammeln können, um nicht bis in die Orte zu gelangen. Auch für Renningen stand eines zur Diskussion, die Stadt entschied sich jedoch aus Kostengründen dagegen. Jetzt sollen es Dämme und Mauern an geeigneten Stellen richten.

Ein weiterer Ansatz ist die Renaturierung. Oft wurden Fluss- und Bachläufe in der Vergangenheit begradigt. Das Ergebnis: das Wasser fließt schneller, zugleich steigt der Spiegel bei Unwettern schneller an. Bei Renaturierungsprojekten erhalten die Gewässer wieder mehr Kurven. In Malmsheim erfolgte ein solches Projekt vor Kurzem zwischen der Calwer Straße und dem Auenweg. kle




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