Restaurant-Kritik: Fais Dodo in Stuttgart Wo Limonade draufsteht, ist nicht nur Limonade drin

Die gute Seele des Lokals: Geschäftsführerin Janina Messerle Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Die gute Seele des Lokals: Geschäftsführerin Janina Messerle Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Das Fais Dodo am Rotebühlplatz will Kneipe sein, aber vielleicht auch ein bisschen mehr. Wie das gelingt, verrät unsere Restaurant-Kritik.

Lokales: Tom Hörner (hör)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - Wenn ein Lokal sich Fais Dodo (sprich Fä Dodo) nennt, braucht man sich nicht zu wundern, wenn der Gast fragt: „Fä hä?“ Damit er mit der Frage nicht das Personal belästigt, wird die Antwort gleich auf der ersten Seite der Speisekarte gegeben. Der Begriff kommt aus der französischen Umgangssprache und bedeutet so viel wie „Mach ein Schläfchen!“. In der Kultur der Cajun (sprich Keitschn), der französischsprachigen Bevölkerungsgruppe im US-Bundesstaat Louisiana, ist Fais Dodo eine Party für Erwachsene, die dann steigt, wenn die Kinder im Nebenzimmer schlafen.

Jetzt leitet die Projektmanagerin ein Lokal

Schlafende Kinder im Nebenzimmer haben wir keine entdeckt – wäre auch unpassend, da dort geraucht werden kann –, aber dafür Janina Messerle, die Wirtin und gute Seele des Lokals. Eigentlich ist die ­junge Frau gelernte Projektmanagerin im Verlagswesen, aber da sie nebenbei immer in Lokalen gejobbt hat, fühlt sie sich seit vergangenen Mai berufen, das Fais Dodo am Rotebühlplatz zu managen. Für die Älteren unter uns: Früher war hier die linke Studentenkneipe Locanda untergebracht, danach drei Jahre das griechische Lokal ­Petrosilius.

In erster Linie, sagt Janina Messerle, soll das Fais Dodo Kneipe sein. Aber weil der Gast von Flüssigem allein nicht leben kann, gibt es auch eine Speisekarte – das heißt, genau genommen sind es zwei: Eine sehr übersichtliche mit drei Hauptgerichten (Jambalaya, Falafel mit Humus, Roastbeef mit Bratkartoffeln plus verschiedenen Sandwiches) liegt auf den Holztischen aus; die Angebote der Woche stehen auf einer großen Schiefertafel rechts der Bar.

Die Wirtin vertritt keine schlechte Lokalpolitik

Apropos Bar: Der schwere Holztresen des Locanda wurde schon von den Vorgängern durch eine schlankeres, schickeres Möbel ersetzt – das ist im Grunde die größte Veränderung seit den Urzeiten des Lokals. Die hinter dem Tresen aufgereihten Flaschen sind ein zarter Hinweis darauf, dass es im Fais Dodo nicht nur Gerstensaft und Softdrinks gibt: Nicht überall, wo Limonade draufsteht, ist auch ausschließlich Limonade drin. Beim Getränkeangebot (Drinks zu passablen Preisen) hat sich die Wirtin am eigenen Geschmack orientiert – vielleicht keine schlechte ­Lokalpolitik: „Ich trinke gern Cocktails“, sagt Janina Messerle, „aber ich würde in keine Cocktailbar ­gehen“.

Auch Musikfreunde kommen auf ihre Kosten

Doch nun zu dem, was satt macht: Das Jambalaya, ein kreolisches Reisgericht mit Hühnchen, Shrimps, Chorizowürsten und Gemüse, ist mit 8,50 Euro nicht überteuert, hätte aber für unseren Geschmack etwas mehr Würze vertragen. Sehr gut die Lammhaxe mediterran mit Couscous (14,50 Euro), auch wenn nicht ganz klar ist, was den Mittelmeereinfluss ausmacht. Das Fleisch ist sehr zart, das Gericht erinnert mit seiner sämigen Soße jedoch eher an Hausmannskost aus den Südstaaten.

Im Fais Dodo wird nicht nur aufs leibliche Wohl geachtet, auch Musikfreunde kommen auf ihre Kosten: Am Wochenende werfen DJs die Plattenteller an – angeblich so dezent, dass Kinder im Nebenzimmer weiterschlummern würden.

Die Bewertung

Küche: 3,5 von 5 Sternen

Service: 4 Sterne

Ambiente: 3 Sterne

Weitere Informationen stehen auf Facebook.




Unsere Empfehlung für Sie