Repair-Café in Aichwald Kaputt muss nicht kaputt bleiben

Dieter Koch (rechts) kümmert sich um das defekte Wandradio von Peter Münch. Das Gerät wirft die CD nicht mehr aus. Foto: Katja EisenhardtKarl-Heinz Mellert auf Fehlersuche bei einem defekten Telefon. Foto: Eisenhardt

Der Aichwalder Seniorenrat hat ein Repair-Café ins Leben gerufen. Im Jugendhaus Domino richten versierte Ehrenamtliche zu festen Terminen ­schad­hafte Gegenstände – vom Kleidungsstück bis zum Elektrogerät.

Aichwald - Eberhard Bück hat ein Problem mit seinem alten grünen Telefon. Über 20 Jahre hat das Gerät dem Senior gute Dienste geleistet, jetzt will es nicht mehr richtig: „Wenn ich einen Anruf bekomme und abhebe, ist die Leitung oft tot“, beschreibt er das Problem. Den Apparat mit Wähltasten, der lange Zeit in vielen Haushalten zu finden war, bevor die modernen Nachfolger Einzug hielten, möchte der Aichwalder gerne weiter nutzen. „Wissen Sie, ich habe drei lahme Finger. Bei den neuen Geräten täte ich mich einfach schwer mit dem Halten des Hörers und den kleinen Tasten“, sagt Bück. Er hofft auf das Geschick des Repair-Café-Teams.

 

Ein Haushaltsgummi ersetzt den Antriebsriemen

Ein Erfolgserlebnis kann ein paar Räume weiter bereits Peter Münch verbuchen, der sein Wandradio mit CD-Spieler zur Reparatur gebracht hat. Der Mechanismus des CD-Fachs streikt, es fährt nicht mehr wie üblich auf Knopfdruck nach oben. „Vielleicht war mein Enkel dran und hat es per Hand hochgeschoben“, so die Vermutung. Die Hänsel-und-Gretel-CD des Jungen hat der Opa zum Testen dabei. Dieter Koch vom Repair-Café nimmt das Gerät gemeinsam mit dessen Besitzer unter die Lupe. Die Fehlersuche verläuft erfolgreich: Ein gebrochenes Kabel wird gelötet, der gerissene kleine Antriebsriemen durch ein Haushaltsgummi ersetzt – die zündende Idee eines weiteren ehrenamtlichen Reparateurs. Das CD-Fach läuft wieder problemlos und Peter Münch strahlt. Dass es jetzt ein solches Angebot in Aichwald gibt, findet der Krummhardter klasse: „Da habe ich schon lange drauf gewartet. Ich hätte noch mehr Sachen zum Reparieren zuhause“, ergänzt er und lacht. Am Nebentisch kümmert sich Elektroniker Peter Schulz um die defekte elektrische Heckenschere von Herbert Pfleiderer. „Vor zwei Wochen hat sie angefangen, in manchen Stellungen nicht mehr zu schneiden. Ich habe selbst versucht, sie zu reparieren, ging nicht. Vielleicht klappt es ja hier“, so die Hoffnung. Schließlich gebe es im Garten gerade genug zu tun.

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Neben der ganzen Elektronik und Mechanik können Helga Schlumberger und Silke Klopp bei textilen Problemen Abhilfe schaffen. Während Schlumberger ausgebildete Schneiderin ist, ist Klopp hauswirtschaftliche Betriebsleiterin und Hobby-Schneiderin. Die beiden Damen sind sowohl fachlich als auch was die bereitliegenden Materialien angeht, bestens vorbereitet. „Wir sind gespannt, was kommt. Textil ist ein weites Feld“, sagt Silke Klopp, die altersmäßig zwar noch nicht zum Seniorenrat gehört, sich aber gern ehrenamtlich in ihrem Heimatort engagieren wollte. Im Freien hat Mechaniker Michael Gramann derweil das Rad von Otto Dittrich, ebenfalls Mitglied des Repair-Cafés, wieder zum Laufen gebracht. Die Pedale des E-Bikes hatten sich nicht mehr gedreht. Also fix die Schutzkappen entfernt und geölt. Jetzt kann der Urlaub samt Rad kommen. „Die neuen Räder sind teils so komplex, dass man sie nicht mehr selbst richten kann. Ich vermute aber, dass künftig eher ältere gebracht werden. Das kann dann zum Beispiel ein wackeliger Sattel sein, eine Kette, die gespannt, Bremsen, die eingestellt oder Bremsbacken, die gewechselt werden müssen“, so Gramann.

Seniorenrat und Jugendhaus arbeiten zusammen

Solche kleinen Reparaturen können im Repair-Café behoben werden, damit die mitgebrachten Gegenstände auch weiterhin ihre Dienste tun. Wichtig ist, dass nur tragbare Dinge gebracht werden. Die meisten sind bei diesem ersten Aichwalder Repair-Café im Jugendhaus Domino elektronischer Natur. Organisiert und durchgeführt wird das Angebot von einer Gruppe Ehrenamtlicher des örtlichen Seniorenrats. Die Räumlichkeiten samt Verpflegung stellt das Jugendhausteam zur Verfügung. Eigentlich sollte schon im letzten Jahr gestartet werden, Corona hat das Vorhaben bis jetzt verzögert. Ein wichtiges Anliegen des Reparaturteams ist die Vermeidung von zu viel Müll und Elektroschrott. „Manche, die etwas bringen, hängen einfach auch an ihren Sachen“, beobachtet Mit-Initiator Karl-Heinz Mellert, „zum Beispiel, wenn es ein Erbstück der Großeltern ist.“ Da gehe es dann nicht mehr um einen materiellen, sondern um einen ideellen Wert. Nachdem der Seniorenrat das Repair-Café angekündigt habe, sei bei ihm das Telefon nicht mehr still gestanden, berichtet Mellert: „Die Nachfrage ist groß. Einige haben sich vorab schon erkundigt, ob wir ihre Sachen reparieren können.“

Was wird repariert?
Tragbare elektrische und mechanische Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik, Textilien, Spielzeug (Holz, mechanisch, elektrisch), Kleinmöbel, Fahrräder. Keine Handys/Smartphones oder PCs.

Neue Termine
16. Oktober, 11. Dezember, 12. Februar 2022 jeweils von 14 bis 17 Uhr im Jugendhaus Domino, Krummhardter Straße 74. Danach weiterhin jeden zweiten Samstag in den „geraden“ Monaten April, Juni, August, Oktober, Dezember.

Kontakt
Email: repaircafe-Aichwald@web.de oder über den Seniorenrat Aichwald: Tel.: 0711/160 324 59, Email: seniorenrat-aichwald@web.de, www.aichwald.de/seniorenrat

Repair-Cafés international
Repair-Cafés sind ehrenamtliche Treffen, bei denen die Teilnehmer alleine oder gemeinsam mit anderen ihre kaputten Dinge reparieren. An den Orten, an denen das Repair-Café stattfindet, ist Werkzeug und Material für alle möglichen Reparaturen vorhanden. Ein zentrales Ziel ist es, zuviel Müll und Elektroschrott zu vermeiden. Repair-Café ist eine Initiative von Martine Postma. Seit 2007 setzt sie sich auf verschiedene Arten für Nachhaltigkeit auf lokaler Ebene ein. Das erste Repair-Café organisierte Martine Postma am 18. Oktober 2009 in Amsterdam. www.repaircafe.org

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