Renningen Was wächst denn da – und warum eigentlich?

Von Kathrin Klette 

Die jüngste Felderrundfahrt des ADFC-Ortsvereins führt entlang der zahlreichen Äcker rund um die Rankbachstadt. Agraringenieur Christian Zimmermann gibt den Teilnehmern einen Einblick in die Welt der Landwirtschaft.

Christian Zimmermann (links) gewährt den Radlern einen ganz neuen Blick auf die Felder um sie herum. Foto: factum/Bach
Christian Zimmermann (links) gewährt den Radlern einen ganz neuen Blick auf die Felder um sie herum. Foto: factum/Bach

Renningen - Dass auf den Feldern rund um Renningen mehr wächst als Weizen und Gerste, das hat der Agraringenieur Christian Zimmermann bei einer Felderrundfahrt des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Renningen eindrücklich demonstriert. Gemeinsam ging es über bekannte und abgelegene Wege entlang der Äcker rund um den Ort, auf denen Erbsen, Mais, Zuckerrüben und vieles mehr emporsprießen. Dazu gab der Landwirt, der das Hoflädle Zimmermann in Renningen betreibt, einen Einblick in die allgemeine Situation der Landwirtschaft – von den Auswirkungen der Neubaugebiete bis hin zu den Unterschieden im Anbau und dem Einsatz von Pestiziden verschiedener Betriebe.

Die Zusammenarbeit zwischen ADFC und Zimmermann hatte sich vor einiger Zeit ergeben, da der Landwirt selbst gerne radelt und in Gesprächen mit den Mitgliedern die Idee aufkam, ob man nicht mal eine fachkundig geführte Radtour unter dem Motto Landwirtschaft anbieten sollte. „Damit wollten wir im Speziellen auch Familien mit Kindern erreichen, um ihnen zu zeigen, was um sie herum alles wächst, wer es anbaut, wo und wie es später verkauft oder verwendet wird.“

Wenig Hafer, viel Weizen

Was auf den Feldern angebaut wird, hängt von mehreren Faktoren ab, erklärte Zimmermann. Zum einen wäre da die bekannte Fruchtfolge. Wird auf einem Acker öfter hintereinander dasselbe angebaut, also bei Monokulturen, gehen die Nährstoffe im Boden verloren, Wechsel im Anbau erhalten die Fruchtbarkeit. „Wir haben zum Beispiel sechsgliedrige Fruchtfolgen, andere haben auch mal drei oder vier“, erklärte Zimmermann.

Ein anderer Faktor sei selbstverständlich die Nachfrage. „Wir finden zum Beispiel recht wenig Hafer im Umkreis“, demonstrierte Zimmermann mit Blick auf die umliegenden Felder. Denn dieser findet hauptsächlich in der Pferdehaltung Verwendung, bei Produkten für den Menschen steht er hinter Weizen und Gerste weit hinten an. Beide finden sich rund um Renningen dagegen viel häufiger und – im Vergleich zu früher – auch immer mehr Mais. Das hänge unter anderem mit der gestiegenen Zahl an Biogasanlagen zusammen, in denen vor allem Mais verwendet wird, so Zimmermann. Auch die Standortbedingungen können entscheidend sein.

Neubaugebiete nicht unproblematisch

Was viele nicht wissen, erklärte Zimmermann: Seit einiger Zeit gibt es die Vorgabe für alle Landwirte, immer einen gewissen Anteil ihrer Ackerflächen als sogenannte Greeningflächen zu bewirtschaften, also Klee oder Zwischenfrüchte wie Erbsen anzubauen. Das soll vor allem dem Boden zugute kommen, indem die Vielfalt auf den Feldern erhöht wird, und dem Grundwasser, da beim Anbau von Klee und Co. weniger Chemikalien zum Einsatz kommen.

Angekommen am Neubaugebiet Schnallenäcker II, warf Christian Zimmermann einen kritischen Blick auf die fortschreitende Versiegelung wertvoller Ackerflächen. Denn für die geplanten Gebiete Schnallenäcker III und IV müssten weitere Felder unter Beton begraben werden. „Es gibt in den Ortschaften noch viele freie Flächen und leere Bestandsgebäude“, mahnte er. „Man muss nicht immer gleich die Äcker zubauen.“ Entwicklung muss sein, gestand er vorbehaltlos zu. Auch die Landwirte könnten von mehr Einwohnern profitieren. Doch vielleicht sollte man auch einmal einen Gang zurückschalten und die Balance halten zwischen Entwicklung und Nachhaltigkeit. Zimmermann: „Die letzte Fruchtfolge heißt Beton, danach ist es vorbei.“




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