Rin in der Schleyerhalle Melancholie und Moshpits

Rin hat in der Schleyerhalle seine musikalische Vielseitigkeit gezeigt. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Der Bietigheimer Rapper Rin hat im vergangenen Jahr überraschend alle Konzerte verschoben, um an seiner Live-Performance und an neuen Songs zu arbeiten. Am Samstag wurde das Konzert in Stuttgart nachgeholt. Hat sich das Warten gelohnt?

Da ist er also endlich. Renato Simunović, besser bekannt als Rin. Alleine steht er auf der Bühne in der Schleyerhalle, mit weißer Basecap, Anzug und Sneakers. „Stuttgart“, ruft er in die Menge. Nur ein Wort, und die Fans verfallen in frenetischen Jubel. Die Handys werden gezückt, und Rin stimmt mit „Keine Liebe“ den ersten Song an: „Baby, sag mir, warum liebst du diesen Typ mit den Nikes?“

 

Größer, toller, besser

Eigentlich war die Tour für Januar und Februar dieses Jahres geplant. Dann hat der Bietigheimer Rapper die Termine überraschend verschoben. In einem dreieinhalbminütigen Video auf Instagram begründete er seine Entscheidung damit, dass er an sich arbeiten müsse. „Meine Show ist größer geworden, sie ist toller geworden. Mein Team ist besser geworden und die Technik um mich herum – aber nicht ich selbst“, sagt er darin. Hinter der Technik und hinter seinen Fans, die alles schön mitsingen, habe er sich gut verstecken können. Das wolle er nun ändern. Außerdem sei das Album „Kleinstadt“ zum Start der Tour anderthalb Jahre alt.

Kunstmaximierung statt Gewinnmaximierung

In der Zwischenzeit hat er also nicht nur an seiner Liveperformance sondern auch an neuen Liedern gefeilt. Die sind erst in loser Abfolge und schließlich gebündelt unter dem Titel „Euphoria“ erschienen.

An diesem Abend zeigt Rin, dass sich das Warten gelohnt hat. Er startet gemächlich in den Abend, das Publikum wärmt sich langsam auf. Neben seinen Hits wie „Commitment Issues“ und einem seiner neueren Song wie „Sternenstaub“, ein melancholisches Stück, das er gemeinsam mit Schmyt aufgenommen hat, singt er auch ein Lied, das bisher noch gar nicht veröffentlicht wurde. „Ich möchte euch zeigen, wo es in Zukunft hingeht, ich möchte künstlerisch mutig sein“, sagt er, auf einem Barhocker sitzend. Kunstmaximierung statt Gewinnmaximierung, nennt er es.

Melancholischer Deutschrap

Rin zeigt im ersten Teil seine musikalische Vielseitigkeit. Schon immer hat er sich von vielen anderen Deutschrappern abgehoben, war ironischer, melancholischer und experimentierfreudiger. In dem Song „Meer“ verwebt er Rap mit Grunge. In der Schleyerhalle wird er dabei von einer E-Gitarre begleitet, bei „Insomnia“ gibt’s sogar Platz für ein Gitarrensolo.

Kurz darauf wird es unruhig auf den Stehplätzen, irgendetwas passiert in der Mitte der Halle. „Jetzt machen wir die Scheiße richtig“, ruft Rin und steht jetzt nicht mehr auf der großen Bühne vorne, sondern auf einer Plattform mitten im Publikum. Der Anzug ist Cargohosen und Hoodie gewichen, und damit ist der energiegeladene Teil des Abends eingeläutet. Als das Publikum versteht, was passiert, rennt es auf die quadratische Plattform zu, auf der neben Rin noch eine Box mit blinkenden Lichtern Platz findet. Immer wieder schießt ein Feuerstrahl Richtung Hallendecke. Das Publikum schreit die Texte mit, es folgen unzählige Moshpits rund um die Bühne, die Hände sind oben. Rin zeigt sich bewegt. „In der Heimat ist es immer etwas anderes“, sagt er.

Die Fans sind versöhnt

Das Konzert in Stuttgart ist der Abschluss seiner Deutschlandtournee. „Ich bin ramponiert“, sagt er und lacht. „Die Nacht hat ihren Preis“, singt er dann in seinem Lied „Alien“. Die Show endet schließlich mit seinem großen Hit „Dior 2001“ – den er als Zugabe gleich noch mal spielt.

Ja, Rin ist noch besser geworden. „Wir haben abgefackelt“, sagt er. Auch wenn manche Fans nach der Absage der Konzerte im Frühjahr sauer waren, nach diesem Konzert sind sie mit dem Bietigheimer ganz bestimmt wieder versöhnt.

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