Riedenberg Bürger fürchten sich vor weiteren Einbrüchen

Im Dezember und Januar hat die Polizei in Stuttgart insgesamt zehn Einbrecher gefasst. Foto: dpa
Im Dezember und Januar hat die Polizei in Stuttgart insgesamt zehn Einbrecher gefasst. Foto: dpa

Der Dattelweg isteine beliebte Adresse für Diebe. Aber auch anderswo sind Räuber zugange.

Filderzeitung: Judith A. Sägesser (ana)
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Stuttgart-Sillenbuch - Der Strick ist eine Notlösung. Sie und ihr Freund haben das Seil sowohl um den Fenster- als auch den Türknauf gezurrt. Wie eine Acht. „Das ist nur ein Provisorium“, sagt die Riedenbergerin, die anonym bleiben will. Der Strick soll es Einbrechern schwerer machen, in die Wohnung zu gelangen. Abends schiebt das Paar Möbel vor die Terrassentür und stellt Krimskrams auf die Fensterbänke. So geht das schon seit mehr als zwei Wochen. „Ich habe Angst, wir schlafen nicht mehr gut“, sagt die Frau. „Es ist eine komische Situation.“ Das Paar, das am Dattelweg wohnt, rüstet sich für den Ernstfall. Bei diesen Leuten ist noch nicht eingebrochen worden – aber gleich nebenan.

Eine Tür weiter leben die Schmidts. An dem Januarabend, als die Eindringlinge in ihren Schubladen und Schränken wühlten, waren Margarete und Jürgen Schmidt auf der Urlaubsmesse CMT. Gegen 20 Uhr kamen sie nach Hause, da wartete bereits die Polizei auf sie.

Die Schmidts geben sich nach dem Einbruch recht gelassen. „Der größte Schaden war, dass hier alles verdreckt war“, sagt Jürgen Schmidt. Von den Spürhunden und den Schuhen der Polizisten. Die Ganoven selbst haben – bis auf die Tür – nichts kaputt gemacht. Aber sie haben 100 Schweizer Franken und 40 Euro geklaut. Die Schmidts vermuten, dass den Räubern die Zeit davongelaufen ist. Der Nachbar ein paar Häuser weiter hatte nämlich die Polizei gerufen. Ihm sind im Garten, während er eine Zigarette geraucht hat, zwei dunkle, flüsternde Gestalten mit Wollmützen aufgefallen, wie er berichtet. „Die haben Glück gehabt, dass ich eine Sportverletzung hatte“, sagt er, ansonsten wäre er ihnen hinterher.

Räuber fokussieren sich nicht auf gewisse Viertel

Im Jahr 2011 hat die Polizei Stuttgart 933 Einbrüche im Stadtgebiet registriert. Die Zahlen fürs vergangene Jahr hält die Polizei noch zurück, sie sollen der Öffentlichkeit im Frühjahr präsentiert werden. Die Landespolizei hält es genauso, lässt jedoch durchblicken, dass der Trend für Baden-Württemberg von 2011 zu 2012 leicht steigend ist. In Stuttgart gibt es laut der Polizei-Sprecherin Sybille Ahlborn keine bei Einbrechern besonders beliebte Gegend. Zwar würde auf den Fildern durchaus häufig eingebrochen, es handele sich aber auch um ein vergleichsweise großes Gebiet.

Dass sich die Räuber nicht auf gewisse Viertel fokussieren, bestätigt eine Polizeimeldung nach diesem ersten Februar-Wochenende. Da ist bei etlichen Leuten eingebrochen worden. Und zwar quer durch die Stadt, vom Heumadener Anisweg über die Paulusstraße im Stuttgarter Westen bis hin zur Lenbachstraße in Feuerbach.

Wer hinter den Raubzügen durch die Wohngebiete steckt, kann die Polizei freilich zunächst nur mutmaßen. Im Dezember und Januar seien der Polizei insgesamt zehn Einbrecher ins Netz gegangen, sagt die Sprecherin Ahlborn. Diese Festnahmen würden nahelegen, dass es sich in einigen Fällen um Banden aus Bosnien und Serbien handeln könnte. Der Polizei sei außerdem bekannt, dass Frauen an Haustüren klingeln „und sich so Zugang zu den Wohnungen verschaffen“, erklärt Ahlborn.

Was Wert hat, wird weggeschlossen

Einen Monat vor dem Einbruch bei den Schmidts haben Unbekannte schon mal am Dattelweg zugeschlagen. Viel haben die Täter in der Wohnung der Familie damals nicht erbeutet. Aber die goldene Uhr, die den Riedenberger an seinen Vater erinnert, haben sie gestohlen. „Das trifft mich am meisten“, sagt der Mann, der seinen Namen nicht öffentlich nennen will. Er ist am frühen Abend heimgekommen, und die Tür ist nicht aufgegangen. Also hat er mit Kraft nachgeholfen. Die Eindringlinge hatten den Eingang mit einem Stuhl blockiert.

Ähnlich erging es einer Frau, die ebenfalls am Dattelweg wohnt. An einem nebligen Novemberabend im Jahr 2012 kam sie nach Hause, hat aufgeschlossen, doch die Tür hat sich nur schwer geöffnet. Dann sind Flaschen umgekullert. Der Einbrecher hatte sich eine gläserne Warnanlage gebaut. Der Frau blieb nur die Feststellung, dass die Ganoven ihr in Schubladen deponiertes Geld gestohlen hatten. Und den Schmuck.

Das Paar, das den Knauf der Terrassentür seit zwei Wochen mit einem Strick umwickelt, will den Einbrechern zuvorkommen. Was Wert hat, wird weggeschlossen, sagt die Frau. Diebe sollen leer ausgehen. Deshalb will das Paar den Strick bald gegen eine ordentliche Schließanlage tauschen.




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