Rettungsübung der DLRG Stuttgart Den Ernstfall proben: schwierige Einsätze auf dünnem Eis
Die DLRG bereitet sich auf dem Max-Eyth-See auf Einsätze zur Rettung von Personen aus eisig kaltem Wasser. Was gilt es zu beachten?
Die DLRG bereitet sich auf dem Max-Eyth-See auf Einsätze zur Rettung von Personen aus eisig kaltem Wasser. Was gilt es zu beachten?
Eis als Gefahr hat man dieser Tage unter den Sohlen, den Fahrrad- und Autoreifen gespürt. Dabei war noch ein fester Untergrund unter der rutschigen Schicht. Doch wenn das Eis mit romantischem Glitzer auf unbefestigtem Untergrund lockt, auf den Gewässern Stuttgarts, dann ist das Schlittern erwünscht und die Gefahr schnell aus den Augen. Sie besteht jedoch. Das habe man erst am vergangenen Wochenende wieder gesehen, sagt Philippe Käufer, der stellvertretende Leiter der Abteilung Einsatz von der DLRG in Stuttgart: „Unsere Wasserrettung wurde gerufen, weil am Pfaffenwaldring bei der Universität in Vaihingen jemand in einen See eingebrochen war“, berichtet er. Der junge Mann habe sich in der Nacht zum Samstag selbstständig aus dem kalten Wasser befreien können. Warum er aufs Eis wollte, weiß man nicht. Fest steht: Obwohl er nicht lange im Wasser war, musste man ihn mit Unterkühlung in ein Krankenhaus bringen.
Die Eisschichten, die zur Gefahr werden können, sind für die DLRG aktuell auch eine Chance: Sie nutzen die Gelegenheit, um zu üben, wie sie im Ernstfall auf brüchigem Eis vorgehen – beziehungsweise dann, wenn nicht nur die Verunglückten, sondern auch die Rettenden durch die Eisschicht einzubrechen drohen. Dabei wagen sich die Freiwilligen der DLRG auch schon auf eine Eisschicht, die weit davon entfernt ist, sicher zu sein: „Eine kleine Schicht ab einem Zentimeter Dicke reicht uns aus“, sagt Käufer. Diese sei schon am vergangenen Wochenende am Max-Eyth-See in Stuttgart-Hofen vorhanden gewesen, bis zu drei Zentimeter dick war das Eis auf dem See. Mit Neoprenanzügen, Schlauchboot und technischer Ausrüstung machten sich 15 von ihnen auf, um für den Ernstfall zu trainieren. „Wir organisieren eine Eisrettungsübung dann, wenn es das Wetter zulässt, und das ist ja selten der Fall“, sagt Käufer.
Das Übungsszenario lautete: Eine Person ist ins Eis eingebrochen und muss schnell gerettet werden. „Wenn man unterkühlt, können die Muskeln anfangen zu krampfen. Dann kommt man aus eigener Kraft nicht mehr aus dem Wasser“, erklärt Käufer.
Die dünne Eisschicht bricht, wenn man auf ihr geht. Daher ist Lektion eins beim Annähern an die zu rettende Person: Das Gewicht auf so viel Fläche wie möglich verteilen. Das heißt: flach hinlegen, alle viere von sich strecken und rausrobben zur Unfallstelle. Natürlich sind die Retterinnen und Retter dabei gesichert und tragen halb trockene Neoprenanzüge, die etwas dicker sind und mehr abhalten als die Modelle, die man vom Windsurfen kennt. Neben dem klassischen Ranrobben kann die DLRG einen Eisrettungsschlitten einsetzen. Dieser sehe aus „wie ein Miniboot, das vorne und hinten offen ist“. „Das hilft uns, an die Stelle ranzukommen“, sagt Käufer. Man habe bei dem Tag am Max-Eyth-See „einige Praktiken verbessern können“.
Eine Übung diene aber auch dazu herauszufinden, was nicht so gut klappt. So etwa die Menschenkette, liegend auf der Eisoberfläche. „Da hält man sich dann jeweils an den Füßen fest, und die Kette soll bis zum Verunglückten gehen“, erläutert Käufer. Zu dieser Praktik würde er bei einer so dünnen Eisschicht nicht unbedingt raten: „Auch wenn das im Lehrbuch als gute Lösung beschrieben wird: Da wurden ein paar von uns nass.“ Verletzt worden sei aber niemand bei der Übung, mehr als ein blauer Fleck beim Einbrechen ins Eis war nicht zu beklagen.
Was auch noch praktiziert wurde, war das Herausziehen aus dem Wasser an einer sogenannten Prallschutzweste. An dieser könne man ein Seil befestigen. Der Retter oder die Retterin werde angeleint und greife die verunglückte Person, beide zusammen würde man dann aus dem Wasser ziehen.
Die Übung der DLRG zog viele neugierige Blicke auf sich. „Das hatte einen angenehmen Nebenaspekt: Wir konnten auch ein bisschen Prävention machen“, sagt Käufer. Sprich: vor den Gefahren warnen, die dräuen, wenn man sich aufs Eis begibt. Etwa die Information verbreiten, dass Eis erst ab einer Dicke von 15 Zentimetern tragfähig ist und damit als sicher gilt. Die Kenntnis ist aber aus einem Grund irrelevant: In Stuttgart ist es verboten, Eisflächen zu betreten.
Dennoch komme es immer wieder zu brenzligen Situationen: Anfang Dezember, als es zum ersten Mal winterlich war in der Region, brachen in Stuttgart-Vaihingen zwei Mädchen in das Eis des Feuersees ein. Sie konnten sich selbst wieder befreien, die Rettungstaucher der Feuerwehr und zwei Retter der DLRG wurden nicht gebraucht. Bei einem Einsatz in Möhringen am Riedsee musste die Feuerwehr ins kalte Wasser steigen, um einen Vierbeiner zu retten: Ein Hund hatte sich auf das dünne Eis gewagt und kam von der Insel in der Mitte nicht mehr zurück.