Rennwochenende beim Modellbauclub Leonberg Die kleinen Flitzer sind Familiensache

Familiensache: Nils Sprenger tüftelt im Fahrerlager an seinem Auto. Foto: Marius Venturini

Beim Rennwochenende des Leonberger Modellbauclubs in der Georgii-Halle zeigt sich: Bei vielen kommt die Leidenschaft nicht von ungefähr. Und für fast alle ist sie weit mehr als nur ein Hobby.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Die Geschwindigkeit ist atemberaubend. Mit vollem Karacho rasen die Buggies im Maßstab 1:10 die Gerade entlang – und auch in den Kehren geht es nicht viel langsamer zu. Steilwandkurve, zwei spektakuläre Sprünge, ein weiteres Hindernis. . . die Streckenbauer des Leonberger Modellbauclubs (LMC) haben in der Georgii-Halle ganze Arbeit geleistet. 240 Meter lang ist der Parcours, auf dem die Teilnehmer am Rennwochenende mit ihren Flitzern an den Start gehen. Aus ganz Süddeutschland sind die 85 Piloten aus allen Altersschichten angereist, außerdem aus dem benachbarten Ausland.

 

Mit Präzisionswerkzeug und prüfenden Blicken

Ein Großteil des Fahrerlagers befindet sich in der kleineren Halle auf der anderen Seite des Foyers. Dort wird am Set-up der Elektro-Rennautos getüftelt, mit Präzisionswerkzeug und vielen prüfenden Blicken. Ist die Spur richtig eingestellt? Ist die Federung zu hart oder zu weich? Passt der Sturz der Räder? Auch in der großen Halle stehen Tische, an denen die Teilnehmenden über ihren Boliden brüten.

Hier ist auch ein Familiengespann zugange: Vater Rene Sprenger mit seinem 14-jährigen Sohn Nils. „Heute läuft es ziemlich gut“, sagt Sprenger senior am Nachmittag des ersten Renntags, „vielleicht der Heimvorteil.“ Der 46-Jährige ist Vizevorsitzender des LMC, seine Leidenschaft für Modell-Rennautos währt seit 40 Jahren. Als Kind habe er seinem Vater ab und zu beim Basteln an dessen Modelleisenbahn zugeschaut. „Und irgendwann haben wir uns zusammen ein paar Modellboote in Aktion angeschaut – so bin ich auch zu einem gekommen.“ Die Autorennen seien aber viel actionreicher.

Nils Sprenger hat die Leidenschaft fürs Rennenfahren von seinem Vater

Und der Filius? Der hat das Faible natürlich von seinem Vater – wie übrigens auch seine Schwester Svenja, die an diesem Tag jedoch verhindert ist. An einem Tisch hinter dem Podest der Rennleitung brütet er über den Einstellungen an seinem Renner mit der orange-blau-pinken Kunststoffkarosserie. Noch läuft es nicht optimal. „Wenn man mal gar nicht weiter weiß, kann man sich im Fahrerlager von den anderen immer Tipps holen“, weiß Nils Sprenger. In der Modell-Rennszene gehört eben jeder zur Familie.

Das betont auch Otto Thalheimer. Der LMC-Vorsitzende kennt sich zudem mit den verschiedenen Startklassen aus, mit der Technik und den komplizierten Hersteller-Regularien. Ein Laie käme zum Beispiel nicht auf die Idee, dass es einen bestimmten Hersteller eines Motorreglers gibt – der bei Rennen in bestimmten Klassen in allen Fahrzeugen verbaut sein muss. „Das ist Vorschrift“, so Thalheimer. Oder auf die Tatsache, dass es auch im Modell-Rennsport Werksteams und -fahrer gibt, die damit ihren Lebensunterhalt bestreiten. Und siehe da: Auch bei den Thalheimers ist das Rennenfahren Familiensache. Sohn Mirco weilt an diesem Wochenende etwa bei einem großen Rennen in Wien – was einige der Anwesenden auch per Live-Stream am Tablet verfolgen. Thalheimer junior, immerhin auch schon 50 Jahre alt, betreibt den Sport halbprofessionell.

Thalheimer: „Es ist viel mehr als nur ein Hobby“

Vater Thalheimer spricht ganz bewusst von „Sport“. Und er fügt hinzu: „Wenn man sich anschaut, was hier dahintersteckt, ist es weit mehr als nur ein Hobby.“ Wahrscheinlich hat er damit recht: Es ist erstaunlich, mit welcher Präzision die Piloten – in der Halle ist nur eine Handvoll Frauen – ihre Buggies über die Strecke rasen lassen. Dabei gibt es erst in den Finalläufen einen sogenannten Massenstart. In den Vorläufen fährt jeder für sich, so schnell und so weit er kann. Die Daten werden von einem Transponder am Auto aufgenommen und im Anschluss zusammengerechnet, so wird am Ende eine Platzierung generiert. Die ist auch maßgeblich für die Einteilung in die einzelnen Klassements.

Ab und zu kommt es bei allem Können aber auch zu spektakulären Crashs. Da fliegt dann schon mal das ein oder andere Auto in hohem Bogen durch die Luft – und bleibt auf dem Dach liegen. Dann kommen die Streckenposten ins Spiel. Sie sprinten zu den verunfallten Boliden und werfen sie wieder auf die Räder, damit es so schnell wie möglich weitergehen kann. Die Helfer sind stets die Piloten aus dem Lauf, der jeweils zuvor über die Bühne gegangen ist. „Das System klappt wunderbar“, sagt Otto Thalheimer.

Der Club klagt über mangelnden Nachwuchs

Sichtbar kaputt geht bei einer Kollision eher selten etwas. Das wäre auch fatal, kostet so ein hochgezüchteter, ferngesteuerter Profi-Renner doch zwischen 1000 und 1200 Euro. Etwa doppelt so teuer sind die Boliden der Werksfahrer. „Ein Baukasten für die Einsteigerklasse kostet etwa 250 bis 300 Euro“, sagt Thalheimer, der gleichzeitig über mangelnden Nachwuchs in seinem Verein klagt. „Es ist natürlich auch schwierig, weil wir keine eigene Strecke haben.“ Egal ob draußen oder in einer Halle, eine solche wäre ein fast unschlagbares Argument für Neueinsteiger.

Zurück auf die Strecke. Dort verschätzen sich gleich zwei Piloten hintereinander an der Steilwandkurve und fliegen ab. Einsatz für die Helfer. Falls doch etwas verbogen sein sollte, wird es dann im Fahrerlager wieder gerichtet – mit Präzision.

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