Parks in Stuttgart Stadt will Millionen Euro in marode Stadtparks stecken

Von Josef Schunder 

Im Park der Villa Berg muss was passieren, das ist schon länger klar. Die städtischen Gärtner und Grünplaner wollen nun aber auch sechs anderen Anlagen nach Jahren der Zurückhaltung wieder mehr Hege und Pflege angedeihen lassen. Allerdings unter mehrerlei Voraussetzungen.

Im Höhenpark Killesberg waren die städtischen Gärtner immer aktiv, in einigen anderen Parks weniger. Nun wollen die Grünexperten der Stadt auch dort wieder mehr tun. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Im Höhenpark Killesberg waren die städtischen Gärtner immer aktiv, in einigen anderen Parks weniger. Nun wollen die Grünexperten der Stadt auch dort wieder mehr tun. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Die städtischen Gärtner und Grünplaner sowie ihr zuständiger Bürgermeister Dirk Thürnau (SPD) wollen Gas geben: beim Herrichten von sieben kleineren Parkanlagen, deren Hege und Pflege in den vergangenen Jahren nicht gerade oben rangierten in der städtischen Agenda. Es geht um den Weißenburgpark, um den Stadtgarten, um die Karlshöhe samt Silberburganlage, um die Uhlandshöhe, um den Kurpark in Bad Cannstatt, um die Parkanlage von der Iga 1993 mit dem Leibfriedschen Garten und dem Egelsee und schließlich um den Park der Villa Berg, wo die Aufwertung dem Rückbau von alten Fernsehstudios folgen soll.

Die sind nicht wirklich Teil des Grünen U, also der Kombination von Schlossgarten, Rosensteinpark und Höhenpark Killesberg, die einen u-förmigen Grüngürtel zwischen Stadtzentrum und Umland bilden. Aber sie sind mehr oder weniger Anhängsel des Grünen U, durchaus beliebt und den Menschen im Umfeld wichtig. Warum sie in den vergangenen Jahren trotzdem nicht im Fokus waren? Man habe sich, entschuldigten sich die Grün-Verantwortlichen in einer Mitteilungsvorlage für die Stadträte, „verstärkt im kleinteiligen Grünbereich“ engagiert, was den örtlichen Gegebenheiten und dem Finanzrahmen geschuldet gewesen sei.

Der Technik-Bürgermeister will 7,25 Stellen

Mit der Vorlage bereitet die Fachverwaltung die Stadträte vor den Haushaltsberatungen im Herbst darauf vor, dass sie den Kurs ändern und mehr Geld und Personal haben will. Rund um die Villa Berg, die wie der Park auch sanierungsbedürftig ist, sollen ja die Anlagen wieder ergänzt werden, wenn die alten, brach liegenden Fernsehstudios des Südwestrundfunks beseitigt sind. Hier werden die geplanten Investitionen in eine bessere Parkpflege am teuersten sein. Insgesamt fast 31 Millionen Euro dürften hier in den Jahren 2020 bis 2024 notwendig werden und auch ein eigener ständiger Parkaufseher, der einen besseren Unterhalt und eine bessere Pflege der Parkanlage sicherstellen soll.

Aber bei der einen Stelle wird es nicht bleiben. Insgesamt sind es 7,25 Stellen, die Thürnau haben möchte. Und der komplette Finanzaufwand für die Parkpflege-Offensive liegt deutlich über den 31 Millionen. Er ist noch gar nicht recht absehbar. Denn in einigen Fällen operiert die Fachverwaltung erst mit Geldwünschen für weitere Planungen. Wie in der Mitteilungsvorlage überhaupt sehr oft die Vokabeln „soll“ und „sollen“ auftauchen. Es sollen erste Bauabschnitte angegangen werden – aber in einer ersten Phase wolle man auf Basis von Bestandsanalysen, Wunschvorstellungen der Bürger und auf Basis von Artenschutz und Denkmalschutz erst einmal Konzepte „eruieren“ und dann umsetzen. Ziel: die teilweise ramponierten Anlagen sichern und weiterentwickeln.

Zum Schwur kommt es im Dezember

Die Stadträte haben im Ausschuss für Umwelt und Technik zunächst Verständnis für die Mitteilungsvorlage erkennen lassen, zum Schwur kommt es allerdings erst bei den Haushaltsberatungen im Dezember. Besonders auch bezüglich der 7,25 gewünschten zusätzlichen Stellen. Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann und Verwaltungsbürgermeister Fabian Mayer (CDU) haben schon darauf hingewiesen, dass die bisher gültigen Kriterien für Anträge zum Stellenplan nicht erfüllt seien: weil da Stellen nicht für gesetzliche Pflichtaufgaben gewünscht werden, sondern für freiwillige Aufgaben der Stadt. In solchen Fällen geht es nicht ohne das politische Plazet des Gemeinderats.

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