Rettungsdienst-Tag in Stuttgart Wenn es auf jede Sekunde ankommt - Rettungskräfte üben für den Ernstfall

Beim Rettungsdienst-Tag übten Notfallretter am Samstag am Klinikum Stuttgart den Ernstfall. Foto: LICHTGUT/Zophia Ewska

Beim sechsten Rettungsdienst-Tag übten Notfallretter am Samstag am Klinikum Stuttgart nicht ganz alltägliche Szenarien.

Manchmal muss es ganz schnell gehen – etwa bei einem Luftröhrenschnitt. „Das passiert sehr selten“, betont Notarzt Matthias Ott. Doch gerade deshalb wurde dieser lebensrettende Eingriff an einer Puppe geübt. „Man muss genau die richtige Stelle ertasten“, erklärt er. Wer an der falschen Stelle das Skalpell am Hals des Patienten ansetzt, kann großen Schaden anrichten.

 

Darum wird der Luftröhrenschnitt auch erst dann gemacht, wenn die Atmung auf anderen Wegen, beispielsweise durch das Einführen eines Schlauchs in den Hals, nicht mehr erreicht werden kann. „Das macht man erst, wenn man mit dem Rücken zur Wand steht“, erklärt der Notarzt. Er rät außerdem dringend davon ab, als Laie einen Luftröhrenschnitt zu versuchen - auch wenn der Eingriff zuweilen in Filmen gezeigt werde.

In Filmen kommt der Luftröhrenschnitt öfter vor – dabei es ein riskanter Eingriff. Foto: Zophia Ewska/Zophia Ewska

Beim Rettungsdiensttag aller an der Notfallrettung in der Landeshauptstadt beteiligten Hilfsorganisationen und Institutionen trainierten am Samstag im Klinikum Stuttgart rund 80 Teilnehmer verschiedene Notfallszenarien, die im realen Einsatz zwar selten vorkommen, auf die die Rettungskräfte aber vorbereitet sein müssen.

Die Bergung eines Verletzten wurde geübt. Foto: Zophia Ewska/Zophia Ewska

Ein wichtiger Teil der Rettung ist die Bergung. Seit einigen Jahren haben es die Rettungskräfte in Stuttgart auch mit sehr schweren Patienten zu tun. Menschen, die rund 300 Kilogramm auf die Waage bringen, kommen inzwischen regelmäßig vor, berichtet Rainer Brumm von der Feuerwehr. Diese Menschen können die Sanitäter nicht mehr selbst tragen. Die Stuttgarter Feuerwehr verfügt über einen speziellen Liegekorb. Der „Rescue-Loader“ kann Patienten mit einem Gewicht von bis zu 500 Kilogramm transportieren.

Rettungsdienste seit Kurzem mit mobilen Ultraschallgeräten ausgestattet

Um das Bergen von Opfern eines Autounfalls geht es im Freien. Dort kommt das sogenannte „Spine-Board“ zum Einsatz, das die Wirbelsäule schützen soll. „Da gehört eine Fixierung dran, damit der Patient absolut ruhig liegt“, erklärt Harald Jung von den Johannitern. Die Herausforderung ist es, den Patienten aus dem Unfallauto schonend, aber schnell auf das „Spine-Board“ zu bekommen. „Das muss man immer wieder trainieren“, meint Jung.

Auch die Feuerwehr nahm am Rettungsdienst-Tag teil. Foto: Zophia Ewska/Zophia Ewska

Neue Technik stand ebenfalls auf dem Programm. Seit Kurzem sind die Rettungsdienste mit mobilen Ultraschallgeräten ausgestattet. „Damit haben wir die Möglichkeit, in die Körper hineinzuschauen“, erklärt der Notarzt Ott. So können beispielsweise innere Blutungen rasch entdeckt werden.

Ein technisches, wenn auch kein medizinisches Gerät, das auf den Rettungswagen mitgeführt wird, ist ein Brecheisen zum Öffnen von Türen. In der Regel öffneten Feuerwehr oder Polizei verschlossene Türen, erklärt Riccardo Lardino. Er ist der Vorsitzende von InsideTeam, dem Verein zur Förderung des Rettungswesens und seiner Schnittstellen in Baden-Württemberg. Doch wenn es besonders schnell gehen muss, kann auch das Rettungspersonal gewaltsam eindringen. An einer Übungstüre der Feuerwehr übten die Rettungskräfte, wie sie sich mit dem Brecheisen einen Zugang verschaffen.

Übung für die bevorstehende Fußball-Europameisterschaft

Dass es bei Rettungseinsätzen nicht immer nur auf medizinisches Fachwissen ankommt, zeigte die Übungsstation der Bosch-Werkfeuerwehr. Dort wurde geübt, wie einem bewusstlosen, auf dem Boden liegenden Feuerwehrmann die Ausrüstung abgenommen werden kann. Die schwere Schutzausrüstung mit Atemschutzmaske hat ihre Tücken, wie die Versuche der Rettungskräfte zeigten.

Geübt wurde auch, wie man Menschen, die rund 300 Kilogramm auf die Waage bringen, transportieren kann. Foto: Zophia Ewska/Zophia Ewska

Immer wieder werden auch aktuelle Themen bei den Rettungsdienst-Tagen aufgegriffen. Anlässlich der bevorstehenden Fußball-Europameisterschaft wurde das Vorgehen bei vielen gleichzeitigen Verletzten geübt. „Man kümmert sich zuerst um die, die am schwersten verletzt sind“, erklärt Notarzt Ott.

Weitere Themen