Restaurant-Test: Weinwirtschaft Franz Keller in S-Mitte Zum Weißburgunder eine Bouillabaisse

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Nur für den Feierabendschluck viel zu schade: In der Weinwirtschaft Franz Keller im Hotel am Schlossgarten können die Gäste nicht nur badische Weine kosten, sondern auch richtig gut essen.

Restaurantleiter Taeke Halbersma kann eine große Weinauswahl offerieren Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Restaurantleiter Taeke Halbersma kann eine große Weinauswahl offerieren Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Thomas H. Althoff und Fritz Keller sind alte Freunde. Da lag es nahe, dass der Tophotelier und der Starwinzer beruflich gemeinsame Sache machen. Im Juli hat wie berichtet die Weinwirtschaft Franz Keller (nach dem Weingut benannt) in der ehemaligen Vinothek des Hotels am Schlossgarten eröffnet. Und wie ist es, wenn sich zwei Profis zusammentun? Ziemlich erstklassig. Wenn da die Lage des Restaurants nicht wäre, hinten in der schmuddeligen Passage, wo am trüben Samstagabend kein sehr illustres Publikum nicht gerade fein miteinander umgeht. Um es höflich zu umschreiben.

Drinnen ist die Holzvertäfelung geblieben, Wände und Boden sind ebenso neu wie Tische und Stühle. Das Licht ist angenehm, die Materialien vom Feinsten, das Ambiente wie im edel-lässigen Landgasthof. Leider haben wenige Gäste den Weg hierher gefunden. Umso mehr Zeit für uns haben die beiden Servicekräfte, die mit jugendlichem Charme das nicht ganz so fundierte Weinwissen wettmachen. Am 1. November soll ein Sommelier anfangen.

Weine aus Baden und dem Remstal

Bei Querverkostungen, etwa Weißburgunder aus verschiedenen Lagen und Jahrgängen von 2002 an, sollte die Gruppe groß sein, die Schätze gibt es nur flaschenweise. Oder man nimmt sie für knapp die Hälfte des Restaurantpreises mit nach Hause. Aber auch die offenen Weine machen Spaß, beginnend beim rassigen Pinot-Sekt 2014 über den spritzigen Weißburgunder 2015 Oberbergener Pulverbruch und den schmelzigen Grauburgunder 2016 Oberbergener Bassgeige. Sie alle sind von Keller und kosten stolze fünf bis sieben Euro das Zehntel. Neben Baden liegt der Schwerpunkt auf dem Remstal, vertreten sind auch junge Wengerter wie Idler und Gold.

Zum Wein passt hervorragend die Bistroküche von Nico Lilla und seinem Team, das einen Stock weiter oben kocht. Auf Schwaben warten Maultaschen und Rostbraten, Exil-Badener dürften sich über Flammkuchen und Rauchschinken vom Metzger Dirr freuen. Wir begeistern uns für die Bouillabaisse trotz der übersichtlichen Einlage mit Lachs, Garnele und Miesmuscheln: Der kräftige Sud und die Sauce Rouille verschmelzen aufs Feinste (18 Euro). Das handgeschnittene Rindertatar wird mit Eigelb, Kapern, Junglauch und Chili serviert (15 Euro). Der sous-vide gegarte Schweinebauch vom Schwäbisch-Hällischen Schwein ist wie ein Türmchen angerichtet und zart, mit Burgundersoße, Steinpilzen und Sellerie-Nuss-Püree ergibt er das perfekte Herbstgericht. Das mürbe Kalbslebergeschnetzelte badet in aromatischer Balsamico-Jus – gut, dass es Kartoffel-Sahne-Püree zum Auftunken gibt (je 21 Euro).

Statt der Käseplatte vom Elsässer Affinateur Maître Antony gönnen wir uns noch einen Rosé Althoff Edition Villa Belrose aus Saint-Tropez. Auf die Freundschaft!

Die Bewertung:

Küche: 4 von fünf Sternen

Service: 3,5 Sterne

Ambiente: 3,5 Sterne

Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-Leistungs- Verhältnis und gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.

Weinwirtschaft Franz Keller,
im Hotel am Schlossgarten, Schillerstr. 23, 70173 Stuttgart, Telefon 07 11 / 2 02 60, www.hotelschlossgarten.com. Täglich geöffnet von 12 bis 23 Uhr

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