Der Hubschrauber in Pattonville soll den Wegfall in Leonberg mit kompensieren und künftig auch nachts fliegen. Das ist auch deswegen nötig, weil ein Gutachten besagt, dass die nächtliche Luftrettung im Land verbesserungsbedürftig ist. „Durch die Erweiterung der Dienstzeiten des Christoph 51 in Stuttgart auf 24 Stunden werden künftig nahezu alle Orte innerhalb von Baden-Württemberg innerhalb von 30 bis 40 Minuten durch Luftrettungsmittel erreichbar sein“, heißt es dazu aus dem Innenministerium des Landes. Mit Christoph 11 in Villingen-Schwenningen und Christoph 51 am Flugplatz Pattonville soll es dann zwei 24-Stunden-Standorte geben. „Insbesondere in den Nachtstunden sind Hubschrauber ein schnelles und schonendes Transportmittel zwischen den Krankenhäusern“, sagt ein Sprecher des Ministeriums. Derzeit fehlt allerdings noch die Genehmigung dafür.
Antrag im Dezember 2023 gestellt
Im Dezember 2023 wurde vom Platzbetreiber beim Regierungspräsidium (RP) Stuttgart als zuständige Landesluftfahrtbehörde ein entsprechender Änderungsantrag zur Flugplatzgenehmigung eingereicht. Mit diesem Antrag wurden auch Lärmgutachten vorgelegt. „Die Lärmgutachten kommen zum Ergebnis, dass infolge der beantragten Änderungen die Lärmrichtwerte nicht in unzulässiger Weise überschritten werden“, teilt eine Sprecherin des RP auf Anfrage mit. Die Behörde prüfe den Antrag und will in den kommenden Wochen mit dem Anhörungsverfahren beginnen.
Dabei haben dann sowohl die betroffenen Gemeinden, die Träger sonstiger öffentlicher Belange als auch die Anwohnerinnen und Anwohner die Möglichkeit, zum Vorhaben Stellung zu beziehen. Die Stellungnahmen werden anschließend geprüft. Schließlich wird das RP über den Antrag entscheiden. Wann das sein wird, könne aber noch nicht gesagt werden.
Städte liegen Gutachten nicht vor
Den Städten Kornwestheim und Remseck sowie dem Zweckverband Pattonville liegen aktuell noch kein Schallgutachten zur Ausweitung der Betriebszeit vor, teilt eine Sprecherin der Stadt Kornwestheim auf Anfrage mit. Sobald man Informationen habe, werde eine Infoveranstaltung organisiert.
Als das Thema Nachtflug in Pattonville vor dreieinhalb Jahren schon mal aufkam, überwog der Zuspruch für die geplante Veränderung. Zumindest, was einen Beschluss des Gemeinderats Remseck sowie die Rückmeldungen unserer Leser betrifft. Das Thema ist nicht einfach: Denn zwischen dem Startplatz und der Wohnbebauung liegen nur rund 100 Meter. So hatten die Oberbürgermeister Ursula Keck in Kornwestheim und Dirk Schönberger in Remseck 2020 erklärt, dass sie die Ausweitung auf die Nacht nicht befürworten, da eine zusätzliche Belastung durch Fluglärm bestünde. In der Abwägung – Notfallversorgung oder Nachtruhe – stimmte der Remsecker Rat kurz darauf dennoch für die Aufhebung des Nachtflugverbots. Mit dem Wunsch, dass alles getan werde, um Lärm zu verringern.
In Leonberg will man sich nicht mit dem Verlust des Rettungshubschraubers dort abfinden. Der Böblinger Landrat Roland Bernhard macht Druck: Es gebe viele gute Argumente für den Standort am Krankenhaus Leonberg. „Durch die politisch gewollte Bündelung von Leistungen und Konzentrationen an insgesamt weniger Standorten und durch die gleichzeitige Reduzierung von Praxen gewinnt die Rettung aus der Luft immer mehr an Bedeutung“, schreibt Bernhard an den Staatssekretär im Innenministerium, Thomas Blenke (CDU).
Bernhard setzt seine Hoffnung in die Novellierung des Rettungsdienstgesetzes. Die beabsichtigte Verschärfung der Hilfsfrist auf zwölf Minuten könne „am Ende weitere Luftrettungsstandorte nötig machen“, zitiert er die DRF Luftrettung. Das Innenministerium sieht das anders. Der Landkreis sei „auch zukünftig bestens versorgt“. Daran ändere „auch die in Arbeit befindliche Novellierung des neuen Rettungsdienstgesetzes“ nichts: „Sie führt zu keinen Änderungen an den getroffenen Standortentscheidungen.“
Pattonville
Die Station in Stuttgart wurde am 9. Juni 1989 durch die DRF Luftrettung am Flughafen Stuttgart in Betrieb genommen. Christoph 51 ist seit dem 1. Oktober 2009 am Flugplatz Pattonville stationiert. Seit dem 8. März 2021 startet die bundesweit erste H145 mit Fünfblattrotor, die im Rettungsdienst eingesetzt wird, als Christoph 51. Notfallorte im Umkreis von 60 Kilometern kann der Hubschrauber in maximal 15 Flugminuten erreichen.
Einsätze
Von 8 Uhr bis Sonnenuntergang fliegt der Hubschrauber Einsätze. 2023 gab es 1010, 2022 sogar 1152. Die Station in Leonberg hatte vergangenes Jahr 1007 Einsätze und im Jahr davor 1122. Neben Notfällen erledigen die Hubschrauber auch Intensivtransporte.
Bundesweit
Im vergangenen Jahr wurden die 30 Hubschrauberstationen der DRF Luftrettung zu insgesamt 36 413 Einsätze alarmiert.