Rhythmische Sportgymnastik Song für eine deutsche Olympiamannschaft aus Ludwigsburg

Nadine Stockmann (Mitte) will auch künftig mit Gymnastinnen auftreten. Foto: /Qingwei Chen

Die Ludwigsburgerin Nadine Stockmann hat einen Song für die Deutsche Nationalmannschaft der Rhythmischen Sportgymnastik geschrieben. „On Fire“ soll die Gymnastinnen bei den Olympischen Spielen in Paris begleiten.

Ludwigsburg : Anna-Sophie Kächele (ask)

Drei junge Mädchen sitzen auf Sprungkästen und ziehen sich eine Bandage über das Knie. Sie stehen auf, laufen nacheinander anmutig tänzelnd aus der Halle, auf der Rückseite ihrer königsblauen Trikots steht TSV Schmiden (Rems-Murr-Kreis). Die Szene wiederholt sich – nur dieses Mal sind es junge Frauen, die das Trikot der deutschen Nationalmannschaft tragen.

 

Es ist eine Szene aus Nadine Stockmanns Musikvideo. Ihr Song „On Fire“, der am Samstag auf allen führenden Streamingplattformen erscheint, ist der offizielle Olympiasong der Deutschen Nationalmannschaft der Rhythmischen Sportgymnastik.

„Ich will den Menschen mit meiner Musik etwas zurückgeben“

Die gelernte Bühnendarstellerin und Sozialpädagogin aus Ludwigsburg lässt sich als Kind schon von dem Musical „Phantom der Oper“ begeistern. Jahrelang arbeitet sie als Musicaldarstellerin und Solistin. 2015 gewinnt sie mit ihrer damaligen Band den ersten Preis für den besten deutschsprachigen Popsong. Ihren Traum, eigene Musik zu machen, vergisst sie nie, und so schafft sie es, 2022 mittels eines Spendenaufrufs über die Plattform Crowdfunding rund 6500 Euro zu sammeln. Ein Bruchteil von dem, was ihre heute erschienene EP, ein Tonträger mit vier Singles, gekostet hat und dennoch das dringend notwendige Startkapital, um unter ihrem Namen Musik zu machen.

Nadine Stockmann schreibt ihre Lieder mit Torsten Bader und produziert sie in den Baderstudios in Weil der Stadt (Kreis Böblingen). Eines haben ihre vier Lieder alle gemeinsam: Jeder Song solle ein Stück ihrer Persönlichkeit verkörpern. „Ich will den Menschen mit meiner Musik etwas zurückgeben, auch denjenigen, die mich finanziell unterstützt haben“, sagt Nadine Stockmann.

Mit „On Fire“ will die Ludwigsburgerin die Ungleichheiten im Sport zwischen Männern und Frauen thematisieren und „auf die beeindruckende Leistung der jungen Gymnastinnen aufmerksam machen“. Es sei schade, dass viel zu wenig Menschen wüssten, dass in Fellbach-Schmiden der Stützpunkt der Nationalmannschaft der Rhythmischen Sportgymnastik sei. Dabei hat das Team Anfang April beim Grand Prix im französischen Thiais die Silbermedaille im Mehrkampf gewonnen.

Nadine Stockmann kennt den Druck, unter dem die Sportlerinnen stehen, weiß um zeitintensives Training und den Preis des Erfolgs. 1994 und 1998 wurde sie selbst deutsche Meisterin mit ihrer Gruppe in der Sparte „New Dance“ vom Deutschen Turnerbund. In dem Lied „On Fire“ singt sie deshalb von der Menge, die als Chor anfeuert und davon, nie aufzugeben. „Ich erinnere mich an diesen Moment der Konzentration, kurz bevor man auf die Bühne geht“, sagt Stockmann. Man habe nur kurz Zeit, die perfekte Leistung abzurufen. Der Song solle motivieren und die Sportart bekannter machen – im besten Fall schon vor den olympischen Spielen, die am 26. Juli in Paris beginnen.

„Das Lied wird uns über Paris hinaus begleiten“

Bundestrainerin Isabell Sawade beschreibt, welche Wirkung das Lied auf ihre Sportlerinnen hat. „Das Team hat sich sehr über die Wertschätzung gefreut. Wer darf schon von sich behaupten, ein eigenes Olympialied zu haben?“ „On Fire“ beschreibe viele Situationen einer Spitzenathletin. Von Ängsten und vom In-sich-Gehen, sagt die Trainerin. Emotionen, die alle Sportlerinnen am Stützpunkt beschäftigen dürften. Im Musikvideo von „On Fire“ tauchen deshalb nicht nur die fünffache Weltmeisterin Darja Varfolomeev und die Einzelathletinnen Margarita Kolosov und Anastasia Simakova auf, sondern auch jüngere Athletinnen.

Die olympischen Sommerspiele wird Nadine Stockmann im Fernsehen verfolgen. Sie begeistere sich schon immer für die Wettkämpfe. Wobei sie auch mit dem Gedanken spielt, sich in Paris davon zu überzeugen, ob „On Fire“ tatsächlich für einen Energieschub sorgt. „Wir werden das Lied auf jeden Fall im Training und auf all unseren Reisen hören“, sagt Trainerin Isabell Sawade. Ihrer Meinung nach habe es Ohrwurm-Potenzial und werde sie bis Paris und darüber hinaus begleiten.

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