Restaurant-Test: Sushi One in S-Mitte Ein Herz für japanische Kultur

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In der City gibt es seit Oktober ein neues japanisches Lokal. Es ist nicht in Eins-a-Lage, aber einen Besuch wert, auch wenn die Speisekarte noch ein wenig unüberichtlich ist.

Bien Bui Trong mag das Einfache und Klare an der japanischen Küche. Foto: Lg/Piechowski
Bien Bui Trong mag das Einfache und Klare an der japanischen Küche. Foto: Lg/Piechowski

Stuttgart - Kann das gut gehen? Zwei vietnamesische Brüder, die ihr Handwerk im kurpfälzischen Mannheim erlernt haben, machen sich selbstständig und eröffnen ein Sushi-Lokal in Stuttgart – und zwar im ersten  Stock eines sehr nüchternen Gebäudes in City-Randlage. In der Nachbarschaft ein Handels- und Gastro-Sammelsurium, darunter das Gerber, eine Bäckerei, ein Beate-Uhse-Shop („Wir halten durch“), ein Mister Minit und Blumen Gezer. Zwischen Beef Burger Brothers und Sophie’s Brauhaus geht’s über eine Treppe (oder per Aufzug) hinauf – und oben erlebt der Gast die erste Überraschung: Plötzlich hat alles seine Ordnung. Viel Weiß, eine große Fensterfront, akkurat arrangiertes Mobiliar – und an den Wänden hängen im Großformat Momentaufnahmen aus japanischen Zeichentrickfilmen. „Das Ghibli-Studio macht wunderbare Filme, der Style ist so lebensfroh und bunt“, schwärmt der 38-jährige Trong Duy Bui.

Studium abgebrochen, um Sushi zu machen

Er und sein älterer Bruder Bien Bui Trong haben eher zufällig ihr Herz für die (Ess-)Kultur der Japaner und die Gastronomie entdeckt. „Mein Vater war nicht gerade begeistert, als ich mein Informatik-Studium in Stuttgart abgebrochen habe“, berichtet Trong Duy Bui lachend. Aber er möchte lieber als Sushi-Koch in einer offenen Küche hantieren, als den ganzen Tag vor dem Rechner sitzen. Und das geht gut, wie man schon gleich bei der ersten Kostprobe merkt: An den Klassikern Lachs-Nigiri (6 Euro/2 Stück) und Thunfisch-Nigiri (7,50 Euro/2 Stück) gibt’s nichts zu mäkeln, alles wird frisch zubereitet, die Temperatur ist perfekt, die Qualität des Fisches überdurchschnittlich. Mehr davon! Zum Beispiel von der Grillplatte. Die Thunfischscheiben (26 Euro) zergehen auf der Zunge, ebenso die Jakobsmuscheln (28 Euro). Sehr elegant ist das alles, optisch und sensorisch. Wer alle Teppanyaki-Gerichte auf einmal kosten möchte, für den stellen die Köche auf Nachfrage einen „gemischten Teller“ (28 Euro) zusammen.

Am Fisch wird bei keinem Gericht gespart, wie diverse Kostproben ergeben. Leicht scharf schmeckt die Ebiten Special Roll (10 Euro/6 Stück) – und die cremige Avocado bildet einen schönen Kontrast zu frittierter Garnele, Fischrogen und Lauch. Pfiff hat Hotate Tataki, gegrillte Jakobsmuschel mit Lauch (7,50 Euro/2 Stück). Nichts für Puristen ist die Power Roll – gegrillter Thunfisch, Cream Cheese, Avocado, Lauch, Lachsmantel und Knoblauchsoße (12,50 Euro/6 Stück), deren Aromen aber gut aufeinander abgestimmt sind. Da bleibt nur ein Wunsch offen: dass die Speisekarte übersichtlicher werden möge. Maki, Nigiri & Co. sind teils nach Preisen sortiert, was die Wahl erschwert. Das Problem scheint erkannt: Laut Trong Duy Bui bestellen viele Gäste eine Sushi-Platte statt einzelner Gerichte – dann müssen sie nicht so viel nachdenken.

Sushi One,
Marienstraße 28 (Eingang an der Sophienstraße), S-Mitte, www.sushione.info. Geöffnet Mo bis Fr 11.30 bis 15 Uhr und 17 bis 22 Uhr, Sa 12 bis 22 Uhr. Mittagsmenüs (mit Misosuppe) kosten 8,50 bis 17 Euro.

Die Bewertung:

Küche vier von fünf Sternen

Service dreieinhalb Sterne

Ambiente drei Sterne

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