Retro Classics in Stuttgart Interesse an Oldtimern stärker als Angst vor Coronavirus

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Die Oldtimermesse Retro Classics ist bis Sonntag in der Messe Stuttgart zu sehen. Knapp die Hälfte der italienischen Aussteller haben ihre Teilnahme abgesagt. Die Besucher zeigen sich am ersten Tag entspannt.

Paradies für Autoliebhaber – die Retro Classics in Stuttgart Foto: Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttg 5 Bilder
Paradies für Autoliebhaber – die Retro Classics in Stuttgart Foto: Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttg

Stuttgart - Fast die Hälfte der italienischen Aussteller, 30 von insgesamt 66, haben bei der Retro Classics kurzfristig abgesagt. Damit sind die Auswirkungen des Corona-Virus auf die Oldtimermesse, die am Donnerstag eröffnet wurde und noch bis Sonntag dauert, größer als noch am Mittwoch angenommen. Davon ist vor allem die so genannte Italien-Halle 7 betroffen. Freie Flächen gibt es dennoch keine, da für die Verkaufsbörse eine Warteliste besteht und es hier Nachrücker gab.

Für die Besucher der Autoschau ist das Virus dennoch ein Thema. Schon am Morgen bei der Anfahrt in der S-Bahn war zu hören, dass manche die Halle 7 meiden wollten. Auch am italienischen Imbiss-Stand im Foyer beruhigte die Verkäuferin vorsorglich die Kunden: „Keine Angst, ich bin schon seit zwei Monaten hier, es ist eine Messe nach der anderen.“ Bis Mittwoch sei er noch gelassen gewesen, meinte ein Oldtimerfan aus Waldenbuch. Die ersten Fälle im näheren Umkreis und die Warnung vor dem Besuch von Messen im Intranet seines Arbeitgebers hätten ihn zwar verunsichert – aber das Interesse an den automobilen Schätzen sei größer.

Etwas weniger Besucher als im Vorjahr

Beim Rundgang durch die Hallen waren zum Auftakt etwas weniger Besucher unterwegs als in den Vorjahren. Zwei Herren aus Schwäbisch Gmünd hatten sich dieses Jahr bewusst für den Eröffnungstag entschieden. „Dann ist das noch keine Massenveranstaltung“, sagte einer von ihnen. Den Fasching habe er dieses Jahr gemieden, aber bei der Retro Classics habe er keine Bedenken gehabt. „Man muss halt ein bisschen Abstand halten.“

Atemmasken sah man in den Hallen keine. „Ich habe heute Morgen auf dem Flughafen gefragt, aber da waren sie ausverkauft“, berichtete ein Besucher aus der Schweiz. Aufgezogen hätte er die Maske ohnehin nicht, er habe nur „interessehalber“ gefragt. „Man kann sich auch woanders anstecken“, ergänzte seine Begleiterin. So sahen das offensichtlich viele - bei der Vorstellung der neuen Recaro-Sitzes für jüngere Oldtimer mit dem Rallye-Weltmeister Walter Röhrl jedenfalls standen die Menschen dicht gedrängt am Stand.

Hinweistafel informieren die Besucher

Zur Beruhigung der Besucher sollten im Lauf des Nachmittags Hinweistafeln in den Foyers und an den Kassen aufgestellt werden. Darauf wird gebeten, dass sich italienische Gäste bei der Messe melden mögen. Außerdem sollten Fragebögen ausliegen, um die Herkunft und die Aufenthaltsorte in den vergangenen 14 Tage zu ermitteln – so wie bei den Ausstellern. Diese haben laut dem Messe-Sprecher Axel Recht alle ihre Bögen ausgefüllt; Risikogebiete habe man bei der Durchsicht nicht ermitteln können. Die Unterlagen seien zur weiteren Prüfung beim Ordnungsamt der Stadt Leinfelden-Echterdingen.

Preisspanne für Oldtimer bis 200 000 Euro

Die Retro Classics gilt als wichtiger Treffpunkt des Oldtimerbranche. Im Schnitt blieben die Besucher fünf Stunden auf der Messe, so der Veranstalter Andreas Herrmann von der Retro Messen GmbH. Bei der Ausstellungsfläche , rund 140 000 Quadratmeter, liege man „unangefochten“ vor den Mitbewerbern am Markt in Essen, Padua und Paris. Vor 20 Jahren war die erste Ausgabe, damals auf dem Killesberg, ein Treffen von Freunden seines Vaters Karl Ulrich Herrmann und Oldtimerverrückten. Inzwischen ist sie zu einem wichtigen Handelsplatz geworden; rund 1800 Autos sind 2020 für die Verkaufsbörse angemeldet worden – fast doppelt so viele wie im Jahr zuvor.

Die Preisspanne liegt dieses Jahr bei unter 10 000 Euro für einen Youngtimer bis zu rund 200 000 Euro für ein edles Unikat, so wie sie bei der Auktion von Classic Bid am Samstag unter den Hammer kommen. Nur zum Anschauen sind die 27 von insgesamt rund 40 Rennwagen mit der charakteristischen blau-orangenen Lackierung des Sponsors „Gulf“ im Atrium. Sie stammen aus der Privatsammlung von Roald Goethe, der selbst aus England gekommen war. Vor zehn Jahren habe er zu sammeln begonnen, erzählte er in fließendem Deutsch (er wurde in Deutschland geboren), zunächst um die Autos selbst zu fahren. „Daraus ist etwas Größeres geworden, in England würde man sagen: ,I created a monster‘ – aber ein sehr sympathisches.“

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