Rheintalbahn Schweiz fürchtet das "Nadelöhr"

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Peter Füglistaler, Direktor des schweizerischen Bundesamtes für Verkehr (BAV), sieht die Deutschen im Rheintal in der Pflicht.

Peter Füglistaler sagt, Großprojekte seien zwar schwierig, aber die Schweiz könne nicht akzeptieren, wenn der deutsche Staat mit dem fehlenden Geld argumentiert. Foto: Devènes
Peter Füglistaler sagt, Großprojekte seien zwar schwierig, aber die Schweiz könne nicht akzeptieren, "wenn der deutsche Staat mit dem fehlenden Geld argumentiert". Foto: Devènes
Stuttgart - Die Erweiterung der Rheintalbahn zwischen Karlsruhe und Basel um zwei neue Gleise für den Güterverkehr kommt nur schleppend voran. Vor knapp zwei Wochen hat das Regierungspräsidium Freiburg die Planung der Deutschen Bahn AG bei Offenburg als fehlerhaft, unvollständig und teilweise rechtswidrig zurückgewiesen. An der Strecke südlich von Offenburg bis Basel gibt es 170.000 Einwendungen und noch keine Planfeststellung, fertig ist lediglich ein Tunnel kurz vor Weil am Rhein. Die Oberrheintrasse wird damit zum Nadelöhr der Nord-Süd-Verbindung von Rotterdam zum Mittelmeer. Das Transitland Schweiz liegt mit seinen Teilstrecken im Plan, der Direktor des schweizerischen Bundesamtes für Verkehr, Peter Füglistaler, befürchtet nun einen Engpass.

Herr Flüglistaler, die Schweiz hat 2010 den Durchstich des neuen Gotthardtunnels geschafft und will ihn 2017 eröffnen, die Zuführung aus dem Norden an die "Neue Eisenbahn-Alpentransversale" wird vermutlich bis dahin nicht fertig sein. Im Staatsvertrag von Lugano wurde 1996 aber etwas anderes vereinbart.


Es wurde vereinbart, dass die beiden Länder ihre Strecken in dem Maß ausbauen, dass sie mit dem steigenden Verkehr Schritt halten. Ein fixer Zeitrahmen wurde nicht vereinbart. Es gibt einen gemeinsamen Leitausschuss, der mindestens ein Mal jährlich zusammenkommt und die Maßnahmen gemeinsam abstimmt.

Die letzte Sitzung fand im November in Leipzig statt. Wie wurde das Verkehrsaufkommen im Güterschienenverkehr eingeschätzt?


Die Zahl der Güterzüge, die bei Basel über die Grenze kommen, wird von heute 210 pro Tag auf 280 pro Tag im Jahr 2020 steigen. Dieser Verkehr wird sich mit zwei Gleisen - auf denen auch der Personenverkehr läuft - nur noch sehr schwer bewältigen lassen.

Welche kurz- und mittelfristigen Maßnahmen sind denn denkbar?


Wenn der Ausbau auf vier Gleise nicht rechtzeitig kommt, müssen wir im Rheintal die Zugfolge, also die Taktzeiten verkürzen und die Geschwindigkeiten angleichen. ICEs müssen dann mit gleicher Geschwindigkeit wie die Güterzüge, also zwischen 80 und 100 Stundenkilometer fahren. So ist eine bessere Auslastung der Kapazitäten möglich. Das ist an der nächsten Sitzung des Leitausschusses mit unseren deutschen Partnern zu diskutieren.

Es ist angesichts der stockenden Planung so gut wie sicher, dass der Anschluss am Oberrhein erst nach 2020 fertig wird. Was ist, wenn die Schweiz ihre Hausaufgaben gemacht hat, Deutschland aber nicht fertig wird?